Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser von IAMA,

es schneit und ich sitze daheim, kann nirgends hin. Also ein guter Moment, um einige Gedanken zu Papier zu bringen. Ich mache mir oft darüber Gedanken, wie es möglich sein kann, dass ein Mensch es in Kauf nimmt, dass Tiere für seine Nahrung so schrecklich misshandelt werden. Gerade vor Kurzem wurde ein Dokumentarfilm auf einem französischsprachigen Sender ausgestrahlt. Dabei ging es vorrangig um die Produktionsmethoden für Lebensmittel, die besonders zur Weihnachtszeit konsumiert werden. Also Gänseleber, Austern, etc. Nun ja, dass dies in den meisten Fällen auf grausamste Art und Weise erfolgt, ist nicht wirklich etwas Neues. Denken wir nur an das begehrte “foie gras”. Seien wir ehrlich: sollte auch alles nach Norm im Sinne des Tierwohls erfolgen, das Resultat bleibt wohl dasselbe: man pumpt Fressen in die Tiere, damit sie auf Biegen und Brechen innerhalb kürzester Zeit eine enorme Leber entwickeln. Der Rest zählt nicht. Ob die Tiere krank sind, nicht mehr gehen können, sich gegenseitig bis zum Blut verletzen – ganz zu schweigen von den psychischen Folgen. Aber das sind ja nur “Nutztiere”. Wen interessiert es schon, ob sie psychisch leiden. Sie sterben ja eh bald. Selbst wenn es Normen gibt. Die können auf so vielen Weisen hintergangen werden und das ist auch der Fall. Gestatten Sie mir an dieser Stelle eine Zusatzüberlegung: Gänseleber wird ja als eine der Grundlagen der traditionellen französischen Küche verkauft. Ich finde es allerdings eine Schande, wenn man bedenkt, dass schließlich Bulgarien der zweitgrößte Produzent davon ist – nach Frankreich. Hier mehr darüber.

Na ja, wie könnte man das nennen? Innovative Tradition? Oder Reinleger? Und noch einmal zur Erinnerung warum das alles? Damit die Produktion möglichst billig erfolgen kann. Denn wenn man in großartige Ställe und Zuchtanlagen mit viel Auslauf und wunderbaren artgerechten Umgebungen investiert, dann hinkt der Profit hinterher. Und Frau und Herr Verbraucher wollen zunehmend möglichst viel für wenig Geld – wie nennt man das noch? Die Minimax-Regel? Aber irgend jemand muss halt draufzahlen. Und wer ist das? Wo tut es am wenigsten weh und wo fällt es am wenigsten auf? Beim Tier. Was will ich damit sagen?

Wir haben meines Erachtens den Bezug verloren. Überlegen Sie doch einmal: wenn Sie kochen, wenn Sie essen und trinken. Wie oft sind Sie 100% bei der Sache? Wie oft hingegen schauen Sie gleichzeitig in den Computer, auf das Tablet, spielen auf dem Handy herum oder sitzen bequem vor dem Fernseher? Heutzutage tun wir selten etwas mit Aufmerksamkeit. Man versucht, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen, um ja die Zeit zu optimieren.

Der berühmte Philosoph Seneca sagte einmal: “Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.” (Lucius Annaeus Seneca).

Wenn wir einen Moment innehalten und uns überlegen, wie greife ich nach der Nudel, wie schneide ich das Stück Fleisch, wie esse ich die Chips? Wie habe ich sie gekocht? Mit Andacht und Konzentration oder nur schnell, damit es getan war? Sind wir imstande, jeden Bissen, jeden Löffel Suppe, zu genießen? Oder stecken wir diese “Lebensmittel” und “Gerichte” einfach nur in den Mund und schlucken es runter? Manchmal tun wir die Dinge so automatisch, dass wir uns danach sogar fragen, ob wir etwas überhaupt getan haben. Wie viele unter uns sitzen zu Mittag vor dem PC im Büro und essen nebenher? Wissen wir überhaupt, welchen Geschmack das Zeug hat? Noch einmal, was will ich damit vermitteln? Ich glaube, dass wenn wir unsere Lebensmittel mit Achtsamkeit einkaufen, daheim einordnen, kochen und verzehren, dann bauen wir eine Art Beziehung dazu auf. Was für ein Unterschied, wenn ich ein Gericht mit Liebe und Freude zubereite, mit viel positiver Energie. Oder aber, ob ich schnell einen Topf in den Mikrowellenherd schmeiße und während ich die Waschmaschine einschalte, das Bett mache, die Teller abwasche, kocht das “Dingsda”. Zeit optimieren ist die Devise. Und wenn es nach nichts schmeckt oder ein bissl fahl ist, dann hauen wir Geschmacksverstärker rein. Nun, muss es wirklich so sein? Nein, ist es aber in vielen Fällen.

