Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich habe einmal gelesen, dass wir viel zu oft negativ behaftete Gedanken hegen. Das kann Hass sein, aber auch Traurigkeit und Resignation über eine Situation, die wir nicht ändern können, Unzufriedenheit und Frust, weil wir Dinge in unserem Leben nicht erhalten, die wir aber unbedingt begehren: Geld, Gesundheit, Glück. Dem sollten wir eher positive Gefühle entgegenhalten – so heißt es dort. Dankbarkeit, für all das, was wir in dem Augenblick haben: ein Dach über den Kopf, die Gesundheit, eine Arbeit, eine glückliche Familie. Das ist der Schlüssel zu einer besseren Welt. Nun, leichter gesagt als getan. Praktisch bedeutet dies, wenn man Krieg besiegen will, dann darf man nicht Gedanken des Hasses auf Krieg und dessen Folgen pflegen, sondern man soll eher positive Gedanken empfinden, Liebe und Mitgefühl. Man soll sich mit anderen Worten eine Welt in Frieden vorstellen und immer dieses Bild vor Augen haben, anstatt an all die Gräueltaten zu denken, die im Krieg geschehen. Das Prinzip ist, dass negative Gedanken diesem „schlechten Etwas“ – Krieg, Krankheit, Gier, etc. – noch mehr Macht verleihen. Gute Vibrationen verstärken das Gegenteil – also unsere erwünschte Situation. Andrerseits hat meine Mutter immer gesagt „Gutes zieht Gutes an, Schlechtes zieht Schlechtes an.“ Das geht eigentlich genau in dieselbe Richtung. Nun, das regt mich sehr stark zum Überlegen an. Denn so einfach ist das nun wirklich nicht. Überhaupt für mich, wenn ich zum Beispiel als IAMA schreibe. IAMA will genau hinterfragen, weshalb es Tieren manchmal nicht gut geht und darüber berichten. Und da gibt es halt eben ziemlich Unangenehmes und auch Erschreckendes. Kann es sein, dass ich eher von Situationen berichten sollte, wo Menschen Vierbeiner retten und gut behandeln, Tiere glücklich und zufrieden leben, etc.?

Nun, ich kann es ja einmal versuchen….

Wissen Sie, bald ist Weihnachten, wir sind eigentlich schon mittendrin in der schönsten und feierlichsten Zeit des Jahres – wenigstens marketingmäßig. Und siehe da, in Kürze werden die Aquarien in den Supermärkten auftauchen, mit den schönen roten Hummern. Delhaize hat mir mündlich bestätigt, dass Hummern nur vor der Feierzeit verkauft werden – das ist doch positiv! Die Hummern haben es dann fein, weil sie immer in Gesellschaft sind. Sobald eine verkauft wird, kommt gleich die nächste ins Aquarium. Alleine bleiben sie also nicht lange. Am Leben auch nicht. Und was soll’s, sie können sogar Weihnachten mitfeiern. Es geht ein wenig heiß zu, denn damit sie so richtig gut schmecken, müssen sie kopfüber ins siedende Wasser getaucht werden. Zum Glück sind sie da noch am Leben, denn sonst könnten sie ja nicht miterleben, wie glücklich sie die Menschen machen, die sie einige Stunden später auf dem Teller haben werden.

Und dann sind da die vielen Geschenke! Herrlich, all die süßen Hunde und Katzen, die unter dem Weihnachtsbaum herumtollen werden. Die meisten kommen – hoffentlich – in gute Hände. Leute, die sich vorher informiert haben und die wissen, dass ein Haustier eine ernst zu nehmende Angelegenheit ist. Eine Angelegenheit, die regelmäßig Gassi gehen will, Futter und Zuneigung braucht, und auch ganz kräftig bellen kann, wenn das Alleinbleiben nicht klappt. Ein paar wenige Hunde haben es dann außerordentlich gut erwischt, weil die Besitzer ihnen dann im Sommer sogar einen eigenen Urlaub organisieren. Meist mitten im Wald, wo sie dann einen Baum ganz für sich haben. Sie können dann dort in Ruhe warten, bis der Besitzer zurückkommt, um sie von ihrem großartigen Urlaub abzuholen. Er hat manchmal ein bisschen Verspätung, etwas viel Verspätung. Manchmal „vergisst“ er sie sogar, aber das ist dann wirklich nur Pech für den Vierbeiner.

Und nicht zu vergessen, eine der allerletzten Moden in Sachen Hund. Die sogenannten „Teetassenhunde“. Mini-Hunde, die nicht mehr als ein Meerschweinchen wiegen. Das Resultat einer Zucht mit winzigen – meist kränklichen – Hunden, damit die Babys möglichst noch kleiner und stofftiermäßig wirken. Wahnsinnig süß diese kleinen Knäuel. Und sie bringen den Züchtern so viel Geld ein! Bis zu 15.000 EUR pro Stück. Manchmal haben sie einen kleinen Wasserkopf und da kann dann das bisschen Wasser auf das Gehirn drücken und kleine (größere) Schäden hinterlassen. Aber das ist nicht so schlimm, denn die kleinen Hunde sind ja nicht konzipiert, um lang zu leben – zum Glück. So, das wäre also unser heutiger Artikel. Klingt der positiv genug, damit er ja viele Leser findet? Ich kann auch noch positiver schreiben.

Es gibt zum Beispiel in Asien viele Aktivisten, die ihr Leben riskieren, um die LKWs mit all den Käfigen aufzuhalten, in denen die Hunde transportiert werden, die später auf den Märkten geschlachtet werden. Diese Menschen setzen das eigene Leben ein, damit diese Vierbeiner ihrem Schicksal entrinnen können: am lebendigen Leib gehäutet, verbrannt, verbrüht zu werden. Doch das ist Teil einer langjährigen Tradition, die viele Einheimische und Touristen anzieht, die viel Geld einbringt. Das ist ein feierlicher Moment (für die Zweibeiner nicht für die Vierbeiner, aber das ist wohl nur ein Detail). Diese Hunde wurden gezüchtet oder aber den Eigentümern ganz einfach auf der Straße gestohlen. Zum Glück können diese Aktivisten Hunde manchmal beschlagnahmen und dann sogar für Adoptionen freigeben. Das ist positiv.

Oder aber die Animals‘ Angels Deutschland, jene Menschen, die sich für eine bessere Behandlung von Tieren beim Transport einsetzen. Die Tatsache, dass Kühe, Pferde, Schweine, Ziegen, Schafe unter weniger schönen Umständen transportiert werden, nun ja, das ist halt einmal so. Was soll’s? Wie sollen sie sonst zum Schlachter gelangen, die Armen. Die können doch nicht so weit laufen. Sie dürfen dafür oft weit reisen. So weit kommen ihre Artgenossen auf den Berghöfen sicher nie in ihrem ganzen Leben. Die Kälber erwischt es da manchmal etwas schlimmer. Ja, denn selbst wenn die LKW-Fahrer regelmäßig halten – spätestens alle acht Stunden laut Gesetz (in Wirklichkeit dürfen sie aber viel länger fahren) – dann können sie oft nicht trinken oder essen, denn sind die Trinkvorrichtungen sind für ausgewachsene Tiere vorgesehen und Kälber sind ja meist noch nicht einmal entwöhnt. Sie suchen die Muttermilch. Sie suchen die Mutter, die aber eventuell schon im Schlachthaus auf sie wartet. Kopfüber an einem Bein baumelnd. Aber das stört ja das Kalb dann eh nicht mehr, denn es kommt halbs ausgehungert und zertrampelt im Schlachtbetrieb an. Und es wird ja dann eh bald geschlachtet. Ein Schuss und es ist alles aus, endlich. Ein Schuss, vielleicht zwei, denn nicht immer ist der erste der richtige, der endgültige. Aber auch das ist nur ein Detail. Man muss positiv bleiben, wichtig ist, dass all das bald zu Ende ist.

So, mir reicht das jetzt. Bei allem positiven Denken, bei allem Sarkasmus. Ich bin der Meinung, dass es effektiv kontraproduktiv ist, wenn man immer nur über Negatives schreibt, wie Tiere misshandelt werden und wie sie leiden. Es gibt so viel gute Menschen, die mit Herz und Seele den Vierbeinern überall auf der Welt helfen wollen. Es gibt auch Augenblicke im Leben, wo ich etwas so Schönes gesehen habe, dass ich einfach all meinen Alltagsstress für einen Moment vergessen konnte: der forschende Blick meines Hundes, wenn es mir gerade einmal nicht so gut geht. Eine kleine winzige knallgrüne Grille, die sich auf meinem Scooter verloren hat. Eine Babyschnecke, die versucht, so schnell wie sie nur kann, die Mauer hinaufzueilen. Ein Schmetterling mit wunderschönen orange-schwarzen Flügeln und einem bezaubernden Muster, der sich direkt vor meinen Füssen auf den Boden niederlässt. Mein Hund, den ich in der Früh mit allen Vieren von sich gestreckt auf dem Rücken liegend in seiner besten Yoga-Position auf dem Sofa finde. All das hat den Effekt einer kalten Dusche für mich, aber im guten Sinne. Denn da wird mir bewusst, die Natur ist wunderschön und sie lässt sich nicht vom Menschen unterkriegen.

