Herne | Wanne-Eickel | Castrop-Rauxel2026-02-13T18:23:57+01:00

Herne | Wanne-Eickel | Castrop-Rauxel

Die Städtenamen Wanne-Eickel (seit 1975 zu Herne gehörend), Castrop-Rauxel und Herne klingen in den Ohren vieler etwas irreal oder komisch oder als Synonyme von … ja, von was eigentlich?

Jedenfalls animieren diese drei Städtenamen immer wieder zu Witzen und spöttelnden Kommentaren. Einige davon sind hier zusammengestellt.

Da ich den längsten Teil meines bisherigen Lebens in Herne – genauer: in Wanne-Eickel – verbracht habe, scheint es mir angemessen, dieser Stadt an dieser Stelle in dieser Form ein kleines literarisches Denkmal zu setzen.

Viel Spaß beim Lesen!

… unter Journalisten scheint die Herner SPD als besonders zäh und langlebig zu gelten …

Religion kommt ja heute bei vielen nicht mehr so gut an, aber ich sage mal eins: Die katholische Kirche gibt es seit 2000 Jahren, die SPD hat Glück, wenn sie ihren 200sten noch im Stadtrat von Herne feiern darf. Nur wer glaubt, bewegt die Ewigkeit.

Diese Zeilen sind dem Artikel „Brief an die Fans von Sahra Wagenknecht. Es gibt keine Querfront!!1! – Fans von Sahra Wagenknecht wollen eine Bewegung, in der man nicht so viel Energie gegen Rechts aufwendet, sondern sich vorwärts bewegt. Endlich!“ von Daniel Schulz in der taz vom 10.08.2018 entnommen.

Don’t come Knocking

Nicht Scarlett Johansson becirct den Helden, sondern ein verspäteter Seventies-Punk-Klon, den man selbst in Herne oder Salzgitter nicht mehr finden würde.

Joachim Lottmann, Schriftsteller, im SPIEGEL (Nr 34 / 22. 08. 2005) über Wim Wenders Film „Don’t come Knocking“

Nicht aus der Welt zu bringen …

Nicht aus der Welt zu bringen ist das Gerücht, Castrop-Rauxel sei die lateinische Übersetzung von Wanne-Eickel:

Und auch der verstorbene Spendenexperte Jürgen Möllemann scherzte einmal über Norbert Blüm: „Der übt Schmetterling im Planschbecken für Olympia 2012 in Wanne-Eickel; lateinisch: Castrop-Rauxel.“ Da lachten alle sehr, auch wenn der Bart dieses Kalauers noch länger war als Möllemanns Skandalchronik.

(Aus: Bernd Müllender, Eickelig und rauxelös. FR vom 18. 08. 2003. – siehe unten!)

Herne und Dieter Bohlen I

In der Sylversterausgabe 2003 der WAZ, Lokalausgabe Herne, unter der Rubrik „Was wir bisher nicht veröffentlichten …“ findet sich folgende Anmerkung:

Bis heute verschwiegen haben wir auch ein Streiflicht einer überregionalen Tageszeitung, die über unsere Stadt dies formuliert: … Herne liegt an der unvorteilhaftesten Stelle im Ruhrgebiet, aber dennoch hat es keinerlei Imageprobleme. Denn Herne ist unter den Städten, was Dieter Bohlen unter den Intellektuellen ist. Man hat seinen Platz gefunden, ist dort anerkannt und strebt nicht nach mehr.

Herne und Dieter Bohlen II

Dieter Bohlen hat allerdings auch eine klare Meinung zu Herne:

… Und später, wenn ich alles wieder vorholen will, merke ich manchmal: „Ist ja schon total out, das Teil.“ So liegt zum Beispiel seit Jahren eine 18-Karat-Cartier-Uhr – so mit dickem Gold drum rum – in meinem Tresor. Die kann man eigentliche nur noch anziehen, wenn man Dealer in Herne-Süd werden will und Sätze sagt wie: „Ey, du voll fett der krasse Macker!“

(Dieter Bohlen in: Dieter Bohlen (mit Katja Kessler): Nichts als die Wahrheit. München, Taschenbuchausgabe 5/2003, Seite 12)

Tonio Schiavo

Franz Josef Degenhardt hat 1966 mit seinem Lied Tonio Schiavo, das die damalige Situation von „Gastarbeitern“ in der BRD reflektiert, der Stadt Herne ein denkwürdiges und ungewöhnliches literarisch-musikalisches Denkmal gesetzt (vergleichbar charmant ist wohl nur Gelsenkirchen Lyrics von Georg Kreisler):

Dies Lied ist gewidmet dem italienischen Gastarbeiter Tonio Schiavo.
Er lebte nur kurze Zeit in der westdeutschen Stadt Herne.

