Von Frederik D. Tunnat

Kein Wunder, weshalb mein Artikel mit dem Zitat dieses Songs aus 1965 beginnt: damals herrschte Krieg, nicht in Europa, sondern in Asien, um genau zu sein, in Vietnam.  Heute herrscht Krieg inmitten Europas, in der Ukraine. Ein blutiger, unmenschlicher Vernichtungsfeldzug, auf den der russische Diktator Wladimir Putin seine mit Propaganda aufgepeitschten Soldaten schickt, vornehmlich, um private Häuser, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, Kirchen samt darin befindlichen Zivilisten zu töten.

Während es heute, in der Ukraine, um nicht mehr, aber auch nicht weniger als den Kampf zwischen Diktatur und Demokratie, ein Leben in Knechtschaft, ohne Meinungsfreiheit, unterdrückt durch Polizei und Geheimdienst, oder ein weitgehend freibestimmtes Leben mit Meinungsfreiheit, freier Justiz, freier Rede, freien Wahlen nach demokratischen Prinzipien geht, tobte damals, in den 1960er der Vietnam-Krieg. Ich würde mir wünschen, dass der Krieg in der Ukraine, den Russland seinem europäischen Nachbarn aufgezwungen hat, mit dem Ziel, das Land auszuradieren, seine Menschen zu unterdrücken, wenn nicht gleich auszurotten, zu ebenso heftigen Reaktionen in unserer Bevölkerung geführt hätte, wie seinerzeit. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung der Bundesrepublik ging damals auf die Straße, demonstrierte gegen den Krieg, den die USA gegen Nord-Vietnam, das kommunistisch war, führten. Was wurden die US-amerikanischen Imperialisten verdammt, beschimpft und mit Demonstrationen überzogen. Erstaunlicherweise ließen diese dies, als Noch-Kontrollmacht in Deutschland, ohne Probleme zu. Sie standen zu den demokratischen Prinzipien der Meinungsfreiheit, die das Recht auf friedliche Demonstration einschließt.

Wo ist heute der Aufschrei in Deutschland über die russischen Imperialisten, die im Grunde genommen Nachfolger der Nazis sind, da sie deren faschistisches Gedankengut übernommen haben, deren perfide Kriegsführung gegen Zivilisten kopieren? Wo sind die Massendemonstrationen gegen einen Krieg, der nicht nur die Existenz der Ukraine bedroht, sondern bereits tausende Menschenleben gekostet hat? Weshalb konnten wir lauthals gegen US-amerikanische Imperialisten demonstrieren, die uns diese Demonstrationen überhaupt erst ermöglicht hatten, durch den Sieg über Hitler-Nazi-Deutschland, nun aber kleinlaut hinter unseren Öfen hocken, uns sogar weigern, den Ukrainern für den ihnen aufgezwungenen Kampf Waffen zu liefern?

Was ist das für eine verschrobene Doppelmoral? Weshalb soll der Krieg einer Nation schlimmer sein, als der einer anderen? Weshalb eine Nation Imperialisten schimpfen, die tatsächlichen Imperialisten aus Russland jedoch in Schutz nehmen, Vorwände und Ausreden suchen, die deren Krieg rechtfertigen sollen?

Der Krieg mitten in Europa führt erneut vor Augen, was für ein unausgegorenes Gebilde die Vereinten Nationen sind, die immer dann, wenn sie besonders gefordert wären und machtvoll eingreifen sollten, sich als zahnloser Tiger ohne Krallen und Zähne erweisen, paralysiert durch die ständigen Ratsmitglieder. Statt einer solchen Schönwetter-Organisation benötigt die Welt eine kraftvolle Institution mit der Macht ausgestattet, als Schiedsrichter oder Richter einzugreifen. Dazu ist, das führt aktuell der Krieg in der Ukraine vor Augen, so sehr wir uns das Gegenteil wünschen, militärische Macht vonnöten, eine schlagkräftige Armee, die in der Lage sein muss, selbst eine chinesische Armee und oder zeitgleich die russische oder nordkoreanische im Griff zu haben, ihnen Kriege zu untersagen, sie im Kriegsfall schnell, effizient und vollständig zu neutralisieren.

Deshalb komme ich auf eine Sciencefiction Figur zu sprechen, die ihren Ursprung erstaunlicherweise in Deutschland hat: Perry Rhodan. Noch erstaunlicher, dass dieser Held einer Zukunftsserie seit 1961 aktiv ist, also jener Jahre, in denen der Vietnam-Krieg tobte. Die Handlung beginnt 1971. Die Erde ist in drei große Lager gespalten: West-NATO-Staatenbund unter Führung der USA, die von China dominierte Asiatische Föderation und den unbedeutenden, von Moskau geführten Ostblock. Klar steht die Menschheit kurz vor dem Dritten Weltkrieg und ihrer atomaren Selbstvernichtung.

Klingt das nicht erstaunlich aktuell, vertraut? Ist, war aber Sciencefiction im Jahr 1961.

