Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich habe heute einen Nachbarn getroffen, der einen entzückenden Afghanenwelpen hatte. Er und seine Frau besitzen bereits einen erwachsenen Hund dieser Rasse. Deren Züchter hatte aber einen neuen Wurf und sie konnten einfach nicht widerstehen. Dieser kleine Energiebündel ist zweifellos umwerfend schön und niedlich. Doch im selben Moment habe ich zu mir selbst gesagt: „Ahnen Sie, wie viele wunderschöne Welpen es in den zahlreichen Tierheimen in unserer Nähe gibt?“ Es müssen nicht nur aggressive Pitbulls und Amstaffs sein. Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt dort (leider) viele andere Rassehunde. Angefangen von Beagles, Border Collies, Huskies, Doggen, Schäferhunde jeder Art, usw. Meistens haben die Leute ihren Wunsch nach einem niedlichen Welpen für die Kinder erfüllt und dann sitzen sie da, mit einem heranwachsenden Vierbeiner, der jede Menge Aufmerksamkeit benötigt. Und fast zufällig sind diese Welpen zu Weihnachten ins Haus hineingeschneit. Klarerweise sind sie dann im Sommer so ungefähr sechs Monate alt. Vergleichbar mit einem Jugendlichen in seinem besten Alter. So geschieht es halt, dass in manchen Fällen auf der Urlaubs-To-Do-Liste nicht nur steht „Hotel buchen-Auto kontrollieren-Essen kaufen-Medikamentekasten checken“, sondern manchmal – aber immer noch zu oft – „Hund loswerden“. Genau, denn nicht selten hört man, dass ein Waldi oder ein Lumpi zufällig auf einer Autobahnstation vergessen wurde. Oder er wird ganz kalt an der Autobahnplanke festgebunden. Was dann mit ihm passiert, kann man sich ganz leicht vorstellen. Oder aber der Vierbeiner landet angekettet an einem Baum im Wald. Im besten Fall wird er in einem Tierheim abgegeben, für immer. Ich bin heute etwas sentimental drauf, sagen wir so. Daher möchte ich Sie dazu einladen, einen Augenblick Ihre Augen zu schließen, und zu überlegen, wie sich dieses Tier fühlen muss, wenn es im Wald angebunden wird und der Besitzer, der oder die sonst mit ihm Stöckchen-Holen im Wald gespielt hat, geht jetzt plötzlich weg, ohne sich umzudrehen. Das Tier muss völlig durchdrehen. Und dann hat man den Mut zu sagen „Du bist ein falscher Hund“. Wer ist hier falsch? Ich möchte vorwegnehmen, dass es natürlich passieren kann, dass jemand ungeahnt erkrankt und sich plötzlich nicht mehr um den eigenen Vierbeiner kümmern kann. Doch das ist ganz anders, wenn ich meinen Hund loswerden will, weil ich in Urlaub fahre und weil ich es einfach unterschätzt habe, wie groß die Verpflichtung ist.

Gott sei Dank gibt es aber Menschen mit Herz und Verstand. Genau, denn es braucht ein bisschen Grips, um sich vorher zu interessieren, was kommt da auf mich zu. Wenn ich es ganz ordentlich machen will, dann gehe ich mal ein paar Monate lang in ein Tierheim und führe jedes Wochenende – Samstag und Sonntag – jeweils denselben Hund aus. Wenn ich dies bei Hitze, Kälte, Regen und Schnee schaffe, regelmäßig ohne faule Ausreden zu suchen, dann bin ich auf dem guten Weg. Sonst gibt es auch noch eine andere Methode, um zu wissen, ob mir die Gesellschaft eines Vierbeiners zusagt oder nicht. Ich schreibe mich auf einer Dogsitterplattform ein und kann nach Belieben auf die Hunde anderer aufpassen und mich um sie kümmern. Wo ein Wille, da ein Weg wie man so schön sagt.

