Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Das wird diesmal ein unangenehmer Artikel. So mancher Hundebesitzer wird nach dem Lesen ein wenig wie ein Ochse vor dem Berg stehen. Wenigstens ist es mir genau so ergangen, nachdem ich die Augen geöffnet habe. Worüber möchte ich also diesmal mit Ihnen reden? Über die so heiß begehrten Kauknochen für unsere Vierbeiner. Hoffentlich kann dieser Beitrag so manchem Hund einiges ersparen.

Kauknochen sind für viele unter uns Hundeliebhaber sehr wichtig. Sie sind ein Zeichen der Zuneigung, sie halten das Gebiss sauber, fördern die Verdauung und beschäftigen unseren Freund. Was könnte es Besseres geben? Wahrheit oder Marketing?

Mein kleiner Hund hat letztlich häufig Durchfall. Ich bin dem auf den Grund gegangen. Seit mein großer Vierbeiner vor ein paar Monaten über die Regenbogenbrücke in den Hundehimmel gewandert ist, bleibt mein kleiner Tiger öfters allein. Nach einigen Überlegungen ist mir aufgefallen, dass ich ihn mit einem extra Schub Leckerlis trösten will. Also habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob mehr Schleckereien womöglich Durchfall verursachen können. Gleichzeitig fiel mir auf, dass er bei unserer Dogsitterin niemals Magenprobleme hat. Eigenartig habe ich mir gesagt. Tatsächlich verabreicht sie ihm niemals solche industriellen Leckerbissen. Bingo – 1+1 = 2! Also habe ich etwas im Internet recherchiert und worauf ich da gestoßen bin, hat mich erschreckt. Daher will es mit Ihnen teilen. Damit auch Sie wissen, was hinter diesen Belohnungen steckt.

Erstaunlicherweise besteht für Kauknochen keine Pflicht, die Inhaltsstoffe und die Herkunft anzugeben, da sie nicht als Lebensmittel eingestuft werden. Da ich neugierig bin, habe ich gleich ein paar meiner Kauknochenpackungen zu Rate gezogen. Effektiv, steht da beispielsweise folgendes drauf:
„Zusammensetzung – Rinderhaut und pflanzliche Nebenerzeugnisse“ – also durchwegs gesund und empfehlenswert …

„Produced by 3300PF032 for XY“ – klingt schon etwas anders, irgendwie befremdend …

Nun will ich wissen, was diese Kennziffer bedeutet. Gebe ich sie in Google ein, dann lande ich auf die Webseite „Webgate“ der Europäischen Kommission. Hier der Link.

Wo wird also mein Kauknochen „think animal – high protein – Rinderhaut“ wirklich hergestellt? In Deutschland, wo der Verkäufer seinen Sitz hat? Nein, in der Stadt Pingyan, in der Region Zhejiang durch das Unternehmen Pingyang Qinfeng Pet Nutrition Technology Co., Ltd, welches unter der Kategorie 3 zugelassen ist; diese entspricht der Produktion von 
„Petfood plants (Including plants manufacturing dogchews and flavouring innards) „ also Unternehmen, die Hundeleckerlis herstellen sowie gewürzte Innereien. Was kann man dazu wohl sagen? Mahlzeit!

Also stimmt das wirklich! Die paar Packungen, die ich noch habe, landen schnellstens in den Mülleimer. Doch nicht, weil sie in China oder sonst irgendwo in Thailand, Indien oder in Osteuropa produziert werden. Nein, weil ich in der Zwischenzeit erfahren habe, was dahinter steckt, wie sie effektiv hergestellt werden. Aus Abfällen. Behandelt mit irgendwelchen dubiosen Chemikalien. Gefärbt und mit Zusatzaromen versehen, damit der arme Vierbeiner sich doch noch überwindet, sie zu verzehren. Hier einige Ausschnitte, die in wenigen Worten, alles erklären.

Tierärzte oder Tierschutzvereinigungen warnen oft vor dem Verabreichen dieser Produkte:

„Damit diese Dinge die sechs Wochen Schiffsreise über fünf z.T. sehr heiße Meere auch überleben und in Rotterdam/Hamburg nicht als brauner ‚Klärschlamm‘ ankommen, werden die vorher dort meist in Chemie–Bädern getränkt, lange eingetaucht und diese Chemikalien unbekannter Zusammensetzung + Lockstoffe + Geschmacksverstärker frisst Ihr Tier dann auf und muss es irgendwie verstoffwechseln.“ Quelle: Grenzenlos Hundehilfe

Das ist aber noch nicht alles …

„Die Haut der Büffel oder Rinder wird in einer Chloridlösung haltbar gemacht, dann wochenlang nach China zu den Gerbereien gebracht und anschließend in ein Kalk-Bad gelegt, um Haare etc. zu entfernen.“ Weiterhin wird gesagt, dass die Häute häufig verfault seien, wenn sie in den Gerbereien ankommen. Um das zu vertuschen würden sie geblichen oder gefärbt. “Hinzu kommt, dass die Kauknochen mit Bakterien und Giften, wie Aluminiumoxid, Quecksilber und Blei belastet sind. Denn das sind die Stoffe, mit denen die Häute bei der Lederherstellung in Kontakt kommen.“

Ein großer Anteil der Lederproduktion, vor allem an Billigleder, kommt aus Ländern wie Indien, Vietnam, Bangladesch und China. Dort wird das Leder meistens unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen von minderjährigen Arbeitern hergestellt. Grausame Tierquälerei und schwere Umweltverschmutzung werden dabei in Kauf genommen. Der Grund: In den sogenannten Billiglohnländern gibt es weder geltende Arbeits- noch Umweltschutzgesetze, so dass die Industrienationen ihre Waren dort besonders günstig kaufen oder fertigen lassen können.

