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Vor 100 Jahren brach das letzte Jahr des Ersten Weltkriegs an. Dieser Krieg fand vor allem außerhalb der Grenzen des damaligen deutschen Kaiserreichs statt. Im Westen vor allem in Nordfrankreich und auf dem Gebiet Belgiens. Das mag erklären, weshalb die Erinnerungskultur an die Zerstörungen und an das Leiden, die der 1 Weltkrieg verursachte, in Belgien ausgeprägter ist als in der Bundesrepublik.

Der deutsche Botschafter in Belgien, Rüdiger Lüdeking, hat anlässlich des Gedenkens an die Toten des Ersten Weltkriegs eine Videobotschaft für die belgischen Bürger und Bürgerinnen veröffentlicht. Der Botschafter unterstreicht, dass die Erinnerung an die Opfer des 1. Weltkriegs „keinen Platz für heroisches Pathos von Blut und Ehre“ bietet. Und er erinnert daran, dass die EU ein politisches Projekt ist, dass die Zeit militärischer Konfliktlösungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten dauerhaft beenden soll und dieses Ziel für die letzten 70 Jahren auch erreicht wurde.

Europa.blog dokumentiert im folgenden die deutschsprachige schriftliche Stellungnahme des Botschafter im Wortlaut und auch die von Alexander Louvet (Powershoots TV) aufgezeichnete Videobotschaft (englisch/französisch).


Der deutsche Botschafter in Belgien, Rüdiger Lüdeking erklärt:

Das letzte Jahr war für Belgien stark durch die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und insbesondere die Schlacht von Passchendaele 1917 geprägt. Dabei gab es auch Fragen zur deutschen Erinnerungskultur, die durch unsere Geschichte und die daraus erwachsende Verantwortung geprägt ist.

Der Filmbeitrag vermittelt eine deutsche Sicht auf das Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Dieses Gedenken bietet aus unserer Sicht gerade keinen Platz für heroisches Pathos von Blut und Ehre. Vielmehr muss es uns an unsere Verantwortung gegenüber den Kriegsopfern erinnern, alles zu tun, um künftig bewaffnete Konflikte zu vermeiden. Die unvorstellbar grausame Realität der Schlachten des Ersten Weltkriegs führt uns vor Augen, dass die jungen Soldaten beider Seiten eher Opfer denn Täter waren, Opfer einer wahnwitzigen, seelenlosen und menschenverachtenden militärischen Logik.

Das Gedenken eignet sich auch nicht zur Stimulierung nationalistischer Reflexe. Ganz im Gegenteil: Die Gründerväter der Europäischen Union haben die Lehren aus den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts gezogen und das europäische Einigungswerk auf den Weg gebracht. Die europäische Einigung hat Jahrhunderte alten Rivalitäten und Feindschaften ein Ende gesetzt. Sie ist in erster Linie ein politisches Projekt, eine eminent zivilisatorische Leistung, die uns inzwischen mehr als 70 Jahre Frieden auf unserem Kontinent beschert hat. Leider wird dies heute allzu häufig vergessen oder verdrängt. Dies ist unverantwortlich. Das gilt gerade auch angesichts der Herausforderungen, denen sich die europäischen Staaten aktuell gegenüber sehen, und die sie nur gemeinsam bewältigen können.“

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