Anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März haben Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus verschiedenen Fraktionen in Zusammenarbeit mit NGOs (siehe nebenstehendes Plakat) eine Konferenz unter dem Titel „Double glass ceilings“ durchgeführt.

„Double glass ceilings“ bedeutet doppelte gläserne Decken. Gemeint ist damit, dass Frauen mittlerweile im Berufsleben durchaus einen Blick in höhere Etagen werfen können – also durch gläserne Decken schauen können. Aber nur die Blicke können die Glasecken durchdringen. Ein Aufstieg durch diese gläsernen Decken ist hingegen nicht möglich.

Berichtet haben Frauen aus sehr unterschiedlichen Ländern über ihre persönlichen Erfahrungen im Kampf gegen Diskriminierung und auch über die Situation in ihren Ländern.

Deutlich wurde, dass Frauen noch immer Diskriminierungen ausgesetzt sind. Zum einen, weil sie Frauen sind. Beruflich drückt sich das aus in nur schwer überbrückbaren Aufstiegshindernissen und in einer oftmals schlechteren Bezahlung.

Besonders eindrücklich war der gemeinsame Beitrag von Yael Leibovitz und Chani Zisman. Beide Frauen kommen aus Israel. Yael hat sich als säkulare Israelin beschrieben, Chani als ultraorthodox. Ihnen ist eindrücklich gelungen deutlich zu machen, dass Diskriminierung nicht ausschließlich eine Frage der rechtlichen Gleichstellung ist. Die ist selbstverständlich unabdingbar. Aber es gibt auch vielfältige kulturell verankerte Formen der Diskriminierung, die trotz gesetzlicher Gleichstellung weiter bestehen bleiben und die es ebenfalls zu überwinden gilt. Chani Zisman hat an ihrem religiösen Kontext sehr anschaulich darlegen können, was es bedeutet, wenn man einem extrem traditionellen religiösen Kontext sozialisiert ist und dann plötzlich als Frau Rechte in Anspruch nimmt, die einem zustehen, die aber nicht im Einklang mit den religiösen Lebensregeln der Familie stehen.

Ebenfalls sehr spannend war der Beitrag von Manel Mselmi. Sie ist Belgierin mit tunesischen Wurzeln. Ihr Beitrag konzentrierte sich auf die Kämpfe von Frauen für Gleichberechtigung in Tunesien. In den aktuellen Debatten um Zuwanderung und Integration wird immer wieder ein Bild muslimischer Frauen gezeichnet, das sie in passiver Akzeptanz der ihnen zugewiesenen Rolle zeigt. Manel Mselmi, die auch für Europa.blog schreibt und die sich selbst als Ökofeminstin sieht, hat dieses Klischee aufgebrochen. Der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft und im Berufsleben – Frauen verdienen nicht nur in Deutschland im Durchschnitt deutliche weniger Geld für gleiche Arbeit, sondern auch in vielen anderen Ländern – ist allerdings in patriarchalischen Gesellschaften ungleich schwerer als in den westeuropäischen Ländern. Manel Mselmi betonte daher, das die Frauen, die in Tunesien aber auch in anderen islamischen Ländern für Gleichberechtigung kämpfen, soziale und politische Unterstützung brauchen.

Abschließend betonte der Moderator der Konferenz, Alfiaz Vaiya, der zugleich Koordinator der „Intergroup Anti-Racism and Diversity“ des Europäischen Parlaments ist, dass das Europäische Parlament sich weiterhin intensiv mit dem Thema Gleichberechtigung befassen wird. Sollte der Anteil von Europaabgeordneten aus rechten Parteien bei der nächsten Europawahl (2019) weiter steigen, dann dürfte dieses Engagement allerdings gedämpft werden.

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