Wie sicher sind unsere Straßen? Wie lässt sich der tägliche Verkehr auf unseren Straßen noch sicher machen? Das sind die Kernfragen, denen die DEKRA, die aus dem 1925 in Berlin gegründeten Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein e.V hervorgegangen ist, bis heute nachgeht. Seit 2008 veröffentlicht die Dekra jährlich einen Verkehrssicherheitsreport, der sich keineswegs auf Deutschland und Europa beschränkt, sondern mittlerweile auch einen Blick auf andere Regionen des Globus wirft.

Am 14. November 2022 hat die DEKRA in Brüssel in den Räumen der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU ihren diesjährigen Verkehrssicherheitsreport vorgestellt, der in diesem Jahr, wie schon am Titel „Mobilität junger Menschen“ erkennbar ist, den Schwerpunkt auf junge Verkehrsteilnehmende und ihre besonderen Gefährdungen im Straßenverkehr legt.

Präsentation des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2022 „Mobilität junger Menschen“ in Brüssel: EU-Verkehrskommissarin Adina Valean (Mitte) mit DEKRA Vorstandschef Stan Zurkiewicz (links) und Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH. Foto: Alexander Louvet / DEKRA

In ihrem einführenden Vortrag betonte EU-Verkehrskommissarin Adnia Valean die Bedeutung der Verkehrssicherheit für die Europäische Union. Sie plädierte für einen vielseitigen Ansatz in dem Bemühen, die Verkehrssicherheit – insbesondere die von jungen Menschen – zu verbessern. Als Ziel formulierte sie, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 zu halbieren. Dazu, so Walen, „müssen wir alle Maßnahmen aus dem Instrumentarium der Verkehrssicherheit einsetzen: Schulung und Aufklärung, Durchsetzung der bestehenden Vorschriften und zunehmend auch technologische Fortschritte. Auf diese Weise können wir Leben retten, auch das von jungen Menschen, deren Sterblichkeitsrate im Straßenverkehr unverhältnismäßig hoch ist.“

Wie hoch die Sterblichkeitsrate junger Menschen im Verkehr ist, verdeutlichte anschließend Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH, bei der Vorstellung des Reports mit anhand einiger Vergleichszahlen. Seit Jahren, so Fehlauer, kämen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) pro Jahr weltweit mehr junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben als durch HIV/Aids, Malaria oder Tuberkulose.

Vier Faktoren dominieren nach Fehlauer das Straßenverkehrs-Unfallgeschehen bei jungen Menschen in vielen Staaten der Welt: Sie seien in der Mehrzahl männlich, sie seien im Pkw oder auf dem Motorrad unterwegs, sie seien zu schnell und möglicherweise alkoholisiert. Auch wenn die Zahl der bei Unfällen getöteten oder schwer verletzten Verkehrsteilnehmer zwischen 15 und 24 Jahren in den letzten zehn Jahren teilweise deutlich gesunken sei, lägen die Werte bezogen auf eine Million Einwohner dieser Altersgruppe zumeist immer noch deutlich über dem Schnitt der anderen Altersgruppen.

Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH, stellte den DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022 vor. Foto: Alexander Louvet / DEKRA

Verschiedene Statistiken aus allen Teilen der Welt zeigten: Junge Menschen sind im Straßenverkehr stark gefährdet – vor allem als Fahranfänger. „Für alle Beteiligten sollte dies der unmissverständliche Auftrag sein, mit allen infrage kommenden Maßnahmen gegenzusteuern“, sagte Jann Fehlauer. Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022 zeige auf, wo es anzusetzen gilt, um alle sich bietenden Optimierungspotenziale effizient zu nutzen.

Der DEKRA-Report biete jedoch nicht nur Analysen, sondern formuliert auch Forderungen, um die Verkehrssicherheit junger Menschen zu stärken:

• Besonders gefährliche Verhaltensweisen wie Alkohol und Drogen am Steuer, Ablenkung etwa durch das Smartphone oder übermäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen müssen konsequent kontrolliert und geahndet werden.

• Für Fahranfänger sollte überall ein absolutes Alkoholverbot am Steuer gelten. Die Erfahrungen in verschiedenen Ländern, unter anderem in Deutschland, belegen die Wirksamkeit.

• Der Verbreitungs- und Nutzungsgrad etwa von telematikgestützten Feedback-Systemen sollte erhöht werden.

• Junge männliche Fahranfänger stellen ein weit überdurchschnittliches Risiko für sich und andere dar. Diese Gruppe muss bei der Verkehrssicherheitsarbeit besonders in den Fokus gerückt werden – auch schon vor Beginn der Fahrausbildung.

• Der mehrstufige Erwerb der Fahrerlaubnis hat sich vielerorts bewährt und sollte daher in weiteren Ländern eingeführt werden.

• Nur eine von Fahrschulen unabhängige, transparente, standardisierte und qualitativ hochwertige theoretische und praktische Prüfung zum Erwerb der Fahrerlaubnis gewährleistet den nötigen Qualitätsstandard bei der Fahrausbildung.

