Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Seit einigen Tagen beginnen die ersten Weihnachtsdekorationen unsere Straßen zu schmücken. Der riesengroße Christbaum steht auch schon vor der Kirche. Bald werden uns all die Lichter an das nahende Weihnachtsfest erinnern. Ob nun Krise herrscht oder nicht, für die einen oder anderen wird es auf jeden Fall ein Fest geben. Manch einer wird hingegen leider einem Geliebten nachtrauern. Feierlichkeiten gehen mit gewissen Gewohnheiten einher. Und genau über diese möchte ich heute kurz ein paar Gedanken sammeln.

Was wiederholt sich jedes Jahr pünktlich zu jedem Christlkindl-Fest? Genau, der Baum, die Geschenke, der Schmaus, das Feiern und das frohe Beieinandersein. Nicht alle sind dabei „froh“ …

Fangen wir beim Schmaus an: wer serviert seinen Gästen Spargeln, Linsen, Kartoffelpüree und Karotten-Gazpacho? Nein, wenn dann muss es deftig zugehen und möglichst auch luxuriös: Hummer, Gänseleber, Schweinshaxn, Geflügel vom Feinsten angefangen von Truthahn bis gefüllte Wachteleier, etc. Und nur nebenbei gesagt, oft isst man so viel, dass man sich hinterher elendiglich fühlt – kommt das bekannt vor? So sinnlos. Ich habe gelesen, dass die Foie gras-Branche anscheinend einen Einbruch im Umsatz erlitten hätte u.a. auch in Folge der erneuten Welle der Vogelgrippe. Außerdem hatte in Frankreich ein Gesetz die Werbemaßnahmen für Foie gras relativ stark reduziert. Nun wurde jedoch beschlossen, dass man diesem Sektor unter die Arme – oder eher unter die Flügel – greifen muss. Werbung ist bis Weihnachten ohne Einschränkungen erlaubt und in den größten Supermarktketten wie Carrefour, Intermarché und Leclerc werden eigene Werbestände zu diesen Produkten aus Ente und Gans zu finden sein. Es werden anscheinend auch einige Produzenten vor Ort anwesend sein. Ich frage mich: werden sie erklären, wie man zu dieser heiß begehrten Gänseleber kommt? Wie sie mehrmals täglich den Tieren einen Metallstab in den Rachen stoßen und sie mit Maisbrei in Sekundenschnelle vollstopfen? Werden sie darlegen, warum das auch Stopfleber heißt? Und dass sie nebenbei immer im Schnellverfahren den Enten und Gänsen auch die Federn ausreißen, manchmal bis zum Blut, damit sie ja rentabel sind bis zum Schluss. Ach ja genau, eigentlich könnte man sie auch fragen, wie das Ende einer solchen zweibeinigen Maschine aussieht? Schließlich sind diese Vögel ja nichts anderes. Von Lebewesen mit Rechten und Gefühlen gar keine Spur.

Den Hummer geht es aber nicht sehr viel anders. Wie die „Kenner“ wissen, darf man das Tier nicht allzu lange leiden lassen. Aus Mitleid muss man daher den Hummer am Schwanz halten und ganz schnell ins kochende Wasser gleiten lassen. Aber! Achtung! Ja mit dem Kopf zuerst. Ansonsten riskiert man, dass er, wenn er sich im heißen Wasser den Hintern verbrennt, beginnt, wild um sich herum zu schlagen und da könnte der eine oder andere heiße Tropfen auf uns landen. Und das muss man vermeiden, denn siedendes Wasser schmerzt. Welch eine Erkenntnis! Uns tut schon ein Tropfen weh, was soll dann dieses arme Tier sagen, das kopfüber verbrüht wird? Die Panik, die Schmerzen, das Unsagbare. Und wozu? Für unsere Gaumenfreude? Lächerlich, grausam, unvorstellbar. Bin ich zu belächeln, weil ich mit einem Tier, das man eigentlich gar nicht streicheln kann oder gar in die Arme schließen kann, Mitleid empfinde? Na dann, wenn Sie das nächste Mal Nudeln kochen, dann greifen Sie doch kurz ins Wasser, um zu schauen, wie sich das anfühlt. Ich will ja nicht sagen, dass sie gleich den Kopf hineinstecken müssen, aber wenn Sie es doch probieren möchten …

Da wir gerade von Tieren zum Streicheln reden. Wie viele Eltern drücken ihre Liebe für ihre Sprösslinge damit aus, dass plötzlich ein Kätzchen oder ein Welpe unterm Weihnachtsbaum hervorkriecht? Welch ein Entzücken … Es gibt klarerweise Familien, die ein solches Ereignis mit Verantwortungsbewusstsein, Freude und bestens vorbereitet in Angriff nehmen. Doch nur zu dumm für all die anderen, die merken, dass man dieses Ding dann auch noch öfters am Tag ausführen muss oder dass es daheim herumspringt und sich die Nägel an den Möbeln abschleift. Und oben drein, wer hat denn daran gedacht, dass es nicht immer so klein und niedlich bleiben würde? Oje, und was ist jetzt mit unserem Skiurlaub und was tun im Sommer? Mein lieber Himmel. Da gibt es wohl nur eine Lösung, zum Wohl der Familie und natürlich des Vierbeiners. Ab ins Tierheim und wenn man es ganz eilig hat, ab auf die Autobahn oder in den Wald, angehängt irgendwo. Nur nicht zurückschauen, es ist ja eh nur missglücktes Geschenk.

