Es ist noch nicht lange her, dass europäische Politiker sich lautstark für die Bekämpfung von Fluchtursachen einsetzen, um die steigenden Flüchtlingszahlen zu reduzieren und die zersetzenden Debatten um Flüchtlinge in Europa einzudämmen.

Heute, am 11. März, berichteten Die Zeit, Der Spiegel, Die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung von einer sich anbahnenden dramatischen Hungerkatastrophe in einigen afrikanischen Ländern.

Die genannten Zeitungen beziehen sich auf eine Bericht des UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien vor dem Weltsicherheitsrat. O’Brien hat kürzlich den Weltsicherheitsrat vor einer sich abzeichnenden dramatischen Hungerkatastrophe in den Ländern Jemen, Südsudan, Somalia und Nigeria gewarnt. Rund 20 Millionen Menschen in den genannten Ländern sind akut von Hunger und Hungertod betroffen.

4,4 Milliarden US-Dollar sind bis Juli 2017 nötig, um diese Katastrophe abzuwenden. O’Brien fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, dieses Geld schnellst möglich zur Verfügung zu stellen.

„En exil“ (Im Exil), Installation von Fatima Talbaui, Ausstellung „Sculptures 2016“ im Square Armand Steurs, Bruxelles (Saint-Josse-ten-Noode), 27. August bis 25. September 2016. | Foto: J. Klute

Es ist ein Gebot menschlicher Solidarität, diese Hilfe zu leisten. Es ist aber auch eine Gebot politischer Klugheit. Denn nun können die Staaten, insbesondere die EU-Mitgliedsstaaten und die EU als ganze zeigen, welche Konsequenzen sie bereits sind, aus den Debatten um Flüchtlinge und um die Bekämpfung von Fluchtursachen zu ziehen. Im Unterschied zu anderen Fluchtursachen lässt diese konkrete Fluchtursache sich bei vorhandenem politischen Willen kurzfristig bekämpfen. Denn ohne die von UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien eingeforderte finanzielle Unterstützung wird zumindest der Teil der Betroffenen, der dazu noch in der Lage ist, den Weg nach Europa suchen. Wer würde das nicht versuchen? Sie dann als Wirtschaftsflüchtlinge zurückzuweisen wäre zynisch und verbietet sich aus gründen der Menschlichkeit.

Diese neuen Fluchtursachen, die gerade entstehen, