Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich möchte mich in dieser schwierigen Zeit, die gleichzeitig mit der vorösterlichen Zeit zusammenfällt, mit einer heiklen Frage auseinandersetzen: Haben Tiere eine Seele? Rechte? Gewissen? Bewusstsein? Würde? Oder gar Gefühle?

Ich verlange nicht, DIE Antwort darauf zu geben, denn es ist m.E. rechtlich noch nicht ausreichend geklärt und aus menschlicher Sicht, liegt das bei jedem selbst, ob sie/er dies mit ja oder nein oder „ich weiß nicht“ – oder eher „ich will es nicht wissen“ beantwortet. Aber es lohnt sich, einen Blick hinter dem allen zu werfen. Begleiten Sie mich doch auf diese faszinierende Reise …

Das Christentum geht von der Unsterblichkeit des Menschen aus. Oft ist damit die Vorstellung verknüpft, dass im Sterben die Seele den Körper verlässt und zu Gott auffährt. Werden am Ende der Zeiten die Toten von Gott auferweckt, sind Seelen und Körper wieder vereint.

Wenn Tiere ähnlich wie die Menschen eine unsterbliche Seele hätten, könnten auch sie einen hohen Rang in der religiösen Werteordnung beanspruchen und damit letztlich besonderen Respekt. Es lohnt sich also nachzufragen, was religiös unter der Seele zu verstehen ist. Hier z.B. bei Evangelisch.de.

Weiters: Aus dem Hinweis in der Bibel, dass am Ende der Zeit die ganze Schöpfung verwandelt werde, schließen manche, dass auch Tiere ein künftiges Leben haben werden, wie auch immer man es sich vorstellen darf. Wichtig für Juden und Christen ist allemal: Tiere sind keine beliebigen Sachen. Sie stehen als Geschöpfe Gottes den Menschen besonders nahe. Allerdings haben die Menschen Verfügungsgewalt über sie. Sie nutzen sie zur Nahrung und als Opfertiere.

Dafür berufen sie sich auf Gottes Auftrag (1. Buch Mose, Kapitel 1, Vers 28): “Macht euch die Erde untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.”

Dies war mir ehrlich gesagt bisher nicht so bewusst. Es ist aber sehr wichtig zu verstehen, dass „sich Untertan machen“ nicht gleichzusetzen ist mit Foltern, Misshandeln, Demütigen. Der Mensch geht heutzutage viel zu weit. Das ist das Problem. Gewinn und Wirtschaftlichkeit sind die wichtigsten Kriterien, nach denen alles laufen muss. Dabei hat Respekt im Umgang und beim Ausnutzen der Tiere leider nur in den seltensten Fällen einen Platz.

Dieser Artikel auf VICE ist beeindruckend: Es werden verschiedene Angestellte eines Schlachthauses in Australien interviewt und insbesondere gefragt, ob sie meinen, Tiere hätten eine Seele. Die meisten antworten NEIN. Es ist ihnen allerdings bewusst, dass die zu schlachtenden Tiere Angst und Panik vor dem Tod haben und dass sie sehr leiden. Den Angestellten wird das klar, wenn sie „ihnen in die Augen schauen“. Doch trotzdem: Tiere haben keine Seele. Viele der Angestellten wollen wahrscheinlich gar nicht glauben, dass dies zutreffen könnte, denn dann hätte das, was sie tagtäglich tun – Umbringen – einen ganz anderen Stellenwert.

Ganz im Gegensatz dazu diese Aussage: Laut der Bibel haben Tiere sehr wohl eine Seele. Allerdings waren frühe Theologen wie Augustinus oder Thomas von Aquin, die sehr vom Leib-Seele-Dualismus geprägt waren, der Meinung, dass die Tierseele im Unterschied zur Menschenseele mit dem Tod zugrunde geht. (Mehr dazu hier.)

Es handelt sich effektiv um eine sehr komplexe Frage, die sehr weit zurück in die Geschichte geht, aber auch mit Blick auf die heutige Realität zu sehen ist. Denn, das was vor Tausenden von Jahren galt, kann heutzutage nicht mehr als Kriterium gelten, um diese Frage zu beantworten. Wenn man in der Bibel davon sprach, der Mensch müsse sich u.a. die Tiere untertan machen, dann muss man sich auch vor Augen halten, dass dies aus einem Zeitalter stammt, als der Mensch vor allem Großraubtieren zahlenmäßig und überlebenstechnisch nicht gewachsen war. Heutzutage ist das aber total anders.