Das ist die Geschichte von Tonio Schiavo
geboren verwachsen im Mezzo Giorno
Frau und acht Kinder und drei leben kaum
und zweieinhalb Schwestern in einem Raum
Tonio Schiavo ist abgehaun
er zog in die Ferne
ins Paradies
und das liegt irgendwo bei Herne.

Im Kumpelhäuschen oben auf’m Speicher
mit zwölf Kameraden vom Mezzo Giorno
für hundert Mark Miete und Licht aus um neun
da hockte er abends und trank seinen Wein
manchmal schienen zum Dachfenster rein
richtige Sterne
ins Paradies
und das liegt irgendwo bei Herne.

Richtiges Geld schickte Tonio nach Hause
sie zählten’s und lachten im Mezzo Giorno
er schaffte und schaffte für zehn auf dem Bau
und dann kam das Richtfest und alle waren blau
der Polier der nannte ihn“Itaker Sau“
das hörte er nicht gerne
im Paradies
und das liegt irgendwo bei Herne.

Tonio Schiavo der zog sein Messer
das Schnappmesser war’s aus dem Mezzo Giorno
er hieb’s in den fetten Bauch vom Polier
und daraus floß sehr viel Blut und viel Bier
Tonio Schiavo den schnappten gleich vier
er sah unter sich Herne
das Paradies
und das lag gar nicht mehr so ferne.

Und das ist das Ende von Tonio Schiavo
geboren verwachsen im Mezzo Giorno
sie warfen ihn siebzig Meter hinab
er schlug auf das Pflaster und zwar nur ganz knapp
vor zehn dünnen Männern die waren müde und schlapp
kamen gerade aus der Ferne
aus dem Mezzo Giorno ins Paradies
und das liegt irgendwo bei Herne.

Hier zu einer Version des Liedes von Franz Josef Degenhardt auf YouTube:
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Bernd Müllender: Eickelig und rauxelös

Aus unerfindlichen Gründen seit jeher die medialen Deppen-Dörfer: Die seltsamen Karrieren von Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel.  Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel: Auch im dritten Jahrtausend gehört es zur deutschen Fromulierungskunst, die Zwillinge des Reviers mit einem Jeglichen in Zusammenhang zu bringen.

„Auch in den hintersten Tälern Nepals“, leitete Uli Wickert neulich zum Wetter über, „findet man heute Kegelclubs aus Wanne-Eickel.“ Das war mal wieder richtig was zum Schmunzeln. Ähnlich erklärte der Berliner Tagesspiegel die globalisierte Welt: „Mobilität ist gefragt. Gestern Hauswart in Castrop-Rauxel, heute Key-Account-Manager in Friedrichshain, übermorgen selbstständiger Imker in Lappland.“ Und auch der verstorbene Spendenexperte Jürgen Möllemann scherzte einmal in einer Karnevalsrede über Norbert Blüm: „Der übt Schmetterling im Planschbecken für Olympia 2012 in Wanne-Eickel; lateinisch: Castrop- Rauxel.“ Da lachten alle sehr, auch wenn der Bart dieses Kalauers noch länger war als Möllemanns Skandalchronik.

Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel: Auch im dritten Jahrtausend gehört es zur deutschen Formulierungskultur, die Zwillinge des Reviers mit einem Jeglichen in Zusammenhang zu bringen. Die Erwähnung der Doppelnamen soll die Mundwinkel nach oben schnellen lassen.