Doch kehren wir zu unserem verlassenen Hund zurück, der noch immer mitten im Wald sitzt und überzeugt ist, dass sein Frauele oder Herrele zurückkommt. Er wartet und wartet. Und wartet und wartet. Es wird fast dunkel und er wartet noch immer. Er hat Angst, Hunger und Durst, aber das Schlimmste ist die feste Überzeugung, dass sein menschlicher „Freund“ sicher noch kommen wird. Und nein, er hat Glück, denn plötzlich taucht ein anderer Zweibeiner auf. Einer, der wirklich ein Freund ist. Er begleitet ihn in ein Tierheim. Dort ist das Leben natürlich wie Tag und Nacht. Doch es gibt auch Menschen dort, die einen streicheln und gut zureden. Und plötzlich eines Tages, steht da jemand vor meinem Käfig. Er schaut mich an und ich schau ihn an. Normalerweise müsste ich jetzt wie wild springen, damit er auf mich aufmerksam wird. Damit er meint, dass ich voller Leben bin, aber nicht zu viel, dass ich sportlich bin, aber nicht wild. Dass ich einfach der perfekte Hund bin. Aber ich bin müde und mag nicht mehr. Und dann ist da jemand neben ihm, der ihm etwas zu murmelt. Ich verstehe ja diese Sprache nicht, aber ich glaube, sie ihm gerade gesagt „Es ist besser, wir kaufen einen Welpen. Wir haben Kinder, da sind wir eher sicher, was wir uns ins Haus holen“ und weg sind sie. Wieder nichts. Aber nach Wochen, steht dann plötzlich eine Frau vor meinem Zwinger. Sie schaut mir in die Augen. Irgendwie scheint mir, als würde ich sie kennen. Nein, eigentlich nicht, aber es ist auch nicht wichtig, denn diesmal ist es die Richtige. Es geht alles recht schnell. Sie kommt noch mehrere Wochenenden, um mich kennenzulernen und um mich auszuführen. Dann eines Tages steige ich in ihr Auto ein. Wird sie mich auch im Wald irgendwo anbinden? Nein, diesmal nicht.

Dieser Hund hat Glück im Unglück. Die Menschen, die Bedenken haben, wenn sie einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, haben natürlich irgendwo recht. Man kennt nicht immer die Vorgeschichte eines Vierbeiners. Mein Malinois-Deutscher Schäferhund Mischling wurde von den Besitzern in einem winzigen Garten gehalten, 24/7 und die Nachbarn mussten ihm durch ein Rohr die Nahrung zukommen lassen. Dabei hatten die Besitzer anscheinend einen Chihuahua daheim. Einfach pervers. Dementsprechend ist mein Hund jetzt verstört, kennt die Hundesprache nicht, reagiert auf jede Kleinigkeit wie ein Schnellkochtopf und muss erst langsam an vieles gewöhnt werden. Eine Wasserschüssel oder sein Futter, das ist etwas Heiliges für ihn. Klar, denn das hat er nie gekannt.

Es gibt noch viele andere traurige Situationen, aufgrund welcher Hunde adoptiert werden können. Solche, die aus Rumänien, Griechenland oder andere Länder kommen, wo sie als Straßenhunde schrecklich misshandelt werden. Vergiftet, geschlagen, überfahren, um nur einiges zu nennen. Es gibt die Galgos und Podencos aus Spanien. Wenn sie nicht mehr für Rennen zu gebrauchen sind, werden sie meist an Bäumen erhängt. Hier ein Video zum schrecklichen Schicksal der Galgos (es ist hart anzuschauen) und hier ein Beispiel von vielen zu Vereinen, die solche Hunde retten und vermitteln.

Auch die Hunde, die von den Hundefleischfestivals wie Yulin gerettet werden, können zur Adoption frei gegeben werden. Bei einem meiner letzten Artikel habe ich entdeckt, dass in manchen Fällen Labortiere aufgenommen werden können. Sie werden sogar an die Leine gewöhnt usw. Das finde ich zwar immer noch lächerlich in diesem Zusammenhang, aber bitte. Wichtig ist, dass diese Tiere eine Chance haben, ihr „For-ever-home“ zu finden.

Auf dieser Webseite gibt es einen Futterproduzenten, der eindeutig für „Adopt don’t shop“ eintritt. Wie gesagt, es ist eine große Entscheidung, zu adoptieren oder zu kaufen, doch wir haben auf jeden Fall die Pflicht, uns zu informieren, bevor wie das eine oder das andere unternehmen.

Kürzlich habe ich in einer Sendung auf Animal Planet gesehen, dass es in Colorado in den Vereinigten Staaten beispielsweise ein Tierheim gibt, welches Züchterhunde aufnimmt und sie vermittelt. Das sind also jene Hunde aus den sogenannten „Puppy mills“ oder Welpenfabriken. Es heißt „National Mill Dog Rescue“. Dort gibt es Rüden und Hündinnen, welche für die Zucht ausgenutzt werden und „wenn sie nichts mehr taugen“ dann gibt es Züchter, die sie auf diesem Wege loswerden, lieber als dass sie auf grausamere Weise eliminiert werden. Hier ein Video von Animal Voice zum Thema Welpenindustrie (auch nicht gerade angenehm zu schauen).

Bitte lesen Sie sich auch diese Seite des Deutschen Tierschutzbundes durch. Da wird einiges über den illegalen Welpenhandel gesagt. Ja, denn was wie ein niedlicher kleiner Wollknäuel ausschaut, kann kerngesund sein oder aber psychische Störungen haben, da zu früh von der Mutter entnommen oder er kann sogar schwerwiegende Krankheiten in sich tragen. Hier wird vor allem vor dem Ankauf von Welpen im Internet abgeraten und hier Vier Pfoten dazu.