Was jedoch interessant an der Serie ist, ohne in deren Einzelheiten zu gehen, ist eine Art Weltrat, also sowas wie die heutige UN, allerdings versehen mit militärischer Macht, und damit den Machtmitteln, um Frieden zu erzwingen, zu halten, einzugreifen. Natürlich besteht angesichts eines solchen Szenarios die Gefahr dass der Führer dieser Weltorganisation – es ist der Serienheld Perry Rhodan – abdriftet und sich zum Weltdiktator aufschwingt, wie sein russisches Abzugsbild Putin dies seit zwei Jahrzehnten tut. Doch da es sich um Sciencefiction handelt, passiert das nicht, da Rhodan mit geradezu göttlicher Weisheit und festen demokratischen Ansichten ausgestattet ist.

In der menschlichen Realität funktioniert das natürlich so nicht. Wir haben gesehen, wie schwache, korrupte Charaktere wie Putin, Erdogan, Orban oder Xi Jinping durch die ihnen zugewachsene, auf Zeit erteilte Macht berauschen und zu Diktatoren kleptokratischer Natur mutieren. Insofern ist es realistischer auf ein Gremium zu setzen, wobei sicherzustellen wäre, dass besagte Diktatoren nicht mit an Bord gelangen können. Daher der Vorschlag, die ohnehin gerade wieder im Aufwind befindliche NATO auszubauen, den Namen ändern, und daraus eine weltweite, schlagkräftige Militär- und Staatengemeinschaft formen, die notfalls zeitgleich den russischen und chinesischen Größenwahn im Zaum halten kann, mit militärischer Drohung und notfalls militärischer Gewalt.

Die „Konstitution“, die sich eine gewandelte, erweiterte NATO geben müsste, sollte sicherstellen, dass Mitglieder nur lupenreine Demokratien sein können, die, sobald sie, wie die Türkei oder Ungarn abdriften, innerhalb der Organisation zur Ordnung gerufen werden. Auch müsste sicher gestellt werden, dass der „Haupt-Aktionär“ USA selbst nicht abdriften könnte, wie aktuell durch interne Paralysierung von Republikanern und Demokraten, oder dass so windige Gestalten, wie Donald Trump auch nicht ansatzweise in die Nähe des roten Koffers und der Macht über das Militär gelangen können. Doch derartige Details lassen sich sicher unter Mithilfe gewiefter Juristen und Staatsrechtler definieren. Wichtig wäre eine interne Machtbalance, die Auswüchsen in jede extreme Richtung Einhalt gebietet.

In jedem Fall böte die aktuelle Situation eine Chance, ein derartiges Unterfangen anzugehen, da Russland erheblich geschwächt ist, China noch nicht mit den USA gleichgezogen hat, und die kleinen Gangster an der Peripherie, Nordkorea, Iran und Co. noch eingefangen und diszipliniert werden können, bevor sie in der Lage sind Unheil anzurichten.

Bei dieser Gelegenheit, einer frei vereinbarten Weltorganisation mit militärischem Potential, sollten die Handelsprobleme, wie innerhalb der EU aber auch zu anderen Partnerländern gelöst werden, indem diese Weltorganisation Handlungsvollmacht über Militär, Handel, Klima, Krieg und Frieden, soziale Gerechtigkeit bekäme. Es wäre etwas, das die fehl konstruierte EU ohnehin niemals allein hinbekommen würde. Das Ganze hätte den Charme, dass enorme Mengen an unnötig gewordenen Politikern und dreifach benötigter Beamter, Armeen etc. überflüssig würde, und diese Mittel in den Kampf gegen Klimawandel, die Ernährungsprobleme, sowie in mehr soziale Gerechtigkeit investiert werden könnten. Zugleich würde Nationalismus, eine der Triebfedern für Diktatoren und Unruhestifter, an seine Grenzen kommen, wäre Alles und Alle unter einem gemeinsamen Dach.

Ich weiß, dass mein Vorschlag eine ungeheure Utopie darstellt, deren Aussicht auf Erfolg gering ist, zumindest scheint. Doch wäre aktuell ein wirklich guter Zeitpunkt, aus dem, was immer wieder schief läuft mit all den Kriegen und der Gewalt in der Welt, auszusteigen, und eine effizientere zukunftsweisende Organisation der Welt – bewusst zunächst gegen den erklärten Willen und die Mitwirkung der Diktatoren dieser Welt – aufzubauen. Einmal etabliert, mit „überzeugender“ militärischer Stärke und ausgestattet, mit dem Mandat der Mehrheit der Staaten dieser Welt, könnten die Diktaturen später einzeln „zerlegt“ werden und für deren Mitgliedschaft unter demokratischem Vorzeichen gesorgt werden. Das wäre nur ein Frage der Zeit und des richtigen Augenblickes.

Hier ein Auszug aus dem Song, zum Nachdenken über das Thema oder einfach mal reinhören:

Lord, we don’t need another meadow

There are corn fields and wheat fields enough to grow

There are sunbeams and moonbeams enough to shine

Oh listen Lord, if You want to know

.

What the world needs now is love, sweet love

It’s the only thing that there’s just too little of

What the world needs now is love, sweet love

No not just for some, oh, but just for every, every everyone

(Quelle)

 

Ein wenig vom Geist der uns in den 1960igern beflügelte – 68er Bewegung, machtvolle Antikriegs-Demonstrationen, Club of Rome – wäre aktuell hilfreich.  Gerade in der jungen, desorientierten jüngsten Generation Merkel. Ein gezielter Rückblick kann durchaus etwas zukunftsweisendes haben.

Titelbild: by Serena Tang CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

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