Für die Denker der Aufklärung war das Herrschaftsverhältnis Mensch-Tier noch recht eindeutig: Descartes verstand Tiere als seelenlose Automaten, und für Immanuel Kant hatten Menschen eine Würde, Tiere jedoch nur einen Wert. Diesem Standpunkt wiederum folgte die Theologie.

Doch in den letzten Jahren ist diese Überzeugung immer mehr in Frage gestellt worden. Einen aktuellen Höhepunkt fand diese Diskussion in der Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato Si‘“ durch Papst Franziskus im Jahr 2015. Darin beschreibt er Tiere als eigenständige Wesen, die nicht nur für den Menschen da seien, sondern einen Eigenwert besitzen. Franziskus spricht sogar von einer „Familie“, welcher sowohl der Mensch als auch die Tiere angehören. Der Mensch habe eine besondere Verantwortung für den Umgang mit der nicht-menschlichen Schöpfung. (Mehr dazu hier.)

Besonders interessant finde ich diesen Artikel, der auf die Problematik Menschenliebe gegenüber Tierliebe eingeht:

Papst Franziskus betont, dass die Liebe sich nicht aufteilen lässt und dass sich das Engagement sowohl auf das Leiden der Menschen als auch auf das der Tiere bezieht. In Nummer 92 von «Laudato si» schreibt er: «Wenn das Herz wirklich offen ist für eine universale Gemeinschaft, dann ist nichts und niemand aus dieser Geschwisterlichkeit ausgeschlossen. Folglich ist es auch wahr, dass die Gleichgültigkeit oder die Grausamkeit gegenüber den anderen Geschöpfen dieser Welt sich letztlich immer irgendwie auf die Weise übertragen, wie wir die anderen Menschen behandeln.

Wie gehen wir aber heutzutage wirklich mit Tieren um? Und wie gehen wir erst recht mit der Natur insgesamt um?

Ein weiterer Passus dieses Artikels gefällt mir auch besonders gut, da er all das so kristallklar in Frage stellt:

Immer wieder kommt der Papst auf den Eigenwert der Geschöpfe zu sprechen. Nach ihm sind es vor allem zwei Aspekte, die die Geschöpfe prägen und die der Gläubige zu beachten hat:

Der kultische Aspekt: Jedes Geschöpf feiert auf seine Weise das Geheimnis Gottes. Es bringt Gott allein durch sein Dasein Anerkennung und Dankbarkeit, Lob und Anbetung entgegen.

Der Aspekt der Verkündigung: Jedes Geschöpf verkündet uns etwas, hat uns etwas von Gott zu sagen, erzählt uns die Geschichte von Gottes Liebe in seiner Schöpfung.

Allein schon aus diesem Grund muss der gläubige Mensch dafür sorgen, dass jedes Geschöpf seinen doppelten Daseinszweck erfüllen kann. Er darf nicht willkürlich mit den Steinen, den Wäldern, den Tieren und den Menschen umgehen.

Wie kann es überhaupt zu Tiermisshandlung kommen, wenn man solche Glaubensbekenntnisse in sich trägt?

Vielleicht müssten gewisse Dinge etwas direkter angesprochen werden? Wenn aus höchster Stelle gesagt würde, dass es nicht dem Willen Gottes entsprechen kann, dass man beispielsweise Robbenbabies den Schädel einschlägt, dass man Delphine massakriert, dass man Zirkustiere demütigt, damit sie alberne Nummern aufführen, dass man männliche Küken zermalmt, da sie unrentabel sind, dass man Affen-Mäuse-Hunde-Hasen und viele andere Tiere absichtlich leiden lässt und oft bei lebendigem Leibe foltert, um Kosmetika und Medizinen zu testen, dass man aus religiösen Gründen Hunde am lebendigen Leib verbrennt, damit durch Angst und Schmerz deren Fleisch schmackhafter wird, dass man Tiger, Nashörner, Esel und viele andere Tiere umbringt, um deren Körperteile für medizinische Zwecke zu verwenden, die nicht nachgewiesen sind, …

Wenn all das und noch direkter angesprochen würde, dann könnte das bei vielen Menschen etwas bewegen, selbst wenn damit wirtschaftliche Interessen betroffen würden.

