Anlässlich des Gedenkens an den 80. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkrieges am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen, verabschiedete das Europäische Parlament auf seiner Sitzung in Straßburg am 18. September 2019 die Resolution Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas. 535 Abgeordnete stimmten der Entschließung zu, 66 stimmten dagegen und 52 enthielten sich der Stimme. Die Initiative zu dieser Resolution kam aus den baltischen Staaten und Polen. Europa.blog hat dazu am 30.09.2019 einen Beitrag veröffentlicht, in dem Hintergründe erläutert, der Text sowie kritische Stellungnahmen dazu dokumentiert sind.

Als Reaktion auf die Stellungnahme des Europäischen Parlaments initiierte der europäische Thinktank transform! europe einen offenen Brief, der von über 170 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 2020 hat der politische Koordinator von transform! europe, Walter Baier, an diese Resolution und die kritischen Reaktionen darauf erinnert und die folgende Stellungnahme veröffentlicht.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Jänner erlauben wir auf einen vergangenheitspolitischen offenen Brief hinzuweisen: Auf Initiative des europäischen Thinktanks transform! europe haben über 170 Intellektuelle, darunter Wissenschafter*innen, Universitätsprofessor*innen und Politiker*innen aus allen Teilen Europas einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die vergangenheitspolitische Resolution des Europäischen Parlaments (EP) vom September des Vorjahres mit der Aufforderung zurückwiesen: „Die Vergangenheit Europas korrekt erinnern

Walter Baier, Politischer Koordinator von transform! europe: „Wir stehen zunehmend erstarkender neofaschistischer Parteien, der Verschärfung von nationalistischem Hass sowie wachsendem Antisemitismus und Rassismus in vielen europäischen Ländern gegenüber. Eine Debatte darüber, welche Schlüsse aus dem Sieg über den historischen Faschismus zu ziehen sind, ist heute entscheidend geworden.“

Die Resolution – Zur Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas –, verabschiedet am 19. September 2019 anlässlich des Jahrestages des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, wurde von einer breiten Mehrheit unterstützt (535 zu 66 Stimmen) – darunter auch alle österreichischen Mitglieder des Europaparlaments.

transform! europe betrachtet diese Resolution als einen Versuch, historische Fakten mit dem Ziel zu verfälschen, die Gleichsetzung des mörderischen NS-Regimes mit sozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsentwürfen zu rechtfertigen.

„Historisches Gedächtnis ist nicht etwas, das ausschließlich Historiker*innen zu überantworten wäre. Es ist ein grundlegender Teil unserer Gegenwart sowie unserer Demokratien.“ Genau darin liegt das Ziel von transform! europe: Dieser offene Brief wird als Beginn einer europaweiten Initiative betrachtet, um den Geist des Antifaschismus wiederzubeleben, der ursprünglich die Gründung unserer Demokratien und das Streben nach europäischer Einheit geprägt hat. Diesen an den Rand zu drängen darf dem Historischen Revisionismus nicht ermöglicht werden.

Eine der ersten Institutionen, die ihre Ablehnung gegenüber dieser Resolution öffentlich gemacht hat, war die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer – Bund der Antifaschisten, welche sie als „verbohrt, voreingenommen, instrumentell“ und ohne wissenschaftliche Grundlage charakterisierte (siehe hier).

In Österreich haben die Österreichische Lagergemeinschaften Ravensbrück und die Österreichische Lagergemeinschaft Dachau, die von Überlebenden der beiden Konzentrationslager gegründet wurden eine Petition zur sofortigen Rücknahme der Entschließung gestartet. 

Finden Sie den offenen Brief und die Liste der Unterzeichnenden hier: Die Vergangenheit Europas korrekt erinnern

Titelbild: Auschwitz | Russell Yarwood CC BY-SA 2.0

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