Beitrag von Vesna Caminades

Vegan … das klingt schon etwas eigen, irgendwie als ginge es um einen Außerirdischen. Woher kommt eigentlich dieser Begriff? 1944 wollte sich der Engländer Donald Watson von der „Vegetarian Society“ unterscheiden und schuf somit die „Vegan Society“. „Veg-an“ entstand somit indem Watson simpel und einfach die ersten drei Buchstaben und die letzten beiden von „vegetarian“ hernahm. Er wollte einen Schritt weiter gehen als die Vegetarier, welche eine ovo-lactose-vegetarische Ernährung bevorzugten. „Veganismus“ war auch bekannt als „konsequenter“ oder „radikaler Vegetarismus“. Im Zweiten Weltkrieg erreichte die „Vegan Society“ zum Beispiel, dass Veganer Extrarationen Nüsse erhielten.

Oft wird man als Veganer tatsächlich auch ein wenig wie ein „Marsmensch“ betrachtet und behandelt. Meistens weiß unser Gegenüber nicht wirklich was er mit uns anfangen soll, denn der Begriff „Vegan“ ist nicht jedem geläufig. Vegetarier geht noch, aber vegan?? Für die meisten Menschen bedeuten beide Begriffe dasselbe. Wenn hingegen jemand Bescheid weiß, dann kann es sogar vorkommen, dass ein wenig schlechtes Gewissen aufkommt, weil dieser Jemand selbst Tierprodukte konsumiert. Das kann manchmal eine etwas unangenehme Situation bewirken, die man lieber vermeidet, weil man Tiere an und für sich liebt, aber trotzdem keine Lust hat, auf Fleisch usw. zu verzichten.

Manch einer ist aber auch ganz neugierig und möchte gern mehr darüber wissen. Wie ich bereits in einem meiner vorhergehenden Artikel beschrieben habe, sind meine Erfahrungen bisher eigentlich nie negativ gewesen. Viel eher werde ich mir mehr und mehr bewusst, dass es gut ist, sich nicht zu verstecken, sondern ganz offen zu erklären, dass man diese Entscheidung aus diesem oder jenem Grund getroffen hat. Dabei findet die „gesundheitliche“ Begründung leichter Akzeptanz, als die Tierliebe. Oft ergibt sich aber auch die Gelegenheit mit unserem Gesprächspartner das Thema zu vertiefen.

Als ich kürzlich in meine Heimat zurückgekehrt bin, habe ich wie üblich einen Sprung in meinen üblichen Supermarkt gemacht. Wie es halt so üblich ist, seit ich Vegan bin, studiere ich gerne hin und wieder die Etiketten einiger Produkte, wo ich den Zweifel – oder eher die Hoffnung – hege, dass sie tierfreundlich sind, selbst wenn dies nicht aufgedruckt wird. Plötzlich bleibe ich wie angewurzelt stehen und blicke nach oben. Ich fühle mich wie ein kleines Kind im Süßigkeitsladen oder im Spielzeuggeschäft – da ist eine ganze Abteilung allein für vegane Produkte! Und vor allem, es wird ganz groß angeschrieben. Nun, ich finde das hervorragend. Wer sich für diese Ernährungsweise entscheidet, tut sich immens leichter. Wer hingegen nichts darüber weiß, kann neugierig werden, mehr darüber zu erfahren und so manches Produkt auch auszuprobieren. Klarerweise, es muss nicht alles schmecken. Ehrlich gesagt, ich entdecke hin und wieder Produkte, wo ich mir denke: „Hat jemand dieses Ding überhaupt gekostet, bevor es auf den Markt gebracht wurde?“. Doch darum geht es nicht. Wichtig ist, dass gezielt informiert wird. Ich fände es zum Beispiel toll, wenn IT-Experten eine App entwickeln könnten, womit man „normale“ Rezepte in vegane Versionen umwandeln könnte – einfach durch Knopfdruck. App runterladen, Scannen des traditionellen Rezeptes und schon kann man ein klassisches Gericht auf tierfreundliche Art daher zaubern. Das wäre super! Wenn jemand IT Freaks kennt, einfach vorschlagen, wer weiß, ob wir nicht früher oder später über so eine Anwendung auf unserem Smartphone verfügen dürfen.

Was mich aber eher zum Schmunzeln gebracht hat – natürlich im guten Sinne gemeint – ist die Tatsache, dass es Webseiten für eine „grüne“ oder „vegane“ Partnersuche gibt. Genau! Partner Search auf Veganisch. Ich muss dabei lächeln, denn es ist sicherlich nicht so ohne, mit jemandem zusammenzuleben, der eine total andere Lebensweise entwickelt. Das kann wunderbar funktionieren, doch es kann auch total daneben gehen. Wenn man nun die Möglichkeit hat, sich Gleichgesinnten zu nähern, dann kann das entweder positiv aufgenommen werden, oder es kann auch zur Vermutung führen, Veganer*innen wollen sich abkapseln. Veganer*innen würde ich als Menschen bezeichnen, die Alternativen suchen: Alternativen zur Ernährung und zur Lebensweise und zu Produkten tierischen Ursprungs. An dieser Stelle möchte ich allerdings gerne etwas anführen, das mir erst heute bewusst geworden ist. Leider sind „vegan“ und „ohne Tierversuche“ nicht gleichbedeutend. Ich will keine Werbung für spezielle Marken machen, aber es gibt einen Energiedrink, der allgemein als vegan bezeichnet wird, wobei jedoch die Firma, die ihn herstellt, Tierversuche finanziert. Andrerseits können beispielsweise einige Kosmetika, für welche keine Experimente an Tieren durchgeführt wurden, durchaus auch natürliche Elemente wie z.B. Honig enthalten. Das ist dann die Entscheidung jedes Einzelnen, ob sie oder er das Produkt erwerben will.