• Bereits während der Fahrausbildung sollte der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen und automatisierten Fahrfunktionen vermittelt, aber auch die Grenzen dieser Systeme deutlich gemacht werden. Im Idealfall sollte der sichere Umgang mit diesen Systemen auch Teil der Fahrerlaubnisprüfung werden.

• Die praktische Fahrausbildung sollte im Hinblick auf Straßencharakteristik (innerorts, schmale Landstraßen, Autobahn) und Lichtverhältnisse (Nachtfahrten) in allen Ländern möglichst umfassend gestaltet werden.

• Angesichts der Tatsache, dass viele junge Menschen auf Landstraßen tödlich verunglücken, muss beim Neubau oder bei entsprechenden straßenbaulichen Veränderungen das oberste Ziel die selbsterklärende Straße mit fehlerverzeihender Seitenraumgestaltung sein.

• Die Funktionsfähigkeit mechanischer und elektronischer Komponenten von Systemen der Fahrzeugsicherheit muss über das gesamte Fahrzeugleben hinweg gewährleistet sein. Die Inhalte der periodischen Überwachung von Kraftfahrzeugen sind entsprechend regelmäßig anzupassen.

Der vollständige DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2022 „Mobilität junger Menschen“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung.

(Unter dem Fotos geht’s weiter!)

Die Präsentation des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2022 in Brüssel stieß auf große Resonanz. Foto: Alexander Louvet / DEKRA

DEKRA Vision Zero Award 2022

An diesem Abend gab es noch ein zweites Highlight: Zum sechsten Mal verlieh die DEKRA in diesem Jahr den Vision Zero Award. In 2022 ging dieser Preis an die finnische Stadt Mikkeli. Topiantti Äikäs, Stadtplanungsdirektor von Mikkeli, nahm den Preis von DEKRA Vorstandschef Stan Zurkiewicz entgegen. Die Verkehrssicherheitsexperten der DEKRA würdigen damit den Erfolg der finnischen Stadt, dass sie in neun aufeinanderfolgenden Jahren von 2012 bis 2020 keinen einzigen Verkehrstoten im Innerortsverkehr zu verzeichnen hatte.

Wie DEKRA erläutert, werten die DEKRA Experten kontinuierlich die jeweils neuesten verfügbaren Unfallstatistiken für die interaktive Online-Weltkarte unter www.dekra-vision-zero.com aus . Für insgesamt 26 Länder in Europa, Amerika, Asien und Ozeanien verzeichnet die Karte diejenigen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern, die seit 2009 in mindestens einem Jahr das Ziel von null Verkehrstoten erreicht haben. Mikkeli hat rund 54.000 Einwohner.

„In Mikkeli setzen wir uns schon seit vielen Jahren für die Verkehrssicherheit ein. Mikkeli ist eine normale, mittelgroße finnische Stadt, in der die Bedürfnisse von Fußgängern, Radfahrern, Autos und anderem Verkehr bei der Stadtplanung und -entwicklung gleichermaßen berücksichtigt werden. Dieser Preis ist eine konkrete Anerkennung für dieses langjährige Ziel, auf das wir hinarbeiten“, erläuterte Stadtplanungsdirektor Äikäs die Auszeichnung.

DEKRA Vorstandschef Zurkiewicz ergänzte: „Immer wieder beweisen unsere Preisträger und viele weitere Städte der Welt, dass die Vision Zero erreichbar ist. Rund 1.200 Städte haben null Verkehrstote in mindestens einem Jahr erreicht, viele davon in mehreren Jahren. Es bleibt aber dabei: Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Die Anstrengungen müssten weitergehen, um dem Ziel „Null Verkehrstote“ in immer mehr Städten und auch außerhalb der urbanen Lebensräume immer näher zu kommen.“

Die finnische Stadt Mikkeli ist mit dem DEKRA Vision Zero Award ausgezeichnet worden. Mikkelis Stadtplanungsdirektor Topiantti Äikäs (links) nahm den Preis von DEKRA Vorstandschef Stan Zurkiewicz entgegen. Foto: Alexander Louvet / DEKRA

Über DEKRA

Seit fast 100 Jahren besteht die DEKRA. Sie ging aus dem 1925 in Berlin gegründeten Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein e.V. hervor und ist eine der weltweit führenden Expertenorganisationen geworden. Die DEKRA SE ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des DEKRA e.V. und steuert das operative Geschäft des Konzerns. Im Jahr 2021 hat DEKRA nach eigenen Angaben einen Umsatz von mehr als 3,5 Milliarden Euro erzielt. Fast 48.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt DEKRA in rund 60 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Das Portfolio der DEKRA reicht von Fahrzeugprüfungen und Gutachten über Schadenregulierung, Industrie- und Bauprüfung, Sicherheitsberatung sowie die Prüfung und Zertifizierung von Produkten und Systemen bis zu Schulungsangeboten und Zeitarbeit.

Einführungsstatement von Stan Zurkiewicz (EN)

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Grußwort von EU-Verkehrskommissarin Adnia Valean (EN)

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Titelbild / Fotos / Videos: Alexander Louvet

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