Beitrag von Vesna Caminades

Ich wurde kürzlich zu einem Abendessen eingeladen. Mit dieser Kollegin haben wir uns schon seit längerem nicht mehr gesehen, Vieles hat sich seit dem letzten Treffen verändert. So sehr ich mich über die Einladung freute, hat mich doch plötzlich ein Zweifel beschlichen. Eigentlich ein Detail, aber doch irgendwie bedeutend für mich. Soll ich sagen, dass ich keine Produkte tierischer Herkunft esse? Oder soll ich es einfach darauf ankommen lassen und dann im schlimmsten Fall ein bisschen links und rechts was knabbern? Das schaut dann aber auch seltsam aus, als würde ich den Abend nicht schätzen. Vielleicht kann ich ja sagen, dass ich Vegetarierin bin, das klingt schon weniger abschreckend. Vegan ist halt schon ein bisschen krass für viele. Da stellen sie sich dann vor, dass jemand den Abend versaut, weil dieses „vegane Wesen“ die anderen bei jedem Bissen von Fleisch, Fisch, Käse, Eiern und anderem schief anschaut.

Und noch schlimmer, wenn die oder der VeganerIn auch noch anfängt zu erklären, wie die Tiere geschlachtet und misshandelt werden. Wein ist ja bekanntlich auch nicht vegan wie man annehmen könnte, Olivenöl seit den letzten Enthüllungen ebenfalls nicht. Schlimm …

Das war also keine leichte Entscheidung, ob ich die Einladung überhaupt mit einer eleganten Ausrede zurückweisen oder mich im Notfall als Vegetarierin ausgeben sollte, damit es weniger drastisch klingt. Aber nein: ich habe beschlossen, zu dem zu stehen, wofür ich mich einsetze: für tierfreundliche Ernährung. Und zu meiner großen Überraschung, das wurde absolut wohlwollend aufgenommen, eher fast wie eine kleine Herausforderung – durchwegs positiv. Das hat mich sehr gefreut, denn es bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass man nicht aggressiv oder wie ein Panzer über andere Menschen herfahren muss, sie kritisieren, weil sie sich mit Produkten tierischer Herkunft ernähren. Ganz im Gegenteil, man kann einfach „soft“ die eigene Lebensweise fortführen und ein „lebendiges“ Beispiel werden. Es kommt ja unweigerlich zur Rede und ich bin überzeugt, dass wenn andere Menschen sehen, dass man sie nicht angreift, sondern dass man einfach auch zu einem Austausch bereit ist, dann kann das so einiges bewirken – insbesondere Neugierde, mehr darüber wissen zu wollen.

Überhaupt ist es ja so, dass die meisten Menschen einfach keine Lust haben, sich zu fragen, woher kommt das Schnitzel kommt, das mir so gut schmeckt oder das Brathendl oder die Weißwurst … und das Lachsfilet? Aber da sind dann auch die Omeletten, und erst all die leckeren Käsesorten … Nein, wenn ich erst einmal beginne, mich zu fragen, was dahinter steckt, angefangen von der Zucht, bis zum Transport und die Methode, wie diese Tiere getötet werden, dann vergeht mir womöglich die Lust, das zu essen und meine Freude ist am Ende. Es wäre aber schön, wenn man den Mut aufbringen könnte, einen Blick hinter dem allen zu werfen – den Tieren zu Liebe.

Außerdem muss man ja nicht von heute auf morgen auf alles was tierischer Herkunft ist, verzichten. Warum nicht einfach, einen Tag pro Monat oder pro Woche einführen? Vielleicht ist das ja dann nicht so hart. Und ganz ehrlich gesagt, ich habe ja selbst vor ganz vielen Jahren ebenfalls Fleisch  und Fisch und natürlich Milchprodukte und Eier verzehrt. Wenn ich das heutzutage noch tun würde, dann wäre es für mich eher abschreckend, wenn ich mir überlegen würde, was in diesen Produkten alles drinsteckt. Was diese Tiere selber fressen, was sie an Medikamenten und Futterzusätzen verabreicht bekommen, Tiermehl, etc. Wir finden ja auch schon Mikroplastik in Fischen. Es würde mir wirklich die Lust vergehen, all das runterzuschlucken.

Aus all diesen Gründen finde ich es gut, wenn man sich – auch nur „oberflächlich“ – informiert, was eigentlich hinter der Lebensmittelindustrie steckt – wenn man ein bisschen hineinschnuppert. Eine interessante Möglichkeit sind z.B. auch die Veggie-Messen, die regelmäßig in allen größeren Städten abgehalten werden. Außerdem kann man auch durch ein „soft“ Verhalten einiges erreichen. Und das zahlt sich aus, denn effektiv leiden und sterben jeden Augenblick Tausende Tiere aufgrund schrecklicher Tierhaltungs- und Zuchtmethoden. Da ist es wohl wert, sich zusammenzureißen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen – IAMA I wanna know what’s behind!

P.S. anbei die Seite Veggie-World https://veggieworld.de/event/bruessel/ … Heuer leider schon vorüber, aber es stehen viele weitere auf dem Programm, einfach reinklicken, um mehr darüber zu erfahren!

Titelbild: Jürgen Klute CC BY-NC-SA 4.0

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

Links zum Artikel

  • Tierschutz: New York verbannt Foie Gras. Für die einen ist es eine Delikatesse, für andere schlicht Tierquälerei: Die Stadt New York hat nun den Verkauf von Stopfleber verboten. | Der Spiegel, 31.10.2019

  • Nottötungen in der Mast: Warum 13 Millionen Schweine im Müll landen. Jedes fünfte in Deutschland für die Fleischindustrie geborene Schwein erreicht nicht einmal den Schlachthof. Die Haltung macht sie so krank, dass Millionen Tiere notgetötet werden. Ursache sind auch die Billigpreise im Handel. Von Nicolai Kwasniewski | Der Spiegel, 22.10.2019

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