Beitrag von Vesna Caminades

Eigentlich wollte ich heute über die Plastiktrinkrohre schreiben. Als ich mir aber überlegt habe, womit ich beginne und wohin der Artikel schließlich führen soll, da bin ich mir bewusst geworden, dass der Plastiktrinkhalm eigentlich nur die Spitze vom Eisberg darstellt. Trotzdem möchte ich mit  diesen nützlichen und gleichzeitig gefährlichen kleinen Dingern starten.

Der erste Trinkhalm wurde in einem sumerischen Grab gefunden und man schätzt, dass er aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammt. Damals wurde damit Bier getrunken. 1888 wurde das moderne Trinkrohr in der heute bekannten Form patentiert. Ab 2021 soll in der EU der Gebrauch von Einwegplastik (u.a. Teller, Trinkhalme, Besteck, Wattestäbchen) definitiv verboten werden. Die entsprechende Richtlinie muss allerdings zunächst in allen Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Ist das aber wirklich die Lösung des Problems?

Vogel mit Plastik | Foto: Ars Electronica CC BY-NC-ND 2.0

Welchen Problems? Nun, Bilder aus dem Internet dürften mehr als 1000 Worte sagen. Unsere Meere und Küsten sind leider überfüllt mit weggeworfenem Plastik, welches sich nicht natürlich zersetzt. Es verfällt teilweise und nach sehr langer Zeit in Microplastikteilchen. Diese legen sich einerseits auf dem Gewässergrund ab, teilweise werden sie schlicht und einfach von Meeresbewohnern wie Fische, Delphine, Schildkröten, Wale, Seehunde, Pinguine verschluckt. Diese Tiere verschlingen leider nicht selten auch ganze Plastiksäcke oder größere Plastikteile und verenden in der Folge unter qualvollen Schmerzen. Beim Fischkonsum können wir immer öfters vom Prinzip „Zahl 1 nimm 2“ ausgehen: wir zahlen für einen Fisch, der aber bereits gefüllt ist – nicht mit Kräutern und Gemüse, sondern mit Plastik … Was wie ein Scherz klingt, soll kein Witz sein.

Trinkrohre sind nur ein Teil des Phänomens. Wir verwenden in Wirklichkeit enorm viel Plastik für Verpackungen; überlegen wir nur einmal kurz, was wir alles abgepackt kaufen: vorgeschnittenes Gemüse, Obst manchmal sogar in Einzelportionen, Fisch und Fleisch, Mehrfachpackungen von z.B. Papiertaschentüchern, Leckerlis für Hunde, Watte und vieles mehr.

Nicht alles wäre notwendig. Es gibt mehr und mehr Geschäfte, aber auch Supermärkte, wo es möglich ist, Unverpacktes zu kaufen: Obst, Gemüse, Nudeln, Nüsse, Müsli, Flüssigseife, etc.

Für uns Erwachsene kann dies eine schwerfällige Umstellung erfordern. Stellen wir uns aber nur vor, wie einfach das für unsere Kinder sein wird, die mit diesem System aufwachsen – wenn sie zum Glück Eltern zu haben, die weitsichtig genug sind und voraus denken.

Einige Zahlen und Fakten: in Europa stieg die Produktion von Kunststoff von 1,5 Millionen Tonnen 1950 auf 322 Millionen Tonnen 2015 (das 200fache ca.). Dabei wird nur 1/3 des Plastikabfalls recycelt. Hier ist eine sehr interessante Infographik (Quelle: Europäisches Parlament mit Bezug auf Eurostat), welche erklärt, dass 40% des Kunststoffs für Verpackungen verwendet wird (!) und dass ca. 30% des Abfalls auf Mülldeponien landet.

Welch großen Einfluss könn(t)en wir Konsumenten haben, wenn wir aktiv auf Verpackungen verzichten würden … Das wäre ein enormer Unterschied für unseren Planeten. Wie? Ganz einfach, beginnen wir bereits Obst, Gemüse, Nudeln, Reis, Getreide und Müsli unverpackt, also in Netzsäckchen oder in wieder verwendbaren Behältern zu kaufen. Das wäre schon ein enormer Fortschritt.

Turtle | Foto: Noor Daghistani CC BY-NC-ND 4.0

Nun bleiben aber unsere Plastiktrinkhalme … Laut National Geographic werden in den USA täglich etwa 500 Millionen Strohhalme verwendet. In Europa sind es laut Greenpeace jährlich 36,5 Millionen – Spanien ist dabei Spitzenreiter. Jährlich landen 8,3 Millionen Trinkhalme auf den Stränden rund um die Welt. Anders ausgedrückt: wenn man die jährliche Menge an Strohhalmen der EU aneinander reihen würde, dann könnte man zehn Mal zum Mond hin und zurück.