Wissen Sie, wie ich eigentlich auf diese Gedanken gekommen bin? Ich war gerade mit meinem kleinen Hund unterwegs. Und der ist wie ein Staubsauger auf vier Beinen. Er hat eine Spürnase wie ein Rudel Jagdhunde. Also rennt er beim Spatzi geradewegs auf etwas Schwarzes zu. Was war das? Es handelte sich um einen Plastikbehälter. Jene, in welchen die Fertiggerichte aus dem Supermarkt verkauft werden. Sie wissen schon was ich meine. Das waren Vol-au-vent. Wäre ich nicht vegan, dann hätte ich gesagt, das hat echt appetitlich ausgeschaut. Das lag einfach so dort. Erster Gedanke: wer kann es sich leisten, Essen, das sicher nicht spottbillig war, so wegzuwerfen? Lebensmittelverschwendung. Dann aber habe ich mir auch gedacht: hätte die Person dieses Gericht selbst gekocht, hätte sie es dann genauso weggeworfen? Das ist ja auch diese Geschichte mit den Fertigspeisen aus dem Laden. Wissen wir was drin steckt? Wissen wir, wie es gekocht wurde? Eher nicht. Da kann ich schon nachvollziehen, dass man keinerlei Beziehung zu dem Essen aufgebaut hat. Das klingt vielleicht alles etwas eigenartig. Heutzutage sind solche Überlegungen ein wenig, als würde man gegen den Strom schwimmen wollen – denken wir doch nur an “Slow Food” beispielsweise. Das genaue Gegenteil davon ist das sogenannte “batch cooking” oder Serienkochen oder aber auch “meal-prep” genannt. Das bedeutet nichts anderes, als dass man an einem Tag innerhalb weniger Stunden für die gesamte kommende Woche vorkocht.

Ich bin der Meinung, dass wir im Dschungel all dieser innovativen Tendenzen eines nicht vergessen dürfen. Unsere Ahnen haben Tiere erlegt, um zu überleben. Als sie das Tier töteten, dankten sie den Göttern und dem Geist des Tieres, dass sie es erlegen und essen durften. Sie wünschten dem Tier, das ihr Bruder und ihre Schwester war, eine gute Weiterreise. Klar, Sie werden jetzt sagen: muss ich meinem Schnitzel einen guten Trip ins nächste Leben wünschen? Es geht nicht um das. Aber wenn wir schon beim Einkaufen im Supermarkt oder anderswo kurz innehalten und beim Hinlangen überlegen, was steckt dahinter? Wenn wir uns bewusst werden, dass diese Stück Fleisch zu einem Lebewesen gehört, dass gräßlich gelitten hat, womöglich mit Antibiotika vollgestopft wurde, etc. dann würden wir dieses Steak wahrscheinlich etwas mehr schätzen oder vielleicht gar nicht mehr kaufen. Oder, wenn es Schnitzel sein muss, wenige aber besser einkaufen. Und es würde nicht passieren, dass man Essen wegwirft oder einfach liegen läßt. Es geht eigentlich alles in dieselbe Richtung: Respekt. Wenn wir Leben respektieren, dann überlegen wir zweimal, ob das Töten wirklich notwendig ist. Ob diese Lebensmittel auf vier Beine nicht anders behandelt werden können, wenn wir wirklich nicht ohne sie auskommen. Viele Überlegungen. Vielleicht denken Sie beim nächsten Mal kurz darüber nach. Das manchmal weniger, mehr ist. Bitte sprechen Sie mit Freunden und Familie darüber. Und vergessen Sie dabei bitte nicht die Jüngsten. Danke – IAMA

Titelbild: privat

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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