Apropos Geschenke, zu Weihnachten darf es hin und wieder auch ganz nobel zugehen. Da schenkt man Lederaccessoires. Oh, wie schön! So praktisch, so schick, so grausam. Warum? Diese Geldtasche stand noch vor Monaten auf den eigenen Beinen und als sie geboren wurde, hat man sie innerhalb kürzester Zeit der Mutter entrissen. Kalbsleder muss es halt schon sein, denn das ist so geschmeidig und weich. Wir sitzen auf toten Tieren im Auto, wir zahlen mit einem toten Tier in der Hand, wir geben unseren Laptop in ein totes Tier und zieren uns mit einem toten Tier auf unserer Schulter oder stolzieren mit toten Tieren an den Füssen herum; ja ich werde es nie oft genug wiederholen, jedes Stück Leder ist Teil eines grausam umgelegten Lebewesens.

Und wenn wir uns dann den Magen vollgeschlagen und Geschenke verteilt haben, dann kommt der Höhepunkt: das Feuerwerk. Kommt Ihnen nicht vor, dass diese Knallkörper unser Gehör ganz leicht herausfordern? Schon? Na ja, was sollen dann unsere Haustiere dazu sagen?

Diese Feierlichkeitsliste ist damit natürlich nicht abgeschlossen, doch das sind so die Dinge, die mir besonders am Herzen liegen. Und das Wichtigste: wer es wünscht, findet Alternativen!

Wollen Sie ein Tier adoptieren? Dann lassen Sie mal die Feiertage vorübergehen und verpflichten sich anschließend, mit ihren Kindern jedes Wochenende – JEDES – einen ganz bestimmten Hund im nahe gelegenen Tierheim auszuführen; bei Wind, Regen, Schnee, Hitze, Stress etc. und das mindestens sechs Monate lang. Ich übertreibe? Nein, wenn Sie sich überlegen, dass ein Welpe hoffentlich mindestens zehn Jahre lebt (natürlich je nach Rasse unterschiedlich), dann ist eine Probezeit von sechs Monaten mehr als gerechtfertigt.

Wollen Sie unbedingt Hummer und Gänseleber? Ich glaube, wenn Sie jemand sind, der imstande ist, Hummer, Tintenfisch oder Schnecken bei lebendigem Leibe ins siedende Wasser zu werfen, dann gibt es nicht mehr viel zu sagen. Umdenken? Ich glaube, es bräuchte eher dringend ein Umfühlen. Dieses Wort gibt es in der deutschen Sprache nicht? Oops! Na, dann haben Sie jetzt eben gerade eine Wortschöpfung erlebt: ab heute gibt es das Wort „Umfühlen“ – change of mindset – change of feelingset.

All die Lederaccessoires, wie viele davon sind wirklich notwendig und wie viele sind nur Symbole unserer Eitelkeit? Wie viele landen für immer in den Kleiderschrank? Leider ist die Alternative aus Plastik für die Umwelt und somit für die Tiere wiederum eine Belastung. Aber es gibt eine Lösung; in diesem Artikel finden Sie sogar sechs Alternativen zu Leder, die nachhaltig sind von Ananas bis zum Kaktus. Dieser Artikel sagt richtigerweise: Zukunft fängt bei dir an. Das ist goldrichtig!

Etwas anderes als Knaller bei unseren Festen? Es gibt dazu eine wunderbare Alternative: lieber als das Feuerwerk in die Natur zu schießen, lassen wir es in unserem Innern, in unserem Herzen und Geist explodieren. Dann werden wir hoffentlich endlich offen sein, um hinter die Kulissen zu blicken, um zu erkennen, was wir mit unserer Umwelt, der Natur und den Tieren tun – wie sehr heute, in diesem Augenblick die Entscheidung in unseren Händen liegt, unsere Zukunft zu gestalten oder sie für immer zu zerstören – mit jeder einzelnen unüberlegten Tat. Und was wäre, wenn wir Weihnachten heuer einmal anders anpacken würden …? Danke – IAMA

Links zum Artikel

Titelbild: Lutz Koch CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

Zu den weiteren Artikeln von Vesna Caminades zum Thema Tierschutz und Tierrechte bitte hier klicken!

3591