Janez Potocnik sieht die größte Herausforderung für eine wirksame Umwelt- und Klimapolitik darin, dass es über die aus wissenschaftlicher Sicht gravierende Gefahrenlage keinen gesellschaftlichen Konsens gibt. Das betonte er in einem Interview mit Alexander Louvet von Powershoots TV Positive Energie in Europe.

Potocnik ist der Co-Vorsitzende des „United Nations International Resource Panel & Partner Systemiq“. Diese UN-Abteilung befasst sich auf globaler Ebene mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Ressourcen und dessen Auswirkungen auf die Umwelt. Konkret geht es um metallische und nicht-metallische Stoffe, und um Land und Wasser.

Das UN International Resource Panel sammelt entsprechende Daten und bereitet sie für politische Entscheidungsträger auf.

Die Ausgangsfrage ist, was passiert, wenn wir so weitermachen im Umgang mit der Umwelt, wie wir es bis jetzt gemacht haben.

Ohne einen tiefgreifenden umwelt- und klimapolitischen Wandel sieht Potocnik schwarz für die Zukunft. Den gegenwärtigen Umgang mit der Umwelt hält er im Blick auf kommende Generationen für unmoralisch und aus ökonomischer Sicht für irrational.

Die Ursachen für dieses unmoralische und ökonomisch irrationale Verhalten sieht Potocnik in falschen Anreizen, die das gegenwärtige Wirtschaftssystem den Konsumenten gibt: Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist Konsum getrieben. Ein Ressourcen schonender Umgang mit der Umwelt wird schlicht nicht belohnt.

Dass diese Entwicklung so schwer zu korrigieren ist, sieht er darin begründet, dass politische Entscheidungsträger nur in sehr kurzen Zeiträumen denken und langfristige Entwicklungen ausblenden.

Angesichts der dramatischen Umweltzerstörungen durch den Menschen hält Potocnik es für wahrscheinlich, dass umweltbedingte Konflikte erheblich zunehmen in der Zukunft. Um dieses Konfliktpotential steuern zu können, hält er eine verstärkte politische Kooperation auf globaler Ebene für unbedingt nötig. In einer so vernetzten Welt wie der unsrigen ist Kooperation das Gebot der Stunde, so Potocnik. Als Modell einer auf zivile und friedliche Konfliktlösung ausgelegten Politik sieht er die Europäischen Union. Sowohl in ihren guten wie in ihren schlechten Seiten zeigt die EU, so Potocnik, wie eine politische Kooperation auf globaler Ebene gelingen könnte.

Janez Potocnik wurde 1958 in Kropa / Slowenien geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ljubljana. Nach seiner Promotion in Wirtschaftswissenschaften arbeitete er von 1993 bis 2001 am Institut für makroökonomische Analyse und Entwicklung in Ljubljana. 1998 wurde er zudem Chefunterhändler Sloweniens für die Beitrittsverhandlungen mit der EU. Von 2002 bis 2004 war er Europaminister Sloweniens. Mit dem Beitritt Sloweniens zur EU im Jahr 2004 wurde Potocnik EU-Kommissar für EU-Erweiterung. Diese Funktion teilte er bis zur Neuzusammensetzung der Kommission im November 2004 mit dem bereits seit einigen Jahren für dieses Ressort zuständigen EU-Kommissar Günter Verheugen. In der neuen Kommission (Barroso I) war er für Wissenschafts- und Forschungspolitik zuständig. In er EU-Kommission Barroso II (2009 bis 2014) war er dann verantwortlich für Umweltfragen.

Nach seinem Ausscheiden aus der EU-Kommission wurde Potocnik Co-Vorsitzender des United Nations International Resource Panel.

Seine politische Heimat ist die Liberaldemokratie Sloweniens.

Zum Interview bitte hier klicken oder auf das folgende Bild. Das Interview wurde in englischer Sprache geführt.

Titelbild / Foto: © Alexander Louvet

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