Von Frederik D. Tunnat

Der Duden erläutert Halbherzigkeit so: „nur mit halbem Herzen [getan], ohne rechte innere Beteiligung [geschehend]“. Das trifft es genau!

Ein, wenn nicht aktuell der Meister der Halbherzigkeit: Olaf Scholz, der Mann, der glaubt, er sei Kanzler, aber diesen nur äußerst halbherzig gibt bzw. mimt, ganz wie man das sehen mag. Denn mit der anderen Hälfte seines Herzens ist Scholz mal Seele der SPD, mal Putin- und Russlandversteher, mal Rezitator des Schlagworts von der „Zeitenwende“. Weder Letztere noch sonst irgendetwas, das der Möchtegernkanzler halbherzig anpackt, halbherzig anspricht, halbherzig umzusetzen versucht, oder halbherzig zu vermeiden sucht, wie der Ukraine die überlebensnotwendigen Waffen zu liefern, alles geschieht halbherzig, nie aus voller Seele, aus voller Überzeugung.

So halbherzig wie ihr Vorturner verhält sich die SPD. Nur widerwillig, weniger als halbherzig, trägt sie die Maßnahmen gegen Russland mit, verwässert oder verzögert jede Maßnahme und Sanktion, um bloß nie ein eindeutiges, klares Bekenntnis für, zum Beispiel den Freiheitskampf der überfallenen Ukraine, abgeben zu müssen, noch es sich je völlig und auf lange Zeit mit dem heimlich, inzwischen nur noch halbherzig verehrten Putin zu verderben.

Halbherzig die Grünen, die das Glück und die Realität ihrer neuerlichen, zweiten Regierungsbeteiligung noch immer nicht fassen, es realistisch einordnen können. Halbherzig vertritt Außenministerin Baerbock denn auch nur die moralischen Ansprüche der Grünen, lässt sich allzu bereitwillig, wenn auch nur halbherzig, vom halbherzigen Kanzler zurückpfeifen, auf den halbherzigen Schlingerkurs der Ampel, der dermaßen halbherzig daher kommt, dass es dem Ausland inzwischen nicht nur zu bunt wird, sondern es die Augen ob der nie eindeutigen, stets sich halbherzig zurückziehenden, halbherzig vorpreschenden Deutschen verdreht, und das halbherzige Deutschland, samt seiner halbherzigen Regierung, längst nicht mehr ernst und für voll nimmt.

Das wiederum be- und kümmert halbherzige Menschen wie den Kanzler Olaf nicht die Bohne, denn dessen halbherzige Realität gaukelt ihm stets die vollen hundert Prozent vor, von was auch immer. Reformen werden, wenn überhaupt noch, halbherzig angepackt und weniger als halbherzig umgesetzt. Halbherzig werden die Probleme der Menschen, der Wirtschaft, des Staates wahrgenommen. Das macht es so herrlich einfach, sie entweder völlig beiseite zu schieben – eine Spezialität der vorherigen Kanzlerin Merkel – oder sie halbherzig anzupacken, oder gleich halbherzig auf die lange Bank zu schieben.

Das halbherzige Wahrnehmen der Realität hat für den halbherzigen Kanzler und seine halbherzige Ampel-Regierung den immensen Vorteil, alles wie durch eine rosarote Brille zu sehen. Halbherzig betrachtet, ist der Zustand der Bundeswehr eben nicht katastrophal, sondern allenfalls reformwürdig, was auch immer halbherzige Kanzler, Verteidigungsminister und Regierungen darunter verstehen. Die halbherzige Verteidigungsvorgängerin von Herrn Pistorius z. B. verstand unter halbherzigen Reformen, die wenigen noch vorhandenen und flugfähigen Ressourcen der Bundeswehr für sich und ihren Sohnemann nutzbar zu machen. So konnte sie sich selbst davon überzeugen, dass die Bundeswehr und ihr Material noch nicht zu hundert Prozent verrottet ist, sondern erstaunlicherweise in der Lage war, die Ministerin samt Filius auf die Nordseeinsel Sylt zu fliegen.

Der halbherzige Oppositionsführer und Kanzlerkandidat Merz schaffte das im Alleingang bzw. Flug: nach Sylt zu gelangen, um die Hochzeit des halbherzigen, noch nicht völlig versteinerten Finanzministers Lindner zu feiern, und schon mal halbherzig vorzufühlen, wie es denn um eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition bestellt sei.

