Das Thema Migration und Migrationsursachen sind nicht erst seit gestern Themen, die die politische Diskussion immer wieder bestimmen. Vor allem von rechten Parteien nutzen das Thema, um Stimmung gegen Migranten und Migrantinnen zu machen. In der Regel werden dabei Vorurteile und Klischees bedient, aber nicht auf die tatsächlichen Gründe geschaut, die Menschen zu einem Aufbruch in ein anderes Land motiviert, vom dem sie sich ein besseres, sicheres und freieres Leben als in ihrem Herkunftsland versprechen. Das Drama ICH CAPITANO des 1968 in Rom geborenen Regisseurs Matteo Garrone richtet und lenkt genau darauf den Blick der Zuschauer und Zuschauerinnen.

Am 04. April kommt das Drama ICH CAPITANO ins Kino. Es wurde in der Kategorie “Best International Feature Film” für den Oscar nominiert ist. Der Film begleitet die beiden Freunde Seydou (Seydou Sarr) und Moussa (Moustapha Fall) auf einer unglaublichen Odyssee vom Senegal nach Europa. Inspiriert von wahren Erfahrungsberichten erzählt der preisgekrönte Regisseur Matteo Garrone (GOMORRAH, PINOCCHIO) mit epischen Bildern den Teil der Geschichte, den wir kennen sollten.

Seydou und Moussa leben im Senegal und teilen einen Traum: Die beiden Teenager wollen in Europa leben und als Musiker berühmt werden. Ihr Wunsch einschließlich der Aussicht auf ein besseres Leben ist so groß, dass sie eines Tages alle Warnungen in den Wind schlagen und sich voller Abenteuerlust auf den Weg nach Italien machen. Doch ihre Reise wird nicht der Roadtrip, den sie sich vorgestellt haben. Der Weg durch die Wüste, die libyschen Gefängnisse und auch die Überquerung des Meeres stellen sich als lebensgefährlich heraus. Die beiden Freunde müssen nicht nur für ihren Traum kämpfen, sondern auch um ihr Überleben.

Die beiden Jungs, so heißt es in der Pressemitteilung der X Verleih AG, die den Film in Deutschland in die Kinos bringt, entscheiden sich bewusst dafür, in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat zu verlassen. Zeitgleich zeigt dieser Film auf, dass Flucht oft aufgrund von Schutz vor Krieg, Gewalt und Elend keine freie Entscheidung ist und welche traumatisierende Reise sie auf sich nehmen müssen, um nach Europa zu gelangen.

Regisseur Matteo Garrone sagt über seinen neuen Film:

„Bei einem Besuch in einem Aufnahmezentrum für Minderjährige in Catania (Italien), wurde mir die beeindruckende Geschichte eines jungen Afrikaners erzählt, der im jungen Alter von 15 Jahren ein Boot bis an die italienische Küste steuerte und somit das Leben aller Passagiere rettete. Für ICH CAPTIONO entschied ich deshalb, die gegenteilige Perspektive zu der klassischen Medienberichterstattung einzunehmen. Ich wollte eine Geschichte aus der Perspektive der MigrantInnen erzählen, die auf ihrer abenteuerlichen Reise um ihr Leben bangen müssen.“

Ko-Drehbuchautor Mamadou Kouasse ergänzt dazu:

„Durch die Arbeit an dem Film hatte ich die Möglichkeit, unsere Geschichte zu erzählen, von unserem Leiden zu berichten, unser Leben, unsere Traditionen und unsere Kulturen zu beschreiben. Wir konnten von unserem Traum eines Europas erzählen, das wir uns als einen Kontinent der völligen Freiheit vorgestellt haben. Der Film ist ein Sprachrohr, um all das mit den heutigen und zukünftigen Generationen zu teilen. Das Medium Film gibt den Menschen eine Stimme, die sonst keine haben.

Jede Phase meiner Reise hinterließ tiefe Narben: die Durchquerung der Wüste, die Gefängnisse in Libyen, die Fahrt übers Meer, aber vor allem die Unmenschlichkeit bestimmter Menschen, die zu so grausamer Brutalität fähig sind. Der Film ermöglicht es mir heute, von den Schrecken zu erzählen, die ich erlebt habe, sowie von dem Leid anderer, die in der libyschen Wüste oder bei der Reise über das Mittelmeer gestorben sind. Er ist zudem und vor allem ein Mittel, um das Bewusstsein auf internationaler Ebene zu schärfen und vielleicht eine Veränderung zu bewirken.“

Wer einen ersten Eindruck von dem Film-Drama bekommen möchte, kommt hier zum Trailer des Films.

Der Film entstand 2023 in Italien und Belgien 2023. Er hat eine Länge von 124 Minuten. Die X Verleih AG ist ein führender und prägender Filmverleih, der in den zurückliegenden Jahren Publikums- und Kritikererfolge wie Tom Tykwers „Lola rennt“, Dani Levys „Alles auf Zucker!“ oder Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ und viele weitere Filme ins Kino brachte.

Migration in Zahlen

  • 159.410 MigrantInnen kamen im Jahr 2022 über das Mittelmeer(1) nach Europa. Das sind 5 % der MigrantInnen, die insgesamt in diesem Jahr nach Europa kamen.
  • Mehr als 2.500 MigrantInnen haben zwischen Januar und September 2023 ihr Leben bei der Fahrt übers Mittelmeer verloren. Das ist ein Anstieg um 50 % gegenüber des gleichen Zeitraums im Jahr 2022(1). Insgesamt sind seit 2015 26.000 Menschen auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen(1).
  • Man geht davon aus, dass sich derzeit rund 700.000 MigrantInnen mit 71 verschiedenen Nationalitäten in Libyen aufhalten. 65 % von ihnen kommen aus Subsahara-Afrika, 30 % aus Nordafrika und dem Sudan, 5 % aus Asien und dem Nahen Osten(2).
  • 25 % der seit 2016 von SOS MEDITERRANEE geretteten Menschen sind jünger als 18 Jahre alt. 79 % reisten ohne Eltern(3).

(1) Quelle: Internationale Organisation für Migration (IOM)
(2) Quelle UNHCR
(3) Quelle SOS MEDITERRANEE

Titelbild: Film-Verleih X Verleih AG

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