Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kennen Sie zufällig die Petitionsseite „Care2“? Das ist eine von vielen Webseiten, über welche Unterschriften für die verschiedensten Belange gesammelt werden. Als IAMA erhalte ich natürlich vor allem Petitionen zum Thema Tiermisshandlung. Und ich wundere mich jedes Mal, wenn ich eine E-Mail von Care2 erhalte. Effektiv ist es so, dass man mit einer Unterschrift beginnt und dann folgt eine endlose Reihe von Anfragen. Nun ist es so, dass man nicht immer viel Zeit hat, um sich da mit einer Engelsgeduld durchzuklicken. Doch man tut es für die Tiere, das gibt einem Mut. Klarerweise, es besteht manchmal der Zweifel, ob all diese Dinge, die da angeführt werden, effektiv stattfinden. Andrerseits kann man sich auch sagen, was geht es mich an, wenn irgendwo in einem US-Staat ein Hund elendiglich misshandelt wurde? Alles goldrichtig, alles „crystal clear“ wie man heutzutage oft hört. Doch wissen Sie, was mich am meisten belästigt oder was mir eher Angst macht? Der Zweifel. Der Zweifel, dass auch nur ein Bruchteil all der Gräueltaten, die man da aufgelistet sieht, Wirklichkeit sein könnten. Elefanten für Dressurzwecke mit Haken verwunden, damit sie endlich in die Knie gehen, Hunde aus Traditionsgründen lebend häuten damit sie durch Schmerz und Panik Adrenalin ausschütten und somit deren Fleisch schmackhafter wird, Delphine und Wale niedermetzeln, um sie industriell zu verwerten, Robbenbabys brutal mit einem Hakenstoß in den Schädel umbringen, um deren weißes Pelz zu verkaufen, Löwen züchten, um sie dann zur Freude feiger versteckter Jäger frei zu lassen, damit sie – am Menschen gewöhnt – von diesen barbarisch umgebracht werden, wilde Tiere zur Freude einer Trophäe niederknallen, männliche Küken – da unrentabel – nach einigen Stunden ab Geburt schreddern, usw. Dieses „USW.“ verbirgt noch so viel Untragbares, Unsagbares.

Kann es das sein? Heutzutage, wo unsere Jugendlichen gegen den Klimawandel demonstrieren, sich um unseren Planeten Sorgen machen, wo Kinder sich weigern Fleisch zu essen, weil sie das Huhn oder das Lamm vorher lebendig gesehen haben. Ich glaube, es ist dringender denn je, die Augen aufzumachen und sich bewusst zu werden, was um uns herum geschieht.

Das wird jetzt wieder so eine Veganer-Predigt … Manch einer unter Ihnen hat jetzt bereits Artikel gewechselt. Kein Problem, genau das ist jetzt der springende Moment: will ich wissen, was dahintersteckt oder will ich eher meinen Kopf in den Sand vergraben? Will ich wie die drei Äffchen sein, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen?

Nein! Jeder von uns nimmt auf unserem Planeten Erde einen Platz ein. Wir nehmen Ressourcen, und was geben wir dafür zurück? Abfall, Verschmutzung, Misshandlung, keinen Respekt. Nicht alle Menschen sind so. Einige, immer mehr unter uns beginnen zu verstehen, dass es so nicht mehr lange weiter geht. Es sind oft kleine Gesten, die zählen. Wasser sparen, Müll trennen, einmal pro Woche auf tierische Produkte verzichten, verantwortungsbewusst einkaufen, Energie sparen, Radfahren, statt Auto, und so weiter. Die Liste könnte noch länger sein. Und das Schöne dabei: wir können für unsere Kinder ein Beispiel sein. Oder sind vielleicht die Jugendlichen ein Beispiel für uns ältere Generation? Ob so oder so, wichtig ist das Endergebnis. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Besonders klar wird das, wenn man den „üblichen alt bekannten abgemagerten“ Eisbären auf der dahinschwindenden Eisscholle sieht, denn Erderwärmung gibt es halt leider effektiv. Ich will mich nicht über dieses arme Geschöpf lustig machen, ganz im Gegenteil. Was ich damit sagen will ist eher, dass wir uns an bestimmte Bilder mittlerweile sogar gewohnt haben. Erderwärmung? Verlust an Biodiversität? Treibhausgase? Carbon foot print? Wer schert sich noch darum? Wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir nicht weiterdenken als: was soll ich für die nächste Woche einkaufen? Muss ich tanken? Kann ich heuer in den Urlaub fahren? Ich bin einverstanden, dass es Leute unter uns gibt, die tatsächlich nichts anderes zu denken haben, als „wie komme ich über die Runden?“. Doch nicht alle unter uns sind in diesem Boot. Die meisten unter uns können sich sehr wohl den Luxus leisten, an die Zukunft zu denken und verantwortungsbewusst zu handeln. Na ja, nicht immer angenehm, aber das sind wir unserem Planeten schuldig, der Natur, die er birgt und all den Tieren und Pflanzen und Lebewesen, die da ihr Dasein dahinschwinden sehen. Zuviel Philosophie? Vielleicht. Aber was wollen wir den Jüngsten unter uns mitgeben?