Über 90 Prozent der Tierhäute, aus denen Schuhe, Taschen und Jacken gemacht werden, werden mit dem reaktiven Schwermetall Chrom gegerbt und haltbar gemacht. Chrom VI (Chromat), das bei diesem Prozess entstehen kann, gilt als krebserregend und extrem giftig für die Umwelt.

Auch Biozide, flüchtige organische Lösemittel, Arsen, Blei, Quecksilber und giftiges Dimethylfumarat kommen bei der Lederproduktion zum Einsatz. So werden für die Herstellung von 200 Kilogramm Leder rund 500 Kilogramm (teilweise) extrem giftige Chemikalien verwendet.

Viele Menschen gehen davon aus, dass Leder ein Abfallprodukt der Fleischindustrie sei. Tatsächlich ist Leder bei der Schlachtung von Rindern, Lämmern oder Schweinen nach Fleisch, das wirtschaftlich wichtigste tierische Produkt. Eine Tatsache, die die Massentierhaltung zusätzlich ankurbelt. Ermittlungen von Tierschützern haben zudem ergeben, dass angeblich „heilige Kühe“ millionenfach unter schlimmsten Bedingungen in illegale Schlachthäuser in Indien oder in das Nachbarland Bangladesch geschmuggelt werden, wo ihnen nach islamischem Ritus, also ohne Betäubung, die Kehle aufgeschnitten wird. Teilweise leben die Tiere noch, wenn der Schlachter anfängt, ihnen die Haut vom Leib zu ziehen. Quelle: Ecowoman

Nach diesen Zeilen dachte ich, an die Grenze gestoßen zu sein, doch dem war leider nicht so. Das Beste sollte ich noch erst zu lesen bekommen – :

Nach einer Untersuchung erklärte die Human Society International in ihrem Bericht: “In einer besonders grauenhaften Methode werden die Häute von brutal geschlachteten Hunden in Thailand mit anderen Häppchen gemischt, um Rohaut-Kauspielzeug für Hunde zu produzieren. Hersteller teilten den Ermittlern mit, dass diese Kauprodukte regelmäßig exportiert und verkauft werden. “- dogingtonpost.com  – . (dogingtonpost ist eine Webseite mit Beiträgen rund um den Hund). Quelle: Hoffnungshunde

Die Häute von brutal geschlachteten Hunden? Habe ich richtig gelesen? Ich habe sehr wohl bereits einen Beitrag über die sogenannten „Dog Meat Festivals“ in Asien – insbesondere in China – geschrieben. Doch in meiner Blauäugigkeit hätte ich bei Weitem nicht angenommen, dass ich meinen Hunden die Haut anderer misshandelter Hunde vorsetze! Ich bin entsetzt.

Wenn Sie nach all dem immer noch Zweifel hegen, dann gönnen Sie sich dieses Video. Es ist sehr gut konzipiert, denn ein grausamer Inhalt wird auf unterhaltsame aber doch höchst informative Art und Weise vermittelt – der Sinn ist klar, wenn wir einen Hund loswerden wollen, her mit den Kauknochen!

Jetzt stellt sich natürlich (der eingangs erwähnte Ochse vor dem Berg) die Gretchenfrage: was soll ich meinem Vierbeiner sonst geben? Es gibt Alternativen, so zum Beispiel natürliche Ersatzprodukte tierischer Herkunft doch auch Kausnacks aus Räuchertofu – hier die Anweisung wie es funktioniert.

Wenn man sich die Zeit nimmt, im Netz zu recherchieren, dann stößt man auf interessantes Input wie hier „Ethik Guide“.

Man findet auch alternative Hersteller, die sogenannte „vegane Kausnacks“ für Hunde herstellen (hier zwei Beispiele, es gibt aber natürlich noch andere Hersteller: hier oder hier).

Es ist aber auch möglich, selbst einiges herzuzaubern, wie die folgenden Seiten beweisen: hier oder hier.

Zusammenfassend – meine restlichen Kauknochen landen sofort in den Mülleimer. Bitte reden Sie mit Bekannten und FreundInnen über diese Angelegenheit, danke. Dass Rinderhaut-Kauknochen unter ärgsten Bedingungen produziert werden, ist schon schlimm genug. Dass wir aber unseren Hunden ihresgleichen zu fressen geben – das ist etwas Grauenhaftes – IAMA

Links zum Artikel

Titelbild: Dog | Foto: Steeleman204 CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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