In diesem Zusammenhang eine interessante Herausforderung an den Papst seitens der Kampagne „Million Dollar Vegan“ aus dem Monat März 2019.

Haben Tiere eine Seele? Überlegen wir doch, was im Steinzeitalter geschah: die Menschen jagten und erlegten Tiere. Doch im Gegensatz zu heute, haben sie dem toten Tier gedankt, dass sie es erlegen durften, sie haben ihm gesagt, dass es notwendig sei, um zu überleben und sie baten das Große Alles, auf dass die Seele des Tieres ihren weiteren Weg in Ruhe finde. Sie verehrten die Seelen verschiedener Tiere wie Bär, Mammut und Säbelzahntiger. Die Schamanen in den vergangenen Zeitaltern, aber auch heute noch, hatten und haben eine ganz besondere Verbindung zu Tieren.

Pascal Voggenhuber, ein bekanntes Medium, stellt in diesem Video einige beachtliche Überlegungen an.

So meint er unter anderem, dass Menschen und Tiere in denselben Ort kommen, wenn sie einmal verstorben sind. Auch sind meistens die Haustiere dabei, wenn man mit verstorbenen Menschen Kontakt aufnimmt. Der springende Punkt ist dabei, dass man einen Bezug zu diesen Tieren hat. Nun, manch ein Leser, manch eine Leserin kann nun behaupten: mit Verstorbenen reden ist doch Unsinn. Einmal gestorben, ist man tot und nach dem Tod gibt es nichts. Was soll da für ein Bezug sein?

Persönlich glaube ich an dem Leben nach dem Tod und daher wundert mich diese Aussage von Voggenhuber überhaupt nicht. Ich kann auch behaupten, ich freue mich, wenn ich einmal „eine Hausnummer“ weiter geschaut haben werde, meine Vierbeiner wieder zu sehen. Klarerweise ist das aber eine sehr persönliche Einstellung und jeder hat das Recht, das zu glauben und zu empfinden, was er für richtig hält. Ich stelle mir eigentlich nicht einmal mehr die Frage, ob das korrekt ist oder nicht, denn ich spüre in mir, dass es so ist.

Was mich bei all dem aber sehr stark interessiert, ist die Tatsache, dass es einen Bezug zum Tier braucht, um sich an deren Schicksal und Wohlergehen zu interessieren und um sich dafür einzusetzen. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen heutzutage einfach ohne jegliche Überlegung und vor allem ohne sich zu fragen, was dahintersteckt, im Supermarkt zur Packung Fleisch oder Fisch greifen. Wenn man den Joghurtbecher sieht oder die Eierschachtel, dann denkt man in den meisten Fällen gar nicht daran, dass das zu einem Tier gehört hat. Dass dieses Tier gelitten hat, damit wir einen „Teil“ davon kaufen und dann konsumieren können. Das ist ganz besonders ersichtlich, wenn es um Kinder geht. Ein Kind wird wohl kaum die Verbindung zwischen einem Würstchen und einem (gefolterten) Schwein oder Kalb herstellen.

Viele Kinder wissen nicht einmal, dass ein Stück Fleisch oder ein Fisch ein lebendiges Wesen (gewesen) ist oder noch schlimmer, dass Milch von Kühen (lebendigen Kühen) stammt – in vielen Fällen sehen sie einfach ein Lebensmittel, eine Sache. Mit dem jetzigen Bewusstsein muss ich gestehen, dass ich meinen Eltern dankbar gewesen wäre, wenn sie mir viel früher gesagt hätten, was da beim Metzger eigentlich wirklich vor mir lag. Aber sie selber wollten das wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Meistens wollen Eltern nur, dass die Kinder etwas „Gescheites“ zu essen haben, damit sie groß und gesund werden. Es kann Eltern auch gar nicht übelgenommen werden, denn sie wollen nur das Beste für ihre Kinder.

