Von Frederik D. Tunnat
Es ist mal wieder so weit. Eine der heutigen Schlagzeilen in Deutschlands Medien lautet: „Rund 5,1 Millionen Baby-Boomer werden weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommen“, sagt IG-Bau-Chef Robert Feiger. Dies seien rund 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge, die ab diesem Jahr bis 2036 in Rente gehen werden. Spätestens die Miete dränge einen Großteil von ihnen in die „Wohnarmut“.
Mit anderen Worten: der ewig neue Schrei nach der Regierung, dem Staat, das Herunterbeten was alles faul ist im Staate Deutschland, Schuldzuweisungen an alle, außer den Betroffenen, und die ultimative Forderung an Papa und Mama Staat endlich etwas für die leicht vorgealterten, fast im Rentenalter befindlichen Boomer-Kinder zu tun. Ganz so, als wären die Boomer als erwachsene Bürger des Staates nicht selbst dazu in der Lage.
Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr lesen! Diese permanenten, penetranten Rufe nach dem Staat, der gefälligst jedes Problem jeder gesellschaftlichen Schicht, gleich welchen Alters, notfalls das angehender Rentner, lösen soll. Als ob dieser Staat und diese staatliche Verwaltung nicht hinlänglich binnen der letzten 30-40 Jahre bewiesen haben, zu allen außer zur Lösung von Problemen in der Lage zu sein.
Mir ist mein Leben lang nicht in den Sinn gekommen, ausgerechnet Beamte und Politiker um Hilfe bei der Lösung meiner persönlichen Probleme zu bitten, geschweige denn von ihnen Lösungsvorschläge zu erwarten. Mir will nicht in den Kopf, weshalb die wohnungsbesitzlose Hälfte des Landes, die Mieter, die den längsten Teil ihres Lebens, wenn es sich um meine Generation, also Boomer handelt, massiv davon profitierten, Mieter zu sein und im Vergleich zu anderen Ländern überaus moderate Mieten bezahlt zu haben. Nun, nachdem sich binnen der letzten 10 bis 15 Jahre der Wind gedreht hat und die Mieten über die Schmerzgrenze anzogen, ist das Gezeter und Geschrei und der Ruf nach Politik und dem Staat unüberhörbar groß, für weiterhin niedrige Mieten und dennoch besitzergleiche Rechte der Mieter zu sorgen, statt den eigenen Denkapparat anzuwerfen und sich darauf zu besinnen, dass per Definition in einer Demokratie Jeder seines eigenen Glückes Schmied sei.
Statt also nach Mama und Papa Staat zu schreien oder gleich den Neonazis die Bude einzurennen, als ob die auch nur für irgendein Problem Lösungen hätten, finde ich, ist es absolut nicht zu viel verlangt, von Erwachsenen, und damit den 50 bis 55% Mietern in diesem unserem Land mal zu erwarten, sich selbst Gedanken zu machen und sich auf die eigene Verantwortung zu besinnen.
Ich will die aktuellen Probleme, speziell in Großstädten weder verniedlichen noch klein reden. Doch mit dem Lamentieren und der Schuldzuweisung an Andere wurde in der Regel noch nie ein Problem, schon gar kein derart strukturelles gelöst. Da ich weiß, dass es den Menschen in Deutschland, selbst Boomern, schwerfällt das Handy aus der Hand zu legen, um die eigenen grauen Zellen in Aktion zu setzen, habe ich die meinigen bemüht, eine überaus einfache, effektive und vor allen Dingen finanziell gangbare Lösung aufzuschreiben.
Da mir bewusst ist, dass Menschen, die demnächst 800 Euro Rente zu erwarten haben vermutlich kaum über einen ausgeprägten Sparstrumpf verfügen, um sich hohe Mieten oder gar den Kauf einer kleinen Eigentumswohnung leisten zu können, hier das derzeit gangbarste und preiswerteste Modell: das einer Baugenossenschaft.
Das günstigste Genossenschaftsmodell für Rentner mit niedrigem Budget ist das klassische kostendeckende Modell mit hohem Förderanteil und Wohngeld-Kombination, als „Genossenschaftliches Wohnen“ (KfW-Programm 134) gefördert. Bei einer Rente von 800–900 EUR netto (realistisch für viele Boomer-Frauen und Teileinkommen) sind 900 EUR Miete unmöglich – die Nettorente liegt oft bei 700–1.000 EUR, wovon max. 30% (ca. 250–300 EUR) für Wohnen tragbar sind. Deshalb stelle ich das günstigste Modell vor, das öffentlich geförderte Genossenschaften mit Wohngeld/Grundsicherung kombiniert, um die effektive Belastung durch Miete für diese Rentner auf 300–500 EUR zu drücken.