Besonders interessant ist es, wenn man immer öfters der Diskussion um tierfreundliche Lebensweise nicht ausweicht, sondern sie sogar absichtlich anspornt. Besonders Jugendliche und wieso nicht, auch Kinder sollten die Möglichkeit haben, darüber Bescheid zu wissen. Hier ein Video von Zara, einem 5-jährigen Mädchen, das entdeckt, dass sie bisher Tiere gegessen hat. Ich finde es sehr beeindruckend, wie traurig das Kind ist. Mir wäre es genauso gegangen. Als Kind habe ich allerdings nie die Verbindung hergestellt, zwischen dem Fleisch beim Metzger und den Kühen, die ich so gern auf den Almen sah. Ich kann Zara sehr gut verstehen und ihren Gemütszustand nachvollziehen. Das ist ein unglaubliches Video, ohne jegliche Gewalt oder unangenehme Szenen, man sieht nur ein kleines Kind, das zutiefst traurig und fest entschlossen ist, die Situation zu ändern.

Kinder darf man klarerweise nicht schockieren. Jugendliche können m.E. hingegen schon einiges verkraften. Die Kommunikation sollte auf jeden Fall Zielgruppen orientiert sein. Besonders wichtig ist aber, dass Menschen aufgeschlossen sind und zu ihren Entscheidungen stehen.

Ich denke, wenn man etwas nicht anschauen will oder es einem Kind nicht zeigen möchte, dann ist bereits klar, dass etwas faul ist. Konkret, wenn jemand das Video von Animal Equality „iAnimal“ 360° Virtual-Reality Aufnahmen in Intensivzüchtungen von Hühnern, Schweinen und Kühen nicht anschauen will, weil es zu grausam ist, dann stimmt etwas nicht. Denn durch den Konsum genau dieses Fleisches sind wir mit verantwortlich, wenn all das passiert, was wir gerade nicht anschauen möchten. Da hört man oft:

  • Ich kann doch nicht jeden Tag zum Bauern auf die Alm gehen, um Fleisch von glücklichen Tieren zu kaufen.
  • Biofleisch ist eh keine Garantie, dass es den Tieren wirklich besser geht, warum soll ich dann umso mehr ausgeben.
  • Reicht es nicht, wenn ich Eier von Hennen mit freiem Auslauf kaufe? Auf der Schachtel schauen sie ja zufrieden aus.
  • Der Mensch hat schon immer Tiere zum Verzehr gezüchtet.
  • Das ist das Schicksal von Tieren.
  • Tut dir der Salat nicht auch leid?
  • Ohne Fleisch und Fisch wird man krank.
  • Es schmeckt halt gut, ich kann nicht darauf verzichten.
  • Wenn ich kein Fleisch mehr esse, macht das eh keinen so großen Unterschied aus …

Diese und andere Bemerkungen fallen, wenn man Menschen fragt, muss das alles wirklich sein? Wer möchte, findet hier das Video von iAnimal zur Milchproduktion in deutscher Sprache. Und hier ein weiteres Video gesprochen vom Schauspieler Christoph Maria Herbst.

Es handelt sich eindeutig um Situationen, wo man lieber wegschaut. Doch wenn man sich dessen bewusst ist, warum weiter machen? Nur weil es einen guten Geschmack hat? Oder weil der Mensch unbedingt Fleisch braucht, um fit zu sein? Weil es immer so war, schon seit der Steinzeit? Da möchte ich gerne auf einen Film hinweisen, der in Kürze auf Netflix veröffentlicht wird und der so einige Stereotypen wortwörtlich „zerschlagen“ wird: „The Game Changers“ ein Film mit Arnold Schwarzenegger, Lewis Hamilton und anderen Spitzenathleten. Dabei erklären die Hochleistungssportler, wie sie zu deren Form kommen – wobei sie ganz nebenbei darauf hinweisen, dass sie vegetarisch oder vegan leben. Anbei der Link zum Trailer, ein harmloser Film ohne unangenehme Szenen. Eine interessante Aussage darin „Gladiatoren waren vornehmlich Vegetarier“ – faszinierend!

Ich glaube, dass Veganer irgendwie wirklich auf einem eigenen Planeten leben. Das muss aber nicht immer so sein. Es reicht, darüber zu reden, um den Kontakt zur Umwelt nicht zu verlieren; natürlich immer mit Respekt und ohne Arroganz, aber mit Überzeugung. Wie einst Gandhi sagte: „Wir müssen immer höflich und geduldig mit den anderen umgehen, die die Dinge nicht so sehen wie wir.“ (Mahatma Gandhi, indischer Rechtsanwalt, Asket, Moralist und Pazifist).

Gandhi ging allerdings auch einen Schritt weiter „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ „Gewinnen“ bedeutet in dem Fall, dass die Liebe und der Respekt zu den Tieren gewinnt und dass endlich wieder Harmonie zwischen Tier und Mensch herrscht. Das ist noch ein langer Weg bis dorthin, doch nichts ist unmöglich. IAMA

Titelbild: Vegan, von Helen Alfvegren CC BY 2.0

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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