Von Fredrik D. Tunnat
Das muss man Trump lassen: sich erst beherzt in ein völlig ungewisses Abenteuer zu stürzen, um dieses dann, wenn es schwierig wird, überstürzt auf Kosten aller Anderen noch überhasteter zu beenden, ohne sich auch nur im Geringsten über die enormen Konsequenzen seines Handelns im Klaren zu sein. Wie panisch dieser Rückzug war, zeigt sich schon daran, dass Trump und sein Vize JD Vance das Papier flugs digital unterzeichneten, noch bevor die Tinte auf einem echten Vertrag überhaupt hätte trocknen können.
Man muss sich mal an den maximalen Anspruch vor Beginn des irrwitzigen Iran-Abenteuers erinnern: einen Regimewechsel herbei bomben, das Uran einsacken und zerstören und nebenbei noch die iranischen Ölquellen der Trump-Kontrolle unterstellen.
Und nun dies: allein dafür, dass der bisher überaus brüchige Waffenstillstand hält, gesteht Trump dem Iran zu, 300 Milliarden Kriegsschäden für den Wiederaufbau zu bezahlen, über 25 Milliarden eingefrorene Gelder freizugeben sowie die Durchfahrt der Straße von Hormus dauerhaft mit bisher nie existierenden Gebühren in die Kassen des Irans zu belasten.
Das alles für die vage Aussicht, in einer extrem kurzen Frist von gerade einmal 60 Tagen über das iranische Uran zu verhandeln, über mögliche Friedensbedingungen und den temporären, auf 15 bis 20 Jahre befristeten Verzicht auf den Bau einer Atombombe. Sollten diese hastigen Gespräche scheitern, droht postwendend die nächste Runde blutiger Militärschläge – ein unkalkulierbares Pulverfass.
Allein die vom Iran vorgesehenen und von Trump durch das Abkommen bereits abgesegneten Durchfahrtgebühren für eine internationale – nicht Iran nationale Wasserstraße – werden dem Mullahregime künftig jährlich zwischen 250 bis 300 Mrd. Dollar in die Taschen fließen, auf Kosten der Verbraucher und Unternehmen dieser Welt, was sich in dauerhaft überhöhten Spritrechnungen und einer ständigen zusätzlichen Inflationsrate auswirken wird.
„The Art of Deal“ zeigt sich bei diesem hastig zusammengeschusterten, Maximalforderungen des Iran bereits vorab absegnenden Papiers von seiner „besten“ Seite. Mehr Stümpertum und handwerkliche Fehler hätte kaum jemand auf dieser Welt machen können.
Doch es ging ja auch nie um ein ernsthaftes, ausgewogenes Abkommen, sondern darum einem dementen, alten Greis eine Art von Geburtstagsgeschenk zu machen, auf dass dieser, in völliger Umdeutung der Fakten, sich als sein eigener Friedensengel aufspielen konnte, in einem schmierentheaterähnlich inszeniertem Krieg, den niemand anders als er, der größenwahnsinnige Alte angezettelt und ausgelöst hatte. Seine Vorgänger im Präsidentenamt schmähend für ihre angeblich schlechten Verträge, die allesamt diverse Male besser und völkerrechtkonformer ausfielen, als dieses aberwitzige Machwerk der Stümper aus der MAGA-Szene.
Nicht einmal berücksichtigt, welch vergiftete Kröte Israel schlucken muss, wider Erwarten und urplötzlich seiner anfänglichen Erfolge beraubt und zurückgeworfen auf einen Zustand, der deutlich übler daherkommt, als der vor Ausbruch dieses aberwitzigen Krieges. Denn Teheran hat es eiskalt durchgesetzt, dass die Entwaffnung oder auch nur die finanzielle Unterstützung seiner regionalen Terrormilizen wie der Hisbollah komplett von der Agenda gestrichen wurde. Israel wird somit schlicht dem Terror vor seiner Haustür überlassen.
Dank dieser Vereinbarung, die weder das Papier auf dem sie geschrieben steht, noch die Tinte wert ist, hat Trump der Welt, nicht nur der westlichen, sondern auch asiatischen und arabischen Ländern ein überdimensional riesiges Trojanisches Pferd in die Burg gestellt, dessen fatale Auswirkungen deutlich das Ausmaß dessen übertreffen werden, was in historischer Zeit über das alte Troja hereinbrach.
Einen Krieg, in dem der Bekriegte anschließend als strahlender, faktischer Sieger vom Streitfeld geht; so einen Krieg kann nur eine MAGA-Größe und selbsternannter Heiland der USA beginnen, führen und schließlich panisch beenden. Iran ante portas muss es nun heißen, in Anspielung auf Hannibal 218 v. Chr.
Titelbild: Strasse von Hormus by DLR_next CC BY-SA 2.0 DEED via FlickR
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