Öffentlich geförderte Genossenschaft
- Fair Wohnen: Speziell für Rentner ab 60, 1-Zimmer 30–40 m² für 600–900 EUR kalt (ohne Service); mit Förderung sinkt die Miete auf 400–700 EUR.
- KfW 134 + RL WuPiA: Zuschüsse bis 100.000 EUR pro Projekt (50–80% der Kosten), für kleine Senioren-WGs oder Genossenschaften.
- Kostendeckend + Mietobergrenze: Mieten auf 5–7 EUR/m² begrenzt, z. B. 40 m² = 200–280 EUR Basis.
Zusätzliche staatliche Leistungen
Diese reduzieren die kalkulatorische 900 EUR Miete auf erträgliche 300–500 EUR netto:
| Leistung | Höhe bei 800–900 EUR Rente + 600–900 EUR Miete | Effektive Monatsbelastung |
|---|---|---|
| Wohngeld (2025/26) | 200–500 EUR (Freibetrag 1.200–3.378 EUR bei 33 Rentenjahren) | 400–700 EUR |
| Grundsicherung (Altersgrundsicherung) | 563 EUR Regelleistung + angemessene Miete (bis 400–500 EUR) | 0–300 EUR Eigenanteil |
| 300–330 EUR Zuschuss (neu 2025) | +15% Erhöhung, für kleine Renten | 300–500 EUR netto |
| KfW Altersgerecht Umbauen (455) | Bis 5.000 EUR Zuschuss pro Wohnung | Senkt Miete um 50–100 EUR |
Praktische Umsetzung um die 300–500 EUR Belastung zu erreichen
- Kleinstwohnungen: 30–40 m² (1-Zimmer) in Genossenschaft: Basis 600 EUR → mit Wohngeld/Grundsicherung. 250–400 EUR.
- Senioren-WG: Geteilte Kosten, 200–300 EUR pro Person + Zuschüsse.
- Nötige Schritte:
- Wohngeld beantragen (bei Rente <1.542 EUR Single: Anspruch bis 330 EUR/Monat).
- Genossenschaft mit KfW-Antrag gründen (Landesförderung).
- Grundsicherung als Puffer (deckt Restmiete).
Das löst das Problem armer Rentner ohne langes Warten auf den Staat oder die Kommune. Stattdessen nutzt mein Vorschlag sämtliche bereits vorhandenen Fördergelder und -möglichkeiten, ist sofort nutz- und umsetzbar. Viele Genossenschaften erreichen 5–6 EUR/m² für Geringverdiener, also tragbar bei 800 EUR Rente.
So gründen 20–25 Ältere ihr eigene kleine Baugenossenschaft
20–25 Personen können eine kleine Wohnungsgenossenschaft (eG) gründen, um altersgerechte Wohnungen (z. B. 10–25 Einheiten à 40–50 m²) kostengünstig zu bauen. Mit dem „Sparmodell“ (Einlage 15.000–30.000 EUR pro Person aus Arbeitseinkommen, Miete 4–6 EUR/m² oder 240–350 EUR/Monat) amortisiert sich das für die Baugenossen. Ziel: Monatsbelastung netto 150–300 EUR mit Wohngeld – günstiger als ETW-Kauf oder freier Mietmarkt!
Juristische Schritte
- Mindestanforderung: Mindestens 3 Gründer (natürliche Personen), aber 20–25 sind ideal für Stabilität.
- Satzung erstellen: Schriftlich, Förderzweck „Mitgliederförderung durch bezahlbares Alterswohnen“ definieren (§§ 6 ff. GenG). Muster vom Prüfungsverband.
- Gründungsversammlung: Zustimmung zur Satzung, Vorstand (3–5 Personen) und Aufsichtsrat wählen.
- Registereintrag: Notarielle Beglaubigung, Eintragung ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht (Gebühren 500–2.000 EUR).
- Finanzamt: Steuernummer beantragen, Genossenschaft ist steuerpflichtig.
Gesamtkosten Gründung: 5.000–10.000 EUR (Notar, Beratung); selbst machen spart 50%.
Beteiligte & Kooperationen
| Beteiligter | Rolle | Kontakt |
|---|---|---|
| Genossenschaftlicher Prüfungsverband (z. B. DGRV) | Beratung, Satzungsmuster, Genehmigung | dgrv.de |
| Kommune/Stadt | Grundstück günstig, Baugenehmigung, Förderung | Bauamt, Wohnungsbehörde |
| Hausbank | KfW-Antrag, Finanzierung (70% Kredit) | Lokale Sparkasse/Volksbank |
| Architekt/Bauunternehmer | Planung, Kostenrechnung | Spezialisiert auf Genossenschaften |
| Rechts-/Steuerberater | Satzung, Verträge (optional, 2.000–5.000 EUR) | IHK-empfohlen |
Förderungen holen: KfW, Kommune etc.