Nütze aus wo du kannst, sei nie zufrieden, schau immer das meiste aus jeder Situation herauszuholen, denke immer zuerst an dich, Geld ist das Wichtigste, denn ohne Geld gibt es keine Gesundheit und kein Glück, Tiere sind auf der Welt, um uns zu dienen – wenn sie wollen ok, wenn sie nicht wollen, dann geht es ihnen halt an den Kragen, Regenwald? Nun, von dem gibt es eh soviel, die Wirtschaft geht voran. Globales Denken und Handeln? Das ist etwas für die „Obergescheiten“, wir müssen an uns denken, lokal und nicht über den Tellerrand schauen. So, klingt doch alles recht logisch und kohärent, oder?

Noch einmal: das kann es nicht sein. Aus diesem Grunde bin ich so dankbar, dass ich als IAMA Dinge und Zustände hinterfragen darf. Oft unangenehm, doch es ist zu wichtig. Einmal, dass ein Bewusstsein geschaffen ist, kann man nicht mehr wegschauen. „Nicht wissen“ ist eine Sache, „wissen und weitermachen“ ist eine Schandtat.

Ich habe gerade gestern rein zufällig gesehen, wie der Pangolin von den Schmugglern verwertet wird. Am Schwanz gehalten und mit einer Machete in entgegengesetzter Richtung, wie seine Schuppen wachsen, werden diese brutal runter gerieben. Und das macht das Pangolin zum weltweit meist gejagten Tier.

Behörden in Singapur haben auf einem Schiff von Nigeria kommend rund 14 Tonnen Schuppentier-Schuppen gefunden. Für die auf dem asiatischen Markt begehrten Schuppen mussten schätzungsweise 36.000 der stark bedrohten Schuppentiere – auch Pangoline genannt – sterben. Ebenfalls an Bord waren mehr als 180 Kilogramm Elfenbein. In Asien gilt ihr Fleisch als Delikatesse, die Schuppen werden als Arzneimittel gehandelt. Sie bestehen, genau wie das Horn des Nashorns, ausschließlich aus Keratin, wie menschliche Fingernägel. Der größte Markt ist China, danach folgt Vietnam. Hierhin sollte das Schiff auch fahren. Nach einer Umfrage von WildAid glauben 70 Prozent der Chinesen, dass die Schuppen etwa Rheuma und Hautkrankheiten heilen. (Quell: Asiatischer Aberglaube: 14 Tonnen Schuppen vom Schuppentier beschlagnahmt, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 08.04.2019)

Warum bringe ich dieses Beispiel? Vielleicht, weil mich die Brutalität geschockt hat und die Gleichgültigkeit, mit der diesem armen Tier die Schuppen abgeschabt wurden (ich weiß gar nicht, ob es noch lebendig war).

Alles in allem, was möchte ich mit diesem Beitrag bewirken und sagen? Wir leben in einer wunderbaren und extrem schönen Welt. Das ist eine so große Verantwortung. Wir sind es uns, aber vor allem auch unseren Kindern schuldig, dass wir endlich das Ruder umdrehen und Richtung wechseln. Wollen wir keine Petitionen unterschreiben? Dann unterschreiben wir eben keine Petitionen. Deswegen bleiben die schrecklichen Taten an Tier und Umwelt trotzdem. Wir können uns aber trotzdem informieren und darüber reden. Das ist schon ein erster enorm wichtiger Schritt. Viele Lebewesen werden es Ihnen und uns danken, wir tun es ja schließlich auch für uns (vielleicht hilft das einigen unter uns, wenn sie es „auch“ für sich selbst tun und nicht nur für die nächste Generation …) – Danke IAMA

Titelbild: Screenshot

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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