Ich finde allerdings, es wäre ein enormer Reichtum, wenn man schon als Kind den Respekt für Tiere lernen dürfte. Daher bin ich umso eher überzeugt, dass man in Schulen, je früher desto besser, Lerneinheiten zu Tierwohl einführen müsste. Es gibt eigentlich schon sehr viel Material für Lehrpersonen im Internet und besonders in deutscher Sprache. Hier ein Beispiel dazu.

Ich bin überzeugt, dass die Angestellten im Schlachthaus aus diesem Grunde meinten, Kühe, Kälber, Schweine, Pferde und andere Tiere hätten keine Seele – eben weil sie keinen Bezug dazu haben. In dem Moment nämlich, wo sie einen Bezug herstellen, beginnt das Problem. Wenn es nicht mehr nur Waren sind, sondern Tiere oder schlimmer: wenn es Kühe und Schweine sind, und wenn es das EINE Kalb ist, das in dem bestimmten Augenblick voller Angst vor Schmerz und Tod in meine Augen schaut, wenn ich dabei bin, ihm die Kugel zu geben, dann stellt sich wahrscheinlich für einige dieser Angestellten eine Gewissensfrage.

Das Problem mit dem Bezug, stellt sich aber auch wenn man beispielsweise ein Tier aufliest. Man will sofort den Eigentümer finden, damit es nicht länger bei uns daheimbleibt. Der Grund: je länger man mit dem Tier zu hat, desto mehr wächst die Beziehung und man riskiert, es lieb zu gewinnen. Müsste man die Kuh, das Pferd, das Schwein, das Huhn, aber noch schlimmer, das Kalb und das Lamm selbst umbringen, ihnen die Kehle aufschneiden, damit das Blut rausfließt (N.B. das hat einen religiösen Ursprung, da man glaubt/e, das Blut sei der Sitz des Lebens und der Seele, die man nicht verzehren durfte), sie an einem Bein aufhängen, sie noch zappeln sehen, ihnen die Haut runterreißen, sie in Stücke hacken – um zu unser Steak zu kommen, wäre es dann noch so appetitlich? Für viele wahrscheinlich schon, für andere eher weniger, für einzelne wäre das wohl unvorstellbar.

An dem Punkt ist es unvermeidlich auch die Sichtweise von Tieraktivisten wiederzugeben. Auch auf EU-Ebene handelt es sich dabei um ein sehr verzwicktes Thema. Hier ein interessanter Artikel dazu vom Verbund gegen Tierversuche.

Diese Aussage insbesondere ist sehr hart „Im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union heißt es in Artikel 13: „Bei der Festlegung und Durchführung der Politik der Union in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Binnenmarkt, Forschung, technologische Entwicklung und Raumfahrt tragen die Union und die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang Rechnung; sie berücksichtigen hierbei die Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Gepflogenheiten der Mitgliedstaaten insbesondere in Bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das regionale Erbe.“ (Art. 13 AEUV)“

N.B. Gerade solche Passagen öffnen grausamen Praktiken die Türen. Dies zeigt sich beispielsweise bei Produkten wie Gänsestopfleber, wo aufgrund einer europäischen Regelung festgelegt wird, dass die Leber ein Mindestgewicht von X haben muss, um als Stopfleber verkauft zu werden. Klarerweise sind Produzenten daran interessiert, so schnell und so wirtschaftlich wie möglich dieses Gewicht zu erreichen, um Profit rauszuschlagen. Daher der Einsatz von Vereinigungen wie GAIA, um solche Regelungen zu ändern.

Das bedeutet, dass dieser moralische Anspruch allen EU-Rechtsvorschriften zugrunde liegen sollte. Doch dass die Nennung der Tiere in Gesetzestexten nicht automatisch dazu führt, dass sie tatsächlich besser geschützt werden, wissen wir aus leidvoller Erfahrung mit dem Tierschutz im (deutschen) Grundgesetz. Obwohl der Tierschutz seit fast 17 Jahren Staatsziel ist, hat sich in der Praxis für die Tiere so gut wie nichts geändert.

Donald M. Broom, Biologe an der Cambridge University und Autor einer Studie, kam zu dem (unangenehmen) Schluss, dass die EU-Tierschutzpolitik und -gesetzgebung einen großen positiven Einfluss auf Tiere und die Biodiversität weltweit hat. Hier der Link dazu.

