Europa ist bunt! Unter dieser Prämisse ziehen im Juli in europäischen Groß- und Kleinstädten zahlreiche Homosexuelle auf buntgeschmückten Wagen durch die Straßen, um den Christopher Street Day zu feiern. In diesem Jahr jährte sich die Bewegung, die 1969 ihren Ursprung fand, zum 50. Mal.

In den Stonewall-Unruhen entlud sich der anschwellende Konflikt zwischen Trans- und Homosexuellen mit der New Yorker Polizei. Eine unangemeldete Razzia im Stonewall Inn brachte die angespannte Situation endgültig zum Kippen. Seither wird weltweit im Sommer mit prächtigen Paraden für die Rechte von Schwulen und Lesben demonstriert.

Zeichen setzen in Europa

Im Juni und Juli kommt man an der Regenbogenfahne der Community nicht vorbei. Supermärkte, Banken, Fitnesscenter oder Kinos zeigen sich offen und hissen die bunte Flagge als Zeichen für Toleranz. Ein Bild, das Hoffnung gibt, dass die noch existierenden Unterschiede zukünftig hinsichtlich Ehe, Adoption und Heirat auch europaweit gleichgezogen werden.

Während in einigen Ländern wie Irland und Dänemark die gleichgeschlechtliche Heirat als rechtmäßig gilt, ist in anderen europäischen Gebieten schon der Gedanke an Homosexualität strafbar. Ein Grund mehr, warum London, Köln, Berlin, Dublin oder Oslo in den vergangenen Tagen die bunte Fahne geschwungen haben. Zahlreiche Städte folgen noch.

Langsames Umdenken

Die Aufmerksamkeit und der Kampf für die gleichen Rechte haben in der Vergangenheit stark zugenommen. Diesem stetigen Aufzeigen ist es zu verdanken, dass beispielweise Irland als katholisches Land in einer Bürgerabstimmung für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte. Eine Institution, die das Land bisher prägte, musste dem Willen des Volkes nachgeben.

Auch der Sportbereich verschloss sich vor nicht allzu langer Zeit den Homosexuellen. Besonders im männerdominierten Fußball oder Rugby sind homosexuelle Spieler selten oder haben sich ihrer Sexualität nicht offen gegenübergestellt. Doch die Rainbow Laces-Kampagne zum 50. Jubiläum zeigte auch bei dieser Gruppe Wirkung: In Erinnerung an den walisischen Rugbyspieler Gareth Thomas, der seit 2009 zu seiner Sexualität steht und Opfer eines homophoben Angriffes wurde, trug die französische Nationalmannschaft bei ihrem Spiel gegen Wales die bunten Schnürsenkel. Eine Geste, die bei den Fans äußerst positiv aufgenommen wurde. Für die kommenden Spiele sollte der positive Geist Wirkung zeigen: Im Spiel gegen Argentinien am 21.9. stehen die Wettquoten laut Betfair mit 18,00 (Stand: 12.7.) nicht schlecht für die Franzosen.

Schritt für Schritt zu neuen Ufern

Es wird noch ein langer Weg sein, um die Rechtslage auf einen gleichen Nenner zu bekommen. Doch mit dem bisherigen Erfolg ist die LGBTQ-Community dabei, den Weg für die zukünftige Generation noch weiter zu ebenen. Als in Deutschland die Ehe für alle unterzeichnet wurde, wähnten sich viele am Ziel. Dabei bleiben noch viele Themengebiete offen, die einer Anpassungen bedürfen.

Fragen wie Adoption, Partnerschaften oder Blutspende tragen noch immer den Beigeschmack der Bürokratie, die der Homosexualität oft im Wege steht. Um für diese Punkte einzutreten, bedarf es noch vielen weiteren CSD-Paraden, die durch Europa ziehen und für mehr Farbe im Leben der Menschen sorgen. Der Sommer bleibt weiterhin bunt, doch die Hoffnung wächst, dass auch die restlichen Monate in Zukunft von der Aufmerksamkeit profitieren werden.

Titelfoto: Jürgen Klute CC BY-NC-SA 4.0

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