Beitrag von Vesna Caminades

Es gibt nicht nur Trauriges über die Beziehung Tier – Mensch zu erzählen, zum Glück. Es stimmt, dass ich dank dieser Rubrik „I wanna know“ so viel wie möglich hinterfragen möchte, wenn es um Meldungen zu Tieren, Misshandlung, Produkte, Lebensweise, etc. geht. Doch es gibt auch Schönes, welches es Wert ist, dass man genauer hinschaut.

Im April 2016 wurde bekannt, dass eine kanadische Stiftung – Zachary’s Paws For Healing (ZPFH) sich dafür einsetzt, dass Besitzer die eigenen Hunde und Katzen im Krankenhaus empfangen dürfen. Manch einer wird jetzt bereits graues Haar bekommen und angeekelt denken „Und was ist mit der Hygiene??“ Daran wurde gedacht. Mietze und Wauwau werden vor dem Besuch gewaschen und in einem Spezialtransportkorb zum Frauchen oder Herrchen gebracht. Somit treten sie mit niemandem andern in Kontakt und Hygiene wird so weit wie möglich gewährleistet. Die Freude, welche ein solches Wiedersehen bewirkt, unterstützt die Heilung auf bemerkenswerte Weise.

Pet Therapy“ wie das heutzutage genannt wird, also die Therapie, welche Tiere einsetzt, um gewisse Heileffekte und –prozesse zu beeinflussen, beginnt m.E. bereits bei uns daheim, wenn wir mit einem Haustier zusammenleben. Ich versuche gerade diesen Artikel zu schreiben. Das ist fast hoffnungslos, denn ich habe meinen Stubentiger, der über die Tastatur marschiert, sich mir in den Schoß legt, an mir raufkraxelt wie ein Äffchen. Das alles, nur um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Zwischen einem Satz und dem anderen, muss ergiebig gekrault werden. Und der kleine Tiger genießt das in vollen Zügen. Was ich daraus lerne, ist, dass ich heute kaum noch zu einem Ende kommen werde – aber vor allem begreife ich, dass ich mir etwas Zeit nehmen kann, um meiner Katze in die tiefgrünen Augen zu schauen, sie zu kraulen und mich daran zu freuen, wenn ich sehe, wie sehr sie das genießt. Heutzutage muss alles schnell gehen, irgendwie läuft man fast der Zeit hinterher, man ist oft in Verspätung, gestresst und hat kaum Zeit, sich einen Moment niederzusetzen. Da tut so ein kleiner Vierbeiner gut, der sich einfach auf die Tastatur niedersetzt, um gestreichelt zu werden und dem es total gleichgültig ist, ob er gerade den gesamten Text gelöscht hat oder auch endlose Zeilen mit demselben Buchstaben produziert.

Pet Therapy kann sehr weit gehen. Das betrifft sowohl die Vielfalt der Tiere, die eingesetzt werden, so beispielsweise Pferde, Hunde, Katzen, Ziegen, Alpacas, wie auch die Orte, in denen diese Methode angewandt wird. Es kann sich sowohl um Krankenhäuser wie auch um Altersheime oder aber Schulen handeln. Außerdem gibt es sogenannte „Tierfarmen“. Ein besonders schönes Beispiel ist „Monis kleine Farm“ von Monika Posmik in Garching bei München, wo einem 35 Tiere verschiedenster Art über den Weg laufen. Kinder, aber auch Erwachsenen können Tiere anfassen und in manchen Fällen, endlich einmal spüren, wie es sich anfühlt, ein lebendiges Tier anzufassen. Bei Pferdetherapie geht es interessanterweise hingegen vor allem darum, Menschen zu helfen, die Gleichgewichtsprobleme haben, unter Spastiken oder gar Autismus leiden. (Mehr dazu hier!)

Gegenüber Tieren verlieren wir allgemein viel leichter Hemmungen und lassen uns dazu bewegen, mitzumachen, zu lachen, uns gehen zu lassen. Klassisch der Moment in Walt Disney‘s „101 Dalmatiner“, wo sich in einer sehr humorvollen Szene die beiden Hundebesitzer ungewollt/aber doch nicht wider Willen näher kommen, da Pongo seine Leine um deren Beine dreht, bis sie hoffnungslos verwickelt sind – in jeder Hinsicht …

Bereits der Kontakt mit einem Vierbeiner tut der Seele merklich gut. Ein Tier streicheln, striegeln, umarmen oder einfach auf dem Schoß eingerollt zu spüren, vermittelt positive Energie und Lebensfreude. Es gibt bereits Kliniken, die auf „Tierbegleitete Therapie“ spezialisiert sind. Trotz der Tatsache, dass solche Therapiemethoden immer öfters angeboten werden, ist eines der Probleme bei solchen Behandlungen, dass Krankenkassen häufig nicht intervenieren können, wenn die Behandlungsmethode nicht staatlich anerkannt ist. Dieser Bereich sollte meines Erachtens konkret und ordentlich geregelt werden.

