Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich werde bei diesem Beitrag nicht viel Neues erfinden. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Thema weniger interessant sein muss oder gar unwichtig, ganz im Gegenteil. Die Europäische Union hat eine Regelung eingeführt, die an der Basis höchst notwendig ist und wertvoll. Doch wie es leider zu oft geschieht, erlangt sie durch den Spielraum, den die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung haben, nicht den vollen Effekt. Ich würde sagen, in bestimmten Fällen – wie dem folgenden – ist das Resultat sogar negativ. Nun werden Sie sich vielleicht fragen: worüber spreche ich denn?

Nun, es geht um das „Traces“. Was versteht man darunter? Wiki hilf mir!

“TRACES (TRAde Control and Expert System) ist ein am 1. April 2004 von der Europäischen Union (EU) eingeführtes Datenbanksystem, mit dem der gesamte Tierverkehr innerhalb der EU sowie aus der und in die EU erfasst wird. Grundlage ist die Entscheidung 2003/623/EG der Europäischen Kommission vom 19. August 2003 über die Entwicklung eines integrierten EDV-Systems für das Veterinärswesen.

Ziel des Systems ist es, die Arbeit der Veterinärbehörden besser zu vernetzen, um zum Beispiel potenzielle Infektionsträger von Tierseuchen nach Ausbruch einer Tierseuche in anderen Beständen aufzufinden. Außerdem enthält das System eine Liste der Betriebe in Nicht-EU-Staaten, die Erzeugnisse tierischen Ursprungs in die EU ausführen dürfen. TRACES ersetzt das bis dahin verwendete System ANIMO (ANImal MOvement).

Im EU-Binnenmarkt erfolgt die Eingabe von Tierbewegungen online direkt durch das versendende Unternehmen. Dieses übersendet die Angaben an die jeweils zuständige Veterinärbehörde, wo sie validiert und an den Empfänger der Tiere sowie das Zentralregister in Frankreich übermittelt werden.“

So weit, so gut. Die Europäische Kommission beschreibt dieses System als „Online-Plattform für Gesundheits- und Pflanzengesundheitszeugnisse, die für die Einfuhr von Tieren, tierischen Erzeugnissen, Lebens- und Futtermitteln nichttierischen Ursprungs und Pflanzen in die Europäische Union sowie für den Handel innerhalb der EU und die Ausfuhr von Tieren und bestimmten tierischen Erzeugnissen in die EU erforderlich sind.“

Dieses System wurde somit entwickelt, um die Rückverfolgbarkeit von Lebendvieh wie auch von Produkten, die importiert werden, zu gewährleisten. Denken wir nur an den Skandal mit dem Pferdefleisch in den Lasagne vor einigen Jahren oder aber die blaue Schlumpf-Mozzarella. In diesen Fällen besteht kein Zweifel, dass etwas geschehen musste. Doch es läuft eben nicht immer alles wie man es erhofft.

Wie Sie von einigen meiner älteren Artikel bereits wissen, stehe ich mit einer griechischen Tierschützerin in Xanthi in Verbindung, Panagiota Saripapazoglou. Nun, Giota wie auch all ihre anderen privaten Tierschutzkolleginnen und -kollegen sind derzeit am Rande der Verzweiflung – eigentlich sehen sie sich eher in einer nahezu hoffnungslosen Situation. Bisher konnten sie recht regelmäßig einige Hunde mit kleinen Transportern nach Deutschland, in die Niederlanden, Belgien usw. schicken, damit sie dort mit ihren Adoptivfamilien vereint werden konnten. Das erfolgte auf legale Art und Weise, mit Impfungen und Chip. Doch, seit es das Traces gibt, ist dies nicht mehr möglich. Warum? Der griechische Staat ist säumig. Aus diesem Grunde riskieren die Tierschützer, die trotzdem Hunde ins Ausland begleiten, eine große Strafe: die Hunde werden konfisziert und sie müssen sehr hohe Geldsummen bezahlen, um die Vierbeiner wieder freizubekommen. Aus diesem Grunde müssen die Tierschützer derzeit auf Adoptionen verzichten. Doch das Problem ist, dass die Streuner in Griechenland nicht weniger werden, genau das Gegenteil ist der Fall, denn der Staat tut nicht genug, um die Population unter Kontrolle zu bekommen. Früher konnte außerdem ein einzelner Tourist bis zu fünf Hunde auf seiner Rückreise mit in die Heimat nehmen, um sie dann auf die Adoptiveltern umzuschreiben. Auch dies ist nicht mehr möglich – wenigstens nicht im selben Ausmaß. Jetzt darf jeder Tourist maximal einen Hund auf den eigenen Namen in Griechenland adoptieren und somit „exportieren“. Hier übrigens die Anweisungen, wie das verwaltungsmäßig ablaufen sollte. Auf der einen Seite unternimmt also der griechische Staat keine Sterilisierungskampagnen, um die Bevölkerung der Straßenhunde und -katzen zu begrenzen. Andrerseits überlässt er das den Einheimischen, die durch Vergiften oder anderen gewaltsamen Methoden dieses „Problem“ täglich für ihn erledigen. Und das Schlimme dabei ist, dass es nur diese Traces-Kodizes benötigen würde, denn es gibt genug gefühlvolle Menschen in anderen Mitgliedstaaten, die bereit sind, diese Tiere aufzunehmen. Doch nein. Ich habe die Europäische Kommission Generaldirektion SANTE angeschrieben, um zu wissen, ob sie auf dem laufenden sind, genauso wie auch die „Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals des Europäischen Parlaments“; von beiden bisher keine Antwort. Vielleicht sind sie alle in Urlaub…. Das kann es nun aber wirklich nicht sein, dass in diesem Fall die EU den griechischen Staat nicht zwingen kann, seiner administrativen Aufgabe nachzukommen. Hier ein Aufruf seitens verschiedener Tierschutzorganisationen, die diese Katastrophe anprangern und eine Lösung verlangen. Dieser Brief erklärt die Situation auf exzellente Art und Weise. Bislang ist die einzige effiziente und schnelle Lösung, die derzeit möglich ist, dass ein Tourist, Sie oder ich, der nach Griechenland in Urlaub fährt, auf seiner Heimreise einen Hund adoptiert und mitnimmt. Dieser wird dann einfach auf den endgültigen Besitzer umgeschrieben. Wenn man genau wissen möchte, wie das funktioniert, dann findet man auf der Seite von PETA schon sehr gute Informationen

Eine Adoption – auch wenn nur vorübergehend – muss aber nicht unbedingt jedem liegen. Daher hier ein interessanter Artikel mit Tipps, wie man im Urlaub auf jeden Fall Tierschutz machen kann.

Und schließlich für diejenigen, die bereits gebucht haben, hier ein paar konkrete Vorschläge, man weiß ja nie!

Bitte denken Sie daran und reden Sie auch mit Freunden und Bekannten darüber, vielleicht kann der oder die andere ein Tier retten.

Danke IAMA

Titelbild: Hundeimport by STS Schweizer Tierschutz CC BY 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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