Großstädte beginnen den Gebrauch von Plastikhalmen zu verbieten, Unternehmen wie Starbucks und McDonald’s planen, die Verwendung weltweit einzustellen.

Es stimmt, dass in Hinsicht auf das EU-weite Verbot, welches in Kürze herrschen wird, Hersteller massiv Alternativen auf den Markt gebracht haben. Hier einige im Vergleich:

1. Mehrweg-Plastikhalme: + wieder verwendbar/ – Lebensmittel wie Tee oder fettige Smoothies hinterlassen Ablagerungen

2. Papierhalme: + biologisch abbaubar, relativ günstig, müssen aber gefärbt werden / – weichen relativ schnell auf, der Drink riskiert pappig zu schmecken, nicht wiederverwendbar

3. Glashalme: + leicht zu reinigen und geschmacksneutral / – Gefahr des Zersplitterns

4. Metallhalme: + gehen nicht kaputt, spülmaschinenfest, auch für heiße Getränke verwendbar / – vielleicht macht sich ein metallischer Geschmack bemerkbar

5. Silikonrohre: müssen ohne Bisphenol A sein, um gesundheitlich verträglich zu sein + strapazierfähig / – nicht recycelbar, eventuell ein gummiartiger Beigeschmack

6. Bambus-Strohhalme: + schön, antibakteriell, stabil und umweltfreundlich / – nichs für die Spülmaschine, riskieren zum Einweg-Trinkrohr zu werden, hölzerner Beigeschmack, Achtung auf den ökologischen Fussabdruck

7. Stroh-Trinkhalme: Einmalgebrauch, aus Weizen oder Roggen, abbaubar, nachhaltig aber nicht wieder verwendbar, eher für dünnflüssige Getränke

8. Die innovative Erfindung! Makkaroni-Trinkrohre: ja, die Nudeln eignen sich gut, um kalte Getränke zu genießen, bei heißen Getränken riskiert man einen Nudelauflauf zu haben

Diese kurze Liste sollte Alternativen aufzeigen. Die wahre Absicht ist allerdings eine andere, ich glaube, es ist auf Anhieb klar, dass die beste Lösung für die Plastikhalmproblematik „Verzicht“ heißt. Konkret: wenn man nicht eine Person mit gesundheitlichen Beschwerden ist, die nicht trinken kann, braucht man dann wirklich einen Strohhalm? Ich traue mich zu behaupten, es ist ein Kapriz.

Und hiermit möchte ich auf den Punkt kommen: wir Konsumenten haben die Macht, den Markt, die Produzenten und den Handel zu beeinflussen. Dies gilt sowohl für Fragen wie jene zum Kunststoff, wie auch für Alternativen zu Produkten tierischen Ursprungs.

Einige Erfahrungen aus meinem Alltag: Ich suchte ein Produkt, um mich abzuschminken, welches nicht an Tieren getestet wurde. Zunächst meinte die Verkäuferin, sie hätten so etwas nicht. Nach längerem Suchen hat sie bei einer Produktlinie nachgeschaut, die nicht bei den üblichen Abschminkprodukten stand – und siehe da, das Label mit dem Hasen, auf das ich gewartet hatte, war dort. Dabei habe ich obendrein auch noch entdeckt, dass sie weitere Marken von Schminkprodukten eingeführt haben, die nicht an Tieren getestet sind!

Supermarkt 1: nach längerer Zeit, habe ich endlich in deren vierteljährlicher Zeitschrift eine Rubrik entdeckt, welche veganen Rezepten gewidmet ist. Ich will mir nichts einbilden, doch vor ca. einem Jahr hatte ich die Direktorin meiner Filiale darauf angesprochen …

Supermarkt 2: im Sommer bei größter Hitze will man Eis, keine vegane Version weit und breit – also habe ich wie üblich „soft“ reklamiert; und es hat geklappt …

Supermarkt 3: Schokolade-Brotaufstrich

Supermarkt 4: Mayonnaise

Supermarkt 5: Suppenwürfel

Ich will nicht unendlich lange Aufzählungen anführen, was ich aber aufzeigen wollte, ist, dass wir als VerbraucherInnen die Möglichkeit haben, in unserem Kleinen etwas zu bewegen. Wie jemand aus der Politik einst sagte „We can“ und das stimmt, denn der Markt, das Angebot richtet sich noch immer großteils nach der Nachfrage und die Nachfrage sind wir! Damit können wir den Tieren, der Umwelt und unserem Planeten Gutes tun. IAMA

Titelbild: Beach strewn with plastic debris | Foto: U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters CC BY 2.0

Weitere Fotos:

Vogelgerippe mit Plastik: Ars Electronica CC BY-NC-ND 2.0

Block mit drei Bildern (Turtle und Vogel): Noor Daghistani CC BY-NC-ND 4.0

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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