Allerdings fordern laut einem Spezial-Eurobarometer vom März 2016 die EU-BürgerInnen eindeutig viel mehr Tierschutz. Konkret wird aber derzeit den industriellen, allgemein wirtschaftlichen Interessen Vorrang gegeben. Um aber sicherzustellen, dass dem Verlangen nach mehr Tierschutz dennoch Rechnung getragen wird, gibt es auf Ebene des Europäischen Parlamentes eine sogenannte „Intergruppe für Tierwohl“ (Animal Welfare Group), die in Zusammenarbeit mit Eurogroup for Animals viele heikle Themen in Angriff nimmt.

Die Frage ist allerdings, ob dabei konkret etwas erreicht wird.

Ein einziges Beispiel, wo enorm viel Nachholbedarf besteht: der Transport von Lebendvieh. Denken wir nur einen Augenblick daran, was ein Kalb, ein Schwein oder eine Kuh mitmachen muss, wenn sie ohne Futter und Wasser hunderte von Kilometer zusammengepfercht mit anderen herum transportiert wird. Nein, wir können uns das nicht vorstellen! Sie tun uns zwar leid, aber was letztendlich wirklich zählt, ist dass wir pünktlich und zu möglichst niedrigen Kosten ein zartes Stück Fleisch im Teller haben! Machen wir doch endlich unsere Augen und unser Herz auf!

Ich möchte mit einer positiven Note beenden und zwar, mit einem Artikel, der kürzlich in einer belgischen Zeitung erschien.

Die Hauptaussage dabei ist, dass Tiere nicht mehr als „Sachen“ gelten, sondern eine dritte Kategorie neben Menschen und Sachen im Zivilgesetzbuch sind. Gaia ist bestrebt, dies auch in der Verfassung verankern zu lassen, so wie es bereits in Slowenien, Luxemburg und Deutschland der Fall ist.

Wie schaut das zum Beispiel konkret in Deutschland aus? Im Jahr 1990 wurde das Gesetz zur Verbesserung der Rechtsstellung des Tieres im bürgerlichen Recht (BGBl. I S. 1762) erlassen. Der durch dieses Gesetz neu eingefügte § 90a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) bestimmt, dass Tiere keine Sachen sind und durch besondere Gesetze geschützt werden. Diese Vorschrift bringt zum Ausdruck, dass der Mensch gegenüber den Tieren wegen deren Fähigkeit, Schmerz und Leid zu empfinden, zu Schutz und Fürsorge verpflichtet ist. Allerdings erhalten Tiere keine wirklich herausragende Rechtsstellung. Soweit nichts anderes bestimmt ist, sind im Bürgerlichen Recht die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend auch für Tiere anzuwenden (§ 90a Satz 3 BGB). (Mehr dazu hier.)

Dies sollten nur einige Überlegungen gewesen sein, um zu verstehen, ob Tiere eine Seele, Rechte, ein Gewissen oder sogar eine Würde haben. P.S.: Vielleicht sollten wir uns eher fragen, ob bestimmte Menschen, die Tiere misshandeln, ein Gewissen haben.

Der Weg ist noch sehr weit und er geht steil bergauf, doch es bewegt sich etwas. Viele Menschen haben das schon miterlebt, dass ihnen ein Haustier sehr ans Herz gewachsen ist, nahezu ein Teil von ihnen geworden ist. Nur, weil ein Tier aber nicht mit uns lebt, heißt das noch lange nicht, dass es weniger Recht auf Leben und respektvollen Umgang hat. Lasst uns Empathie und Mitleid entwickeln, dann werden wir endlich soweit sein, dass wir uns im Supermarkt nicht nur fragen werden „ist dieses Filet nicht zu fett“? oder „muss Biofleisch eigentlich so teuer sein“? Sondern eher „wie ist dieses Stück Fleisch hierhergekommen?“ – „Was hat dieses Tier vorher mitmachen müssen?“

IAMA – I wanna know what’s behind

Eventuell zum Lesen: Rüdiger Dahlken

Titelbild: Tierrechte / animal rights| Foto: Masha Krasnova-Shabaeva CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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