Damit es etwas realistischer klingt, hier ein Erfahrungsbericht von 2021.

Vor knapp einem Jahr stieß sie auf eine Onlineanzeige für einen Hundewelpen -ein süßes Foto: Chico, für 600 Euro. Alles habe seriös gewirkt, sagt Köhler. Nach kurzem Email-Kontakt fand die Übergabe statt: “Das ging schnell. Wir haben das Geld auf den Tisch gelegt und sind gegangen, ohne dass wir Verträge mitbekommen haben”, erinnert sie sich. “Wir haben am selben Tag schon gedacht: Das ist eigentlich nicht so gut. Warum haben wir keinen Vertrag bekommen – oder einen Impfpass?” Doch sie vertraute den Aussagen der Verkäuferin, der Hund sei vorschriftsmäßig geimpft worden. Aber Chico ist mit einem Virus infiziert, das oft bei Zuchthunden aus Osteuropa auftaucht. Einen Tag nach dem Kauf muss Chico eingeschläfert werden. Von der Verkäuferin fehlt jede Spur, nachforschen will Köhler nicht. “Angenommen, da steckt so etwas wie die Hundemafia dahinter… ich weiß nicht, ob man sich mit denen anlegen möchte”, sagt sie.“

Besonders gut finde ich diesen Beitrag, der einige Tipps gibt, wie man einen unseriösen Händler erkennt. Eines der eindeutigsten Zeichen ist „Wenn Sie nicht gefragt werden, wie Ihre Wohnsituation ist, sollten Sie stutzig werden.“ Oder wenn es keinen Mikrochip und keine Papiere gibt – dann Finger weg. Und unterm Strich: je mehr Leute Welpen kaufen, die illegal gezüchtet werden, desto eher boomt das Geschäft. Sie sind dann nicht besser, als diese herzlosen Züchter und Händler, ja genau, denn heutzutage kann niemand sagen, sie oder er wüssten nicht, dass es illegalen Welpenhandel gibt. Das ist schlicht und einfach Augenauswischerei.

Hier zum Schluss eine gute Nachricht „Polizei rettet 20 Hunde aus illegaler Zucht bei Bibertal“. Das ist allerdings ein Artikel aus Juni, also stimmt es wirklich, dass dieser Geschäftszweig blüht.

Was möchte ich Ihnen heute vermitteln? Keinen Hund, keine Angst. Ich möchte Sie einfach dafür sensibilisieren, dass die Anschaffung eines Vierbeiners Freude und schöne Momente bedeutet, aber auch viel Arbeit, Sorgen, Kosten und Zeit. Es ist ein „full package“, man kann nicht nur das Schöne herauspicken. Wenn Sie sich trotzdem dafür entscheiden, dann bitte, gehen Sie zuerst ins Tierheim, in Ihrer Nähe. Wenn Sie dort keinen Hund in Ihr Herz schließen, dann gibt es noch andere Tierheime oder zum Beispiel Adoptionsprogramme für Laborhunde. Ich habe zum Beispiel gesehen, es gibt solche in vielen Städten Deutschlands (sowie München, Berlin, etc.). Hier auch PETA dazu.

Jetzt will ich aber noch andere zwei Punkte anführen, die wohl die wenigsten gern hören. Wenn Sie einen Freund fürs Leben suchen, dann kann es vielleicht auch ein älterer Hund sein, wenn Sie nicht besonders viel Zeit für lange energiereiche Spaziergänge haben. Es stimmt, ein älterer Hund stirbt früher als ein Welpe, aber auch ein Graupelz verdient noch einen schönen Lebensabend. Und ich kann Ihnen versichern, man überlebt den Schmerz, einen älteren Hund nach ein zwei Jahren zu verlieren, gleichzeitig bleibt aber auch die Erinnerung an seinen Blick voller Freude, Dankbarkeit und Liebe.

Und vergessen Sie nicht, dass es auch schwarze Hunde und Katzen gibt. Oje, das bringt Unglück! Nun ja, der liebe Gott hat nun mal auch Vierbeiner mit einem pechschwarzen Fell auf die Welt geschickt. Deshalb müssen sie noch lange kein Unheil bringen. Sie bringen eher genauso viel Liebe und Zuneigung wie alle anderen Vierbeiner.

Daher bitte ich Sie, jetzt ist die Zeit, wo all das aktuell wird. Reden Sie mit Freunden und Familie darüber, vielleicht denkt gerade jemand daran, sich einen Hund oder Katze anzuschaffen – oder einen zu „eliminieren“. Es gibt auch einen anderen Weg, bitte denken Sie daran! – Danke IAMA

Titelbild: Welpen | Foto: Felix Horn CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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