Es ist die Magie des Augenblicks, wenn man ich bewusst werden kann, „Hallo, da draußen gibt es noch etwas anderes als Stress, Hast und Unzufriedenheit.“ In diesem Moment bin ich voll und ganz der Überzeugung, dass gute Gedanken viel zu selten sind. Es wäre schön, öfters Menschen zu hören, die Danke sagen, für das, was sie haben. DOCH, und dieses doch ist großgeschrieben, bin ich auch der Meinung, dass manchmal Negatives aufgezeigt werden muss, damit ein kollektives Bewusstsein dafür geschaffen werden kann. Ich will wieder von mir ausgehen. Hätte ich vor ein paar Jahren nicht erschreckende Bilder über das Yulin Hundefleischfestival in China gesehen, dann wäre ich niemals auf die Idee gekommen, als IAMA die Feder in die Hand zu nehmen. Ich bin keine Journalistin, ich habe keine besondere Ausbildung im Artikelschreiben. Ich habe nur einen enormen Wunsch, dass Menschen die Augen öffnen und sich bewusstwerden, was „tiermäßig“ um uns herum abläuft. Und da muss ich halt leider oft auf Unangenehmes hinweisen. Ich selbst entdecke Beitrag nach Beitrag, Dinge, die ich niemals geahnt hätte. Mozzarella di Bufala, das Leder der Autositze, die Herstellung von Kosmetika, etc. Vieles habe ich einfach ignoriert. Jetzt weiß ich aber, und daher will ich nicht mehr zurück.

Das soll mich aber nicht daran hindern, das Bild einer wunderschönen Welt in mir zu tragen, wo Mensch und Tier in Harmonie miteinander leben. Daher ist es für mich auch so wichtig, dass Kinder und Jugendliche zu Respekt und Liebe zum Tier erzogen werden. Daher bin ich der Überzeugung, dass „meine persönliche Wahrheit“ jene ist, wo der goldene Mittelweg zwischen allein positiven Gedanken und realistischen Wahrnehmungen führt. Ich glaube, es braucht beides, denn wenn man nicht weiß, welche Gräueltaten an Tieren vollbracht werden, dann kann man das auch nicht ändern wollen. Und übrigens, wenn Sie die Wahrheit über die Teetassen-Hunde Qualzucht erfahren möchten, hier geht es zum Video (es sind keine erschreckenden Szenen enthalten) und zum entsprechenden Artikel.

„Um deren Miniaturausgaben zu züchten, werden jeweils die kleinsten und schwächsten Tiere eines Wurfs dieser Rassen ausgewählt und gezielt miteinander verpaart. Die aus dieser Paarung resultierenden Nachkommen sind dann besonders klein und leicht. Oft bringen sie nicht einmal 1,5 Kilogramm auf die Waage. (…) «Schon bei der Geburt kann es für das Muttertier zu Schwierigkeiten kommen.» Trotz der kleinen Grösse seien die Köpfe der ungeborenen Welpen oft so rund, dass sie nicht durch den Geburtskanal passen und ein Kaiserschnitt notwendig wird. Unter Umständen überleben Hündin und Welpen die Geburt nicht.

Doch auch danach leiden die Teacup-Hunde weiter: «Die Tiere haben meist ein trauriges Leben», weiss Julika Fitzi, Veterinärin und tierärztliche Beraterin beim Schweizer Tierschutz STS. Die Tiere seien häufig degeneriert und besonders krankheitsanfällig. Gerade die von vielen als niedlich empfundenen Merkmale der Kleinstzüchtungen – ein überproportional grosser und runder Kopf mit grossen, hervorstehenden Augen zum Beispiel – können für die Tiere gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringen.“

Vor allem Instagram spornt nicht nur Erwachsene, sondern vor allem auch Jugendliche an, solche Mode-Accessoires zu kaufen. Diese werden dann einfach per Post rund um die Welt verschickt. Und an dieser Stelle erlauben Sie mir einen kleinen Reminder: Weihnachten – Geschenke – Tiere. Das passt nicht zusammen, außer Sie sind sich wirklich bewusst, welche Bedürfnisse so ein Fellknäuel mit sich bringt. Ein Fellknäuel, das wächst, öfters am Tag Gassi gehen muss und Aufmerksamkeit will. Und übrigens, auch Hummern wollen leben – und nicht lebendig gedämpft oder gekocht werden (siehe Link) – Danke IAMA

Links zum Artikel

Titelbild: privat

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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