Auch in diesem Jahr veranstaltet die Zeit-Stiftung ein EuropaCamp. Wie schon im letzten Jahr findet das EuropaCamp in der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg, und zwar am 26. und 27. April.

Was Interessent*innen dort erwartet, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Zeit-Stiftung Prof. Dr. Michael Göring im Interview mit Europa.blog.

Europa.blog: Herr Prof. Göring, schon im letzten Jahr gab es ein EuropaCamp der Zeitstiftung. Worin unterscheidet sich das EuropaCamp am 26. und 27. April 2019 von dem des letzten Jahres?

Michael Göring: Mehr Interaktion, mehr Workshops, mehr Kommunikation mit unseren Gästen – und das alles in lockerer Atmosphäre, mit Künstlern und Wissenschaftlern, mit Politikern und vielen freundlichen Menschen.

Europa.blog: Das EuropaCamp findet einen Monat vor der Europawahl statt. Was ist Ihr wichtigstes Anliegen im Blick auf die Europawahl, die manche als schicksalshaft für die Europäische Union einstufen?

Michael Göring: Ich hoffe auf eine starke Wahlbeteiligung und auf ein deutliches Signal der Wählerinnen und Wähler für eine Bekräftigung der Demokratie.

Europa.blog: Wie spiegelt sich dieses Anliegen im Programm des EuropaCamps wider?

Michael Göring: Jeder ist aufgerufen, sich für ein liberales, demokratisches, rechtsstaatliches Europa einzusetzen.

Europa.blog: Das EuropaCamp steht unter dem Motto „React. Act. Democracy!“ Was verbinden Sie mit diesem Motto?

Michael Göring: Zeigen wir eine Reaktion auf autokratische Bestrebungen in einigen Ländern und bei einigen Parteien Europas. Handeln wir, stehen wir ein für unsere Überzeugungen, zeigen wir Verantwortung für unser Land und für unsere europäische Länder­vereinigung.

Europa.blog: Ulrike Guérot, Robert Menasse und Milo Rau haben am 10. November letzten Jahren zusammen mit vielen Bürgerinnen an weit über 100 Orten in Europa symbolisch eine Europäische Republik ausgerufen. Wie stehen Sie zu dieser Idee und spielt diese Idee eine Rolle auf dem diesjährigen EuropaCamp, wird sie dort einen Nachhall haben?

Michael Göring: Ich bin zu sehr Pragmatiker, als dass ich von solchen symbolischen Appellen allzu angetan sein könnte. Mich interessiert eher, wie jedes Mitgliedsland dazu gebracht werden kann, seine nationale und internationale Verantwortung vor den Bürgern wahrzunehmen und auf diese Weise ein wirtschaftlich und politisch starkes Europa zu schaffen.

Europa.blog: Die Europäische Union erfährt allerdings nicht nur Zustimmung, sondern auch lautstarke Kritik – bis hin zum Austritt Großbritanniens aus der EU aufgrund eines Referendums. Manche Kritik ist populistisch und entbehrt jeder Sachgrundlage. Doch es gibt auch begründete Kritik an der EU. Manchen geht die Idee einer Europäischen Republik schlicht zu weit; sie wollen lieber einen Staatenbund, der möglichst wenig Kompetenzen und möglichst wenig Souveränität auf die EU-Ebene verlagert. Welchen Raum bekommt eine kritische Auseinandersetzung mit der EU auf dem EuropaCamp?

Michael Göring: Ich hoffe sehr auf ein diskussionsfreudiges Publikum! Europa ist nicht mit reinem Idealismus gedient, Subsidiarität ist ein wichtiges Element für Europa, kein Staat darf aus seiner Verantwortung für sich und für die Gemeinschaft entlassen werden. Aus meiner Sicht geht es nicht ohne ein weitestgehend geeintes Europa, das aber einer pragmatischen Grundlage bedarf, die auf Zustimmung, möglichst auf Begeisterung stößt.

Europa.blog: Abschließend eine eher praktische Frage: Wen sprechen Sie mit dem EuropaCamp an und was erwartet die Teilnehmenden, wie können sie sich einbringen?

Michael Göring: Wir möchten in der ZEIT-Stiftung alle Bürgerinnen und Bürger ansprechen, junge wie alte, politisch erfahrene wie diejenigen, die mit noch wenig Erfahrung Antworten suchen auf die vielfältigen Probleme Europas. Wir möchten ebenso zeigen, was Europa ausmacht, was es so attraktiv macht, was wir Europäer bereits erreicht haben, welche Werte uns leiten.

Auch wer mit großer Skepsis auf Europa schaut, möge sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und seine / ihre Skepsis kundzutun. Und natürlich hoffe ich, dass unser EuropaCamp als Aufruf verstanden wird, am Sonntag, 26. Mai 2019, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

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