Vor allem für ältere Menschen, die ins Krankenhaus oder ins Altersheim gehen müssen, kann es eine Tragödie darstellen, wenn sie ihr geliebtes Tier nicht mitnehmen können. Es fehlt ihnen die Gesellschaft und oft wissen sie schlicht und einfach nicht, was aus dem Vierbeiner geworden ist. Diese Ungewissheit wirkt sicherlich nicht gesundheitsfördernd. Sowohl Altersheime wie auch Schulen, die es erlauben, Mensch und Tier in Kontakt zu bringen, können nur davon profitieren. Ältere Menschen können sich noch um jemanden kümmern, haben einen guten Grund, um sich zu bewegen, können mit jemandem reden. Kinder hingegen lernen den Umgang mit Tieren. Sie lernen, dass es nicht Plastikpuppen oder Roboter sind, an denen man je nach Laune im schlimmsten Fall sogar herumzerrt. Sie lernen, Respekt und Zuneigung entgegen zu bringen. Ich traue mich zu sagen, dass solche Kinder eines Tages mit aller Wahrscheinlichkeit, viel mehr als heute, Tiermisshandlung als etwas Unverständliches sehen und sogar helfen können, sie zu verringern, wenn nicht sogar vorzubeugen.

RTBF (Radio Télévision Belge Francophone) hat 2017 über eine Klinik in Belgien berichtet, die zwei Katzen stationär aufgenommen hat, damit sie den Patienten für Streicheleinheiten zur Verfügung stehen. Eine Zootherapeutin kommt außerdem wöchentlich mit dem eigenen Hund zu Besuch und Patienten dürfen auch zwei Stunden pro Tag deren Haustiere treffen.

In Belgien bietet außerdem ein Fachinstitut einen Kurs über „Hunde im Krankenhaus an“ (Institut Belge de Zootherapie). Man merkt also, dass sich so langsam das Bewusstsein stärkt, dass Tiere doch irgendwie die Genesung und das Wohlbefinden beeinflussen können.

Besonders rührend sind Meldungen auf den Social Media, die darüber berichten, dass Menschen manchmal lieber auf der Straße leben oder permanent in einem Auto wohnen, als dass sie ihren Vierbeiner aufgeben. (Hier eine Geschichte aus Florida.)

Besonders interessant finde ich die Initiative, die in Mons (Begien) im Februar dieses Jahres gestartet wurde. Für Obdachlose und deren Hunde wurden Iglus aus Frankreich importiert. Diese sind speziell für solche Menschen gedacht, die in den klassischen Obdachloseneinrichtungen keinen Platz finden, da dort Tiere nicht zugelassen sind. Damit sie ihr Leben nicht auf der Straße fristen müssen, insbesondere wenn es extrem kalt wird, können sie samt Hund in solchen Iglus eine Unterkunft finden. Allerdings braucht es nun Finanzierungen, damit dieses Projekt richtig starten kann, denn derzeit handelt es sich lediglich um eine Probephase. (Mehr dazu hier!)

Hunde, Katzen und andere Tiere sind wahrlich kleine Ärzte auf vier Beinen (oder zwei Beinen, oder auch ohne Beine!), denn sie bringen unvoreingenommen Liebe und Zutraulichkeit entgegen, die in vielen Fällen auch den Tod des Besitzers überdauert. Es gibt einige sehr beeindruckende Geschichten, aber diese ist wirklich erstaunlich und zutiefst berührend. Ein Hund in Griechenland wartet seit nunmehr 20 Monaten am Unfallort auf die Rückkehr seines Herrchens. Leider wird sein Besitzer nie wieder zurückkommen können, doch der Hund „der griechische Hachiko“ wartet treu; die Einwohner des Dorfes kümmern sich um ihn. Allerdings hat bisher niemand verstanden, wie der Hund den Unfallort in Nafpaktos überhaupt fand, denn dieser ist 12 Kilometer von seinem früheren Wohnort entfernt. (Mehr dazu hier und hier!)

Gerne möchte ich mit einer ganz persönlichen Überlegung enden, die nicht auf jeden von uns zutreffen wird, aber doch auf einige: Tiere gehen auf Menschen ohne Kritik oder Voreingenommenheit zu – wie viele von uns können dasselbe von sich selbst sagen?

Und hier noch ein Video zum Thema Tiere im Krankenhaus.

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

Zu den weiteren Artikeln von Vesna Caminades zum Thema Tierschutz und Tierrechte bitte hier klicken

In diesem Video-Interview stellt Vesna Caminades sich und ihr Anliegen vor.

1453