Halbherzig reagiert die Regierung auf das vollständige Versagen der deutschen Einwanderungspolitik und der überhaupt nicht vorhandenen Strategie, Einwanderer in Deutschland, seine Gesellschaft, seine Demokratie, seinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Da bereits Kanzlerin Merkel, die sämtliche Einwanderer der damaligen Welt mit dem Spruch „Ihr schafft das“, ins Land ließ, weniger als halbherzig daran interessiert, die Integration dieser außergewöhnlichen Masseneinwanderung zu bewältigen, denn dazu hat man ja  untergeordnete Chargen und Dienststellen der Landkreise und Kommunen, dennoch so wundervoll, dank ihrer Halbherzigkeit, Wahlen und Herzen der Deutschen gewann, sagt sich Kanzlerdarsteller Scholz, mit Halbherzigkeit bleibt man wenigstens 16 Jahre lang im Kanzleramt.

Wozu also etwas anderes an den Tag legen als halbherziges Aussitzen und Ignorieren von Problemen? Denn Frau Merkel hat es in der Kunst der Halbherzigkeit zu hoher Kunstfertigkeit gebracht: dank der von ihr eingefädelten, halbherzigen Friedensabkommen Minsk 1 und 2 kam es überhaupt erst zum Krieg Russlands gegen die Ukraine. Merkels Halbherzigkeit brachte Deutschland die völlige Abhängigkeit vom russischen Öl wie von chinesischen Waren, die missglückte Abhängigkeit von den Erneuerbaren, weil sie die einzige Entscheidung, die sie je in ihrer Kanzlerschaft fällte – den Atomausstieg – völlig vergeigte. Merkels Halbherzigkeit, den Deutschen reinen Wein einzuschenken, sowie einigen Bevölkerungsgruppen ein wenig gesamtgesellschaftliche Solidarität abzufordern, sorgte dafür, dass in dem Maße, in dem die ostdeutschen Landschaften vor sich hin blühten, die Infrastruktur des Westens nachhaltig und vollständig vor die Hunde ging.

Die allseits verbreitete Halbherzigkeit innerhalb der politischen Parteien Deutschlands und ihrer Führungskräfte, der Politiker, sorgt wiederum nicht halbherzig, sondern vollumfänglich dafür, dass sich große Teile der Bevölkerung von deren Halbherzigkeit ab, und in anschwellender Zahl,  den salonfähig gewordenen Nazi-Untoten namens AfD zuwenden.

Insofern: ein halbherziges Hoch auf die inzwischen in sämtliche Bereiche der deutschen Gesellschaft und Politik vorgedrungene Halbherzigkeit. Sie wächst sich mehr und mehr zur neuen „Tugend“ der Deutschen, speziell ihrer Regierenden, aus. Wie meint doch ein jüngst erfundenes Sprichwort so treffend: halbherzige Politiker und Regierungen erzeugen halbherzige Bürger und ein halbherziges Land.

In Verbindung mit einer disfunktionalen, halbherzigen Bundeswehr nebst einer halbherzigen, teils disfunktionalen Bürokratie, einer disfunktionalen, halbherzigen Asylpolitik die ideale Voraussetzung für russische Diktatoren, sich so viel vom noch freien Europa einzuverleiben, wie sie nur mögen und können. Halbherzige Kanzler/innen und ihre halbherzigen Regierungen sorgten und sorgen dafür, dass Putin hundertprozentig alles bekommt, was er will.

Halbherzige Demokratien hören jedoch auf, Demokratien zu sein. Sie gehen halbherzig,  jedoch allmählich aber vollständig in den Aggregatzustand einer Diktatur oder Oligarchie über. Insofern ist Halbherzigkeit die beste Garantie dafür, dass unser Land, und mit ihm die anderen halbherzigen europäischen Länder, langsam aber beständig vor die Hunde gehen. Fröhliches Erwachen in einer Diktatur Putin’scher Provenienz kann man der halbherzigen Bundesrepublik  da nur noch wünschen. Eines ist gewiss: Wenn und wo in Europa Putin übernimmt, hat jegliche Halbherzigkeit ihr Ende, auch und gerade die der halbherzig gewordenen Bundesrepublik.

Titelbild: Foto: bored now CC BY-NC-ND 2.0 DEED via FlickR

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