- KfW 134 (Genossenschaftliches Wohnen): Bis 150.000 EUR Kredit pro Anteil + 15% Tilgungszuschuss (22.500 EUR Erlass). Voraussetzung: Selbstnutzung, Satzung KfW-konform. Antrag vor Baubeginn über Hausbank.
- KfW 455/159: Altersgerecht Umbauen, Zuschuss bis 5.000 EUR/Wohnung.
- Kommune/Land: Grundstückszuschuss (bis 50%), Baukostenzuschuss (10–20%), Wohngeldgarantie. Treffen mit Bürgermeister/Bauamt.
- Wohngeld: Automatisch für Mieter (200–500 EUR/Monat).
- Zeitplan: 3–6 Monate für Fördergenehmigungen.
Ablaufplan (ca. 12–18 Monate)
- Monat 1–2: Gruppe bilden, Förderzweck definieren, Prüfungsverband kontaktieren.
- Monat 3: Satzung entwerfen, Gründungsversammlung, Vorstand wählen.
- Monat 4: Registereintrag (Amtsgericht), Bankkonto eröffnen.
- Monat 5–6: Grundstück suchen (Kommune), Architekt beauftragen, Kostenplan (Baukosten 3.500–4.500 EUR/m²).
- Monat 7: KfW-Antrag über Bank, Baugenehmigung einholen.
- Monat 8–12: Einlagen sammeln (15.000–30.000 EUR/Person), Bau starten.
- Monat 13+: Einzug, Mieteinnahmen decken Rest.
Administrative Monatskosten (kleine Genossenschaft)
Für 20–25 Mitglieder/10–25 Wohnungen: Gesamt 200–500 EUR/Monat (8–20 EUR pro Person):
| Posten | Kosten/Monat | Pro Person |
|---|---|---|
| Buchhaltung/Steuerberater | 100–250 EUR | 5–10 EUR |
| Hausverwaltung (extern) | 50–150 EUR | 2–6 EUR |
| Prüfungsverband | 20–50 EUR | 1–2 EUR |
| Versicherungen/Rücklagen | 30–50 EUR | 1–2 EUR |
Selbstverwaltung der Mitglieder (Vorstand ehrenamtlich) senkt auf 100–300 EUR total; bei 25 Mitgliedern 4–12 EUR/Person. Kein Gewinn, rein kostendeckend. Das Projekt mit einer DGRV-Beratung starten (kostenlos/gratis). Erfolgsbeispiele: Kleine Seniorengenossenschaften mit 300 EUR/Monat Nettomiete.
Damit niemand der das hier liest behaupten kann oder glaubt, ich fabuliere rum und das funktioniere nicht, hier erfolgreiche Beispiele aus den letzten drei Jahrzehnten:
Älteste und langlebigste: Seniorengenossenschaft Riedlingen e.V.
- Gründung: 1991 (älteste in Deutschland).
- Größe: Kleine Gruppe (ca. 20–50 Mitglieder).
- Erfolg: Bietet Selbsthilfe-Dienste (Nachbarschaftshilfe, günstiges Wohnen), existiert seit über 30 Jahren. Von 10 Modellprojekten in Baden-Württemberg blieben 7 erhalten.
- Kosten: Kostendeckende Mieten, Fokus auf bezahlbare Altersvorsorge.
Seniorenhilfe Dietzenbach e.G.
- Gründung: 1990er (eine der größten, aber skalierbar).
- Größe: Ca. 2.000 Mitglieder, kleinere Untergruppen.
- Erfolg: Größte Seniorengenossenschaft Deutschlands, stabile Entwicklung, Dienstleistungen wie Haushaltshilfe. Insgesamt 220 Seniorengenossenschaften bundesweit, viele klein und nachhaltig.
- Kosten: Niedrige Beiträge, Selbsthilfe-Modell.
WiGe Rado (Wohnen in Genossenschaft)
- Gründung: Neuere Initiative (laufend).
- Größe: Kleine Wohnungen (z. B. 35 m²).
- Erfolg: Miete 367 EUR + 100 EUR NK (ca. 13 EUR/m² inkl. – günstig für Genossenschaft), Solidaranteile möglich, keine Eigenbedarfskündigung. Fokus: Sicheres, bezahlbares Wohnen.