In gut drei Jahren konnten über 200 Fundstellen nachgewiesen werden. Wir lesen auch in der Frankfurter Rundschau: „Eishockeystar Wayne Gretzky in Hannover – das ist ungefähr so wie der Papst in Wanne- Eickel.“ Ein Berliner Politiker will wissen: „Wann gibt es endlich einen Direktflug nach Castrop-Rauxel?“ Der Rheinische Merkur schafft einen geografischen Dreisatz: „Wo die Informationen um den Globus rasen und Tokio von Gelsenkirchen so nah scheint wie Wanne-Eickel, wechseln Mode und Moral wie der Wind.“ Und Günter Gaus kritisierte noch im März 2003 die Grünen in seinem „Lob der Kleinbürgerlichkeit“: „Wanne-Eickel als Lebensform blieb den meisten von ihnen fremd.“

Castrop und Wanne stehen für Provinz, Mief und Spießertum. „Ein fettleibiger Bär namens Balou“ schrieb die Süddeutsche Zeitung einmal, „fährt ein Warm-Up-Programm zusammen, für das sich der Anheizer in der Zeltdisco auf dem Campingplatz Wanne-Eickel in Grund und Boden schämen würde“. Die Junge Welt fand jemanden, der „das Unterhemd um den Hals gelegt hat, als käme er aus dem Herrenwaschraum auf dem Campingplatz Wanne-Eickel.“ Dabei spielt es keine Rolle, dass es einen Campingplatz in Wanne gar nicht gibt. Wanne und Castrop sind ein Schutzwall: Wer selbst tiefe Provinz ist, der kann sich hinter dem Kohlenpottduo bestens verstecken und dabei noch den eigenen Heimatstolz kultivieren. Wie die Erkelenzer Nachrichten, die sich empörten, dass DJ Bobo trotz Zusage die 675-Jahr-Feier des Ortes schwänzte. „Unaufschiebbare anderweitige Verpflichtungen des Künstlers: Kann ja sein, dass St. Goarshausen 485 Jahre alt wird oder Wanne-Eickel 135.“ Als die Woche das Fachblatt Bäckerblume einmal bös als „das Castrop-Rauxel der Zeitungslandschaft“ verhöhnte, zahlte das Wochenblatt für diese Gemeinheit kurz darauf mit seinem Leben.

Das Festhalten am ausgelatschten Muster ist ein geistiges Phänomen, das offenbar alle Zeitläufte und Moden überdauern will. Paradox dabei: Die beiden Städtesynonyme für Banalität und Schlichtheit sollen zugleich Grenzenlosigkeit erklären. Wie es der Spiegel tat, als er über „Websurfer im südseeischen Tonga, in Fargo, North Dakota oder im westfälischen Castrop-Rauxel“ schrieb. Die lustigen Viersilber mit magischer Wirkung möchten Orientierung geben in komplizierter Zeit. Über den Traumberuf Arzt lesen wir in der Welt: „Der medizinische Alltag ist von Wolkenträumen so weit entfernt wie Hollywood von Castrop- Rauxel.“

Das ist so originell wie das Autorouten-GPS-Programm, das man mit besonders schwerer Kost füttert: „Was, wenn man die Erbtante in Castrop- Rauxel besuchen möchte?“ Die Rezension einer Faust-Inszenierung will sogar großes Theater mit den Niederungen der Schmuddelei versöhnen: „In die Hexenküche geht es zu wie bei einer Swinger-Party in Wanne-Eickel.“

Mit dem marathonesken Gebrauch des Pottdoppels entlarvt sich die deutsche Humorkultur allerdings selbst als eickelig undrauxelös. Denn vor dem billigen Lachreflex steht der inflationäre Formulierungsreflex. „Wenn einem nichts mehr einfallen will“, hat ein Mitarbeiter der Kölner TV-Scherzfabrik Brainpool neulich gesagt, „gibt es gibt immer noch lustige Worte, auf die man sich immer verlassen kann: Wanne-Eickel zum Beispiel.“ Dieser Satz scheint in vielen Redaktionsstuben und Redetexterkammern als Mantra der Kreativität über den Schreibtischen zu hängen.

