Beitrag von Jürgen Klute

(Aktualisiert am 14.08.2019)

Bei der Wahl zum Europäischen Parlament im Mai 2019 haben europafeindliche Parteien zwar schlechter abgeschnitten, als zu befürchten war. Trotzdem haben sie an Zustimmung gewonnen. Hier zeigt sich: Die Entwicklung der Europäischen Union ist kein Selbstläufer und folgt keinem Automatismus. Sie braucht Engagement und Überzeugungsarbeit.

Genau das hat sich InterKultural 2019 zum Ziel gesetzt!

Interkultural ist ein Seminar für junge Menschen von 18 bis 24 Jahre. Sie treffen sich vom 18. bis 24. August in der rumänischen Stadt Schäßburg / Sighișoara. Das liegt in Siebenbürgen, dem Teil Rumäniens, in dem die deutschsprachige Minderheit Rumäniens lebt, aber auch eine ungarischsprachige. Und das sind nur zwei von insgesamt 19 in Rumänien lebenden anerkannten ethnischen Minderheiten.

Das war auch der Grund, weshalb der Veranstalter, das ifa (Institut für Auslandbeziehungen), Rumänien als Veranstaltungsort für dieses Seminar ausgesucht hat. Dort ist die Vielfältigkeit und die Vielschichtigkeit Europas besonders spürbar.

Das Seminar findet in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt. Im Mittelpunkt dieser Seminare des ifa stehen die Themen Demokratie, Umwelt und Interkulturalität. In diesem Jahr sind erstmals auch Jugendliche aus anderen Ländern, insbesondere aus der Bundesrepublik eingeladen. Das geschieht in Kooperation mit der Stadt Stuttgart, die das Seminar aktiv unterstützt.

Das diesjährige Seminar findet zeitgleich und in Kooperation mit dem interkulturellen Festival ProEtnica in Schäßburg / Sighișoara statt, so dass die Teilnehmenden auch die Möglichkeit haben, dieses Festival zumindest ein bisschen erschnuppern zu können.

Was erwartet die jungen Menschen nun auf dem Seminar?

Inhaltlich gestaltet wird das Seminar von dem in Athen lebenden Kommunikationsberater und Journalist Pieter Boeder und dem Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Levan Khetaguri aus Tbilissi (Georgien). Beide sind aktive Mitglieder bei „Wir sind Europa“.

Dass Programm umfasst denn „Youth Think Tank on Europe“, in denen sich die Jugendlichen mit der Frage nach der eigenen Identität und der Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühls befassen. In dem englischsprachigen Seminarprogramm ist das viel griffiger mit einem Wortspiel formuliert: „From I-dentitiy to We-dentitiy“.

Weiter geht es um Schwächen und Stärken, die hinderlich bzw. förderlich sind im Blick auf die Entwicklung von eigenen Fähigkeiten.

Dieser theoretische Teil des Seminars wird durch einen kreativen ergänzt. Unter Anleitung von Pieter Boeder sollen sich die Teilnehmenden mit dem Fotokamera in der Hand der kulturellen Vielfalt in Schäßburg / Sighișoara annähern. Die Ergebnisse werden dann in einer abschließenden Ausstellung präsentiert.

Ziel des Seminars ist es, Europa in seiner Einheit und Vielheit erlebbar zu machen für junge Leute und sie für die europäische Idee zu gewinnen. Und zwar nicht im Sinne einer naiven Verklärung der europäischen Idee, sondern um junge Menschen zu befähigen, den großen globalen Herausforderungen – von Fluchtbewegungen bis zum Klimawandel – wirksam begegnen zu können. Es sollen die Gemeinsamkeiten, die Menschen über wirtschaftliche Interessen hinaus miteinander verbinden, aufgezeigt werden.

Hier geht’s zur Webseite von Interkultural2019!

Pieter Boeder und Levan Khetaguri sind im übrigen ein eingearbeitetes Team. Sie haben unter anderem ein vergleichbares Projekt mit jungen Menschen im Rahmen der Veranstaltung „Europa in Gelsenkirchen“ [https://europa.blog/europa-in-gelsenkirchen/] im Februar 2019 gemacht.

Das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen – ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Stuttgart. Es blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück: Es wurde 1917 – noch während des 1. Weltkrieges – gegründet mit dem Ziel, eine Verständigung zwischen den europäischen Gesellschaften durch den Aufbau kultureller Beziehungen zu fördern. Das ifa arbeitet eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen.

Levan Khetaguri und Pieter Boeder

Titelfoto: © ifa/Dragos Dumitru | Fotos: © Pieter Boeder (Die Fotos von Pieter Boeder sind auf dem Workshop im Februar 2019 in Gelsenkirchen entstanden.)

… ist ein Projekt von Europa.blog. Hier haben junge, nicht mehr ganz so junge und alte Männer und Frauen und alle dazwischen, die Europa erfahren (wollen) – geographisch, kulinarisch, kulturell, wirtschaftlich, politisch – die Möglichkeit, ihre Beobachtungen und Erfahrungen zu teilen.

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