WoGA Pfullendorf eG
- Gründung: Erste genossenschaftliche Pflege in BW (2010er).
- Größe: Klein, stationäre Pflege + Wohnen.
- Erfolg: Initiiert vom Wohlfahrtswerk, kostengünstig, Ergänzung zu Heimen. Zeigt Hybrid-Modell (Wohnen + Pflege).
Weitere kleine Erfolge
- Cluster-Wohnprojekte (z. B. Zürich-ähnlich in DE): Genossenschaften mit 300–500 EUR Miete für 40–50 m², gemeinschaftlich.
- Mehrgenerationen-Genossenschaften (z. B. Rado Mehrgenerationen): 32 Wohnungen, Passivhaus, Mieterstrom, 5–7 EUR/m².
Diese erfolgreich laufenden Modelle beweisen: Private baugenossenschaftliche Initiativen funktionieren. Kleine Gruppen (20–50 Personen) erreichen 240–400 EUR/Monat bei 40–50 m² durch Förderung und Amortisation.
Für Diejenigen, die sich mit so einem Projekt überfordert fühlen: es gibt mehrere ehrenamtliche und kommunale Beratungsangebote, die Neugründern von kleinen Baugenossenschaften helfen, Anfangshürden wie Satzungserstellung, Förderanträge und Kontakte zu meistern – kostenlos oder kostengünstig.
Ehrenamtliche Beratungen
- Genossenschaftliche Prüfungsverbände (z. B. DGRV, Genoverband): Bieten Gründungsberatung von der Idee bis zur Eintragung, inkl. Satzungsmuster und KfW-Anträge. Regionaler „Kümmerer“ unterstützt ehrenamtlich oder kostengünstig (20–50 EUR/Stunde). Über 160 Jahre Expertise.
- Seniorenbeiräte/Helferkreise: Viele Kommunen haben ehrenamtliche Seniorenbeiräte, die Beratung zu Wohnen im Alter geben, Kontakte zu Ämtern vermitteln und Initiativen anregen (z. B. Sprechstunden, Nachbarschaftshilfe).
- BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen): Unterstützt Kommunen und Gruppen bei Selbsthilfeprojekten, inkl. Wohnmodellen für Ältere.
Kommunale Beratungsstellen
- Bau- und Wohnungsämter: Kostenlose Beratung zu Grundstücken, Baugenehmigungen und kommunalen Zuschüssen. Oft mit Seniorenpolitik-Referaten.
- Wohnungsverbände (VdW, VNW): Regionale Verbände (z. B. Baden-Württemberg, Norddeutschland) bieten Gründerberatung, Prüfung und Lobbyarbeit. Fördermitglieder-Netzwerk für kleine Genossenschaften.
- IHK/Gründerplattformen: Kostenlose Seminare und Vorlagen zur Genossenschaftsgründung.
Praktische Startkontakte
| Anbieter | Fokus | Kontakt |
|---|---|---|
| DGRV (Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband) | Gründung, Förderung | dgrv.de |
| Lokaler Seniorenbeirat | Wohnen im Alter | Stadtverwaltung/Bürgeramt |
| Genoverband | Recht/Steuern | genoverband.de |
| BAGSO Landesverband | Seniorenprojekte | bagso.de |
Für Überängstliche: Erste Anlaufstelle ist der DGRV oder lokale Prüfungsverband – sie übernehmen 80% der Hürden (Satzung, Register, KfW) und kooperieren mit Kommunen. Viele Seniorengenossenschaften (z. B. Riedlingen) starteten genauso. Ehrenamtliche Helfer senken die Kosten auf <1.000 EUR total und verhindern, dass solche sinnvollen Projekte der Eigeninitiative im Chaos enden.
Also liebe Mit-Boomer und Bald-Rentner: jetzt mal kräftig in die Hände gespuckt, Mitbetroffene und Mitleidende suchen und loslegen, statt auf Regierung und Staat zu warten. Wie Kanzler Merz und sein Panik-Kabinett seit einem Jahr beweisen: zu warten wäre ein fatales Unterfangen. Merz & Co. lösen unsere Probleme, z.B. finanzierbares, sicheres Wohnen im Alter garantiert nicht. Deshalb lesen, überlegen, Hilfe in Anspruch nehmen, beraten lassen und dann loslegen. Wer zuerst kommt mahlt zuerst, zumindest wenn es um Gelder der KfW geht.
Ich drücke die Daumen! Eigeninitiative wird stets belohnt, sich auf Mutter oder Vater Staat zu verlassen endet – siehe Rente – im Chaos.
Titelbild: ºnube CC BY-ND 2.0 DEED via FlickR
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