Vor Ort nimmt man die Sottisen gelassen. Wannes SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Becker sagt: „Ach, wir sehen das mit Humor, wenn es mal etwas Gelungenes ist. Ärgerlich wird es nur, wenn es zu platt ist.“ Seine Sekretärin Christa Olck erkennt in der endlosen Spaßkaskade immerhin „gute Werbung durch die Wortmarke Wanne“. Auch Castrops CDU- Stadtoberhaupt Nils Kruse betont „unseren hohen Bekanntheitsgrad: Für Marketingfachleute eine gute Ausgangsbasis. Diskriminiert fühlen wir uns nicht.“ Parteifreund Lothar Späth, erzählt Kruse stolz, „hat in einem Buch mal geschrieben: ,Silicon Valley ist nicht Castrop-Rauxel.‘“

Allerdings, gibt er zu, „besonders originell“ sei das nicht. Der OB weiß: „Der Name Castrop-Rauxel klingt grob“, vielleicht sei das der Grund für die Witzeleien, „in Wahrheit aber ist es ein urwestfälischer Name“. Übersetzt würde es so was heißen wie Krähenwiesen-Dörferspeicher.

Zwei Städte sind zu einem Zeichen, einem Symbol geworden. Aber warum gerade Wanne und Castrop? Eine auffällige Verteilung von Konsonanten und Vokalen liegt nicht vor, auch kein besonderer Rhythmus der vier Silben. Klingen die Namen wirklich originell und ulkig? Bei anderen Städten, selbst nebenan, etwa Duisburg-Hamborn oder Bochum-Gerthe, grinst niemand. Liegt es am semischlüpfrigen Namensteil Wanne hier, am seltenen x im scheinlateinischen Castrop-Rauxel dort? Oder ist es neben der schlichten Gewohnheit der militärisch eintönige Wohlklang, den der Deutsche so liebt?

Wer die Dauerlawine losgetreten hat, können auch die Bürgermeister nicht sagen: „Das weiß niemand“, wissen beide. Ein Ruhrgebietler, etwa Jürgen von Manger, war es kaum. Denn warum sollte sich das Revier über sein doppeltes Heimatod so billig lustig machen. In Wanne-Eickel macht es wenig Sinn zu sagen: Hier geht es zu wie in Castrop-Rauxel. Folglich gab es keine einzige Fundstelle in einer Ruhrgebietszeitung.

Jenseits des Ruhrgebiets sollen Wanne und Castrop universelle Erklärungsmuster für alle Lebenslagen bieten. Etwa wie Multikulti geht: In Berlins Görlitzer Park treffen sich Menschen „aus Anatolien und Sardinien, aus Schwaben und Castrop-Rauxel.“ Man kann Menschenkenntnis vortäuschen: „Der Juso von heute ist ein harmloses Mittelschicht-Kid, Typ Schulsprecher aus Castrop-Rauxel mit hellgrünem Twingo“. Selbst Surrealismus wird immer verstehbarer: „Auf einem Triptychon wagen die Besatzungen eines Ufos den Landeanflug auf Wanne-Eickel – und starten fluchtartig zurück ins All.“

Kulturschaffende sind sogar Fachleute in Castropitis. Schauspielerin Marianne Sägebrecht: „Ist doch wurscht, ob ein Film aus Hollywood oder Castrop-Rauxel kommt. Hauptsache er ist gut.“ Kollegin Eva Mattes, warum sie als Tatort-Kommissarin keinen Bodensee-Dialekt spreche: „Damit man mich auch in Rostock und Castrop-Rauxel versteht.“ Sat-1- Moderatorin Caroline Beil: „Ich würde auch nach Castrop-Rauxel gehen, wenn der Job richtig super ist.“ Passend dazu belegt eine Internet- Agentur, dass der Pott sehr wohl der Bringer ist: „Man kann sich überlegen, ob sich der Wochenendtrip nach Hamburg lohnt oder ob man doch lieber in Wanne-Eickel bleibt. Denn Insider wissen: auch dort kann richtig was los sein.“

Ob der Namens-Missbrauch enden würde, wenn die Formulierungsfabrikarbeiter wüssten, dass es Wanne-Eickel seit 1975 als eigenständige Stadt gar nicht mehr gibt (sondern ein Teil von Herne ist)? Und dass nebenan sogar ein Vorort Castrop-Rauxel-Castrop existiert?

Sogar die Bundestagswahl 2002 ist nirgendwo anders entschieden worden: Die FAZ fragte vorher doppelwitzig, ob Edmund Stoiber wohl „die Wähler in Wanne-Eickel oder die Einwohner von Castrop-Rauxel erreicht“. Hat er offenbar nicht, anders als SPD-Nordrheinchef Harald Schartau. Der bewies, wie ernst Volksvertreter Wähler nehmen, so sie nur am richtigen Ort leben: „Jemand, der in Castrop-Rauxel wohnt, braucht klare Antworten.“ Da fehlte nur noch der Leitartikel in der Zeit, warum Gerhard Schröder Kanzler blieb: „Ein bisschen Antiglobalisierung für die Altlinke, ein bisschen Populismus für die Menschen aus Passau und Wanne-Eickel.“

Ob jeder Castrop-Wanne-Vergleich Bewerbung für Größeres ist? Die Salzburger Nachrichten, also sogar ein Blatt aus dem Ausland, hatten neulich diese Idee: „Wir treten bei der nächsten Gartenzwerg-Olympiade in Castrop-Rauxel oder Wanne-Eickel auf.“

Olympia? Da ist die Goldmedaille doch schon längst vergeben – an die lustige Doppelnamenstadt Potslin-Berdam. Für die Quantität ist Springers Welt aus Berlin verantwortlich – in keinem Blatt gab es mehr Zitat-Treffer. Qualitativ trägt die Stadt Potsdam gleich doppelt ihren Teil dazu bei, einmal durch die Castrop-Rauxel-Allee (die es dort wirklich gibt) und durch die Neuesten Nachrichten. Dort dachte ein Autor sogar beim Telefonieren in den Weiten der Südsee an Ruhrgebiet: „Es klingt so unwirklich nah, als ging‘s von Castrop-Rauxel nach Wanne- Eickel.“ Chapeau! Gold!

Nebenan ergänzte provozierend der Tagesspiegel: „Man stelle sich vor, Deutschlands Hauptstadt wäre Hannover, Mönchengladbach oder Wanne- Eickel.“ Wanne als Zentrum? Kein Problem, wir tun das gern. Und schildern von Potsdams Schloss Sanssouci zum Reichstag den Wanne- Boulevard aus.

Quelle: Frankfurter Rundschau, Ausgabe vom 13.08.2003, S. 13

Er war der weißeste Mann am Strand

Auch Karnevalisten finden Wanne-Eickel irgendwie lustig, wie dem Lied „Er war der weißeste Mann am Strand“ der Kölner Musikgruppe Paveier aus dem Jahr 1997 zu entnehmen ist (veröffentlicht am 7. Dezember 1997).

Er war der weißeste Mann am Strand

Er war der weißeste Mann am Strand, oho, oho
Er wurd von allen nur Schneemann genannt, oho, oho
Mallorca, Ibiza und auf Norderney
Da war er bei den Damen nur der „Weiße Hai“

Er kam aus Wanne-Eickel, da wo der Mond nur lacht
Im Süden angekommen, da wurd er plötzlich wach
Nur braungebrannte Rambos, erbsengroßes Hirn
Ferraris nur auf Leasing, vom feinsten war der Zwirn, oho

Zur Beach am nächsten Morgen, wollt er schon gar nicht geh′n
Im weißen Sand kein Wunder, war er auch kaum zu seh’n
Doch als er in die Wellen sprang, war Freude angesagt
Wann hat sich schon ein Schneemann, mal ans Mittelmeer gewagt

Er war der weißeste Mann am Strand, oho, oho
Er wurd von allen nur Schneemann genannt, oho, oho
Mallorca, Ibiza und auf Norderney
Da war er bei den Damen nur der „Weiße Hai“

Beim Barbecue am Abend, da war′s für ihn soweit
Die Jungs war’n an der Hantel, für Amore kein Zeit
Er liebte Petra, Tina und auch Veronika
Die Jungs nur ihren Body und Anabolika

Zwei Wochen nur im Schatten, da war’s auch nicht zu heiß
Der neuste Trend, du glaubst es kaum, man trägt heut wieder weiß

Mallorca, Ibiza und auf Norderney
Da war er bei den Damen nur der „Weiße Hai“, mm yeah

Er war der weißeste Mann am Strand, oho, oho
Er wurd von allen nur Schneemann genannt, oho, oho
Er war der weißeste Mann am Strand, oho, oho
Er wurd von allen nur Schneemann genannt, oho, oho

Mallorca, Ibiza und auf Norderney
Da war er bei den Damen nur der „Weiße Hai“
Hai, Hai, Weiße Hai, oh
Er war der weißeste Hai am Strand, yeah, yeah

(Quelle: Songtexte.com)

Und hier geht’s zur zur gesungenen Version auf YouTube …
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Der Mond von Wanne-Eickel

Da im vorhergehenden Liedtext angespielt wird auf das Lied „Der Mond von Wanne-Eickel“ von Friedel Hensch und die Capris, hier ein Link auf eine YouTube Veröffentlichung diese deutschen Nachkriegsklassikers:

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Gelsenkirchenlied

In einer solchen Sammlung von Oden an das Ruhrgebiet darf allerdings nicht das Geslenkirchenlied von Georg Kreisler fehlen, das am 24. Oktober 1961 erstmals vom NDR gesendet wurde. Immerhin grenzt Gelsenkirchen direkt an den heutigen westlichen Herner Stadtteil Wanne-Eickel. Wie in diesem Rückblick in der WAZ vom 06.09.2021 nachzulesen ist, hatte das seinerzeit zu massiven Protesten und zu Empörung geführt: Serie Stadtgeschichte(n): Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen. Gelsenkirchen. Georg Kreisler arbeitet sich 1961 an der Stadt Gelsenkirchen ab. Was zunächst für viel Empörung sorgt, erlangt mit den Jahren Kultstatus. Von Kira Schmidt. – Hier in einer Version von Georg Kreisler auf YouTube:

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Und hier noch einmal der Text zum Nachlesen:

Gelsenkirchen (Georg Kreisler)

Was seh′ in der Ferne ich blitzen?
Vom Kirchturm die Spitzen!
Die Heimat ist nah!

Was hör‘ ich hier in der Menge?
Vertraut sind die Klänge!
Mein Freund wir sind da!

Hände strecken sich
Und Hälse recken sich
Und freudig grüßt man jetzt die Seinen
Fahnen flattern
Und Kanonen knattern
Ja, die ganze Stadt ist auf den Beinen

Nur ein altes Mütterlein spricht:
„Wir warteten so, du bliebst so lang fort
Das schickt sich doch nicht!

Doch nun bist du wieder zurück
Nun bleibe daheim und ruhe dich aus
Genieße Dein Glück!“

Breite Straßen voller Sonnenschein
Und alle Häuser laden dich zum Gastmahl ein
Frohe Mienen zeigt hier jedermann
Weil man nur hier zufrieden sein kann!

Denn sehen Sie, das hat
Nur uns′re Heimatstadt!

Das gibt es nur bei uns in!
Herrliche Stadt der großdeutschen Kohlenbergwerkindustrie
Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!
In unserer einzigartigen Brennstoffdemokratie!

Lieblich schweben durch die Luft die schwarzen Dämpfe
Und mit heiterem Gesang
Nimmt man Kohlen in Empfang
Wer zu lang dort lebt, bekommt beim Atmen leichte Krämpfe
Aber wer lebt dort schon lang?

Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen
Fahren auch Sie, statt an die Riviera, im Urlaub zu uns!
Ruhen Sie aus im Schatten der Meiler
Auf einem Strand von Anthrazit!

Statt der Seeluft atmen Sie Pressluft
Oder Kohlendioxyd!
Unsere Hochöfen sind im strengsten Winter warm
Schließen Sie Freundschaft mit unserem Gelsenkirchener Charme!

Wo ist der Kinobesuch und der Alkoholismus erheblicher?
Wo ist die Bettwäsche grau und die Seifenreklame vergeblich?
Wo verspottet man Diogenes, weil er zufrieden war mit einer Tonne?

Wo wird der Vierjahresplan erfüllt – alle vier Jahre sehen wir die Sonne?
Wem klingt der Bohrhammerlärm täglich durchs rußige Ohr?
Wer hat den norddeutschen Ernst verbunden mit Schweizer Humor?

Ja sehen Sie, das hat
Nur uns’re Heimatstadt!

Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!
Nicht in Berlin und nicht in New York und nicht in Paris!
Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!
In unserem urgemütlichen Grubengasparadies!

Täglich geht der junge Kumpel wohlgesittet
Immer runter in den Schacht
Und dann munter durch die Nacht
Ich war selbst als Kumpel einen ganzen Tag verschüttet
Aber ich hab‘ mir gedacht:

So ist es mal bei uns in Gelsenkirchen!
Sicherlich gräbt man mich, wenn man Kohle braucht, wieder aus
Wir sind schließlich nicht barbarisch
Wie in and′ren Metropolen

Wir haben Häuser, Autos, Banken
Ja aus Kohlen macht man Kohlen
Und es schlägt bei uns, besonders unter′m Nerz
Unser berühmtes goldenes Gelsenkirchener
Herren und Damen

Alle von Rang und von Namen
Kommen zu uns und fahr’n gleich wieder weg
Damen und Herren hören von unser′n Karrieren
Und schau’n es sich an und kriegen einen Schreck

In Bochum
Gibt es och Um Sätze
Doch drum setze
Ich mich nicht hinein
In London
Kann man schon

Dann und wann
Doch nur dann und wann
Glücklich sein
Auch führ ich
Gern nach Zürich
Doch ist das Leben dort zu provinziell und still

Ich könnt ′ne Villa
In Manila
Haben doch ich weiß nicht recht ob ich das wirklich will!

In Lima gibt es Bohnen
In Schanghai gibt es Reis
In Carolina gibt’s Melonen
In Wladiwostock gibt es Eis

In Wien gibt es Wein
In Bonn gibt′s Partein
In Sydney gibt’s ein Känguruh, das dauernd galoppiert
In Bankok gibt’s Befehle

In Kairo gibt′s Kamele
In Hollywood die Monroe – und nicht synchronisiert
In München gibt es Bock
In Hamburg gibt es Grog

Im Kongo gibt′s Metall
In Moskau gibt’s Krawall
In Köln einen Dom
In Prag einen Strom

In Genf einen See
In Kanada Schnee
In Baden ein Spiel
In Kiel einen Kiel

Aber wo gibt es Kohle?
Steinkohle, Braunkohle, Torfkohle
Holzkohle, Knochenkohle, Tierkohle
Blumenkohle, schöne dreckige Kohle
Wo gibt es die?

Erraten!

Unser Theater spielt jeden Tag ein anderes Stück!

Ja, in der Bildung steh′n wir vor Niemand and’rem zurück
Und die Bildung kann man gar nicht übertreiben
Doch das Fernsehn hilft uns sehr
Film und Funk sogar noch mehr
Gute Bücher haben wir – nur das Lesen und das Schreiben
Fällt uns noch manchmal recht schwer

Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!
Wer es nicht kennt, der seh′ es sich an, solang bis er’s glaubt
Sollten Sie es noch nicht kennen
Dann ist wirklich höchste Zeit

Nehmen Sie nur einen kleinen Koffer
Denn die Reise ist nicht weit!
Doch ich selber fahr′ bestimmt nie wieder hin
Weil ich bereits ein uralter Gelsenkirchener bin!

Ich kenn’s schon zu gut
Weil ich ein alter Gelsenkirchener bin!
Ich hust‘ noch heute
Weil ich ein alter Gelsenkirchener bin!
Das kommt vom Klima
Weil ich ein alter Gelsenkirchener bin!

Glück auf!

(Quelle: Songtexte.com)

Bochum

Ihre Stadtgrenze im Süden teilen Herne und Herne-Wanne-Eickel mit Bochum. Daher soll hier Herbert Grönemeyers Bochum-Lied (die im Norden angrenzenden Städte Herten und Recklinghausen und das im Osten angrenzende Castrop-Rauxel haben es bisher nicht in die Musikcharts geschafft) nicht unerwähnt bleiben, wenn gleich es nicht gerade durch Witz oder Sarkasmus auffällt, dafür aber durch Grönemeyers spezielle Gesangstechnik, die Harald Schmidt in seiner Late-Night-Show mal als präejakulative Gesangstechnik charakterisierte:

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Inhalt

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Überblick

… unter Journalisten scheint die Herner SPD als besonders zäh und langlebig zu gelten …

… selbst in der Debatte über den Vertrauensverlust der Medien geht es nicht ohne Verweis Herne-Crange …

Don’t come Knocking

Nicht aus der Welt zu bringen …

Herne und Dieter Bohlen I

Herne und Dieter Bohlen II

Tonio Schiavo

Bernd Müllender: Eickelig und rauxelös

Er war der weißeste Mann am Strand

Der Mond von Wanne-Eickel

Gelsenkirchenlied

Bochum

Titelfoto: Sven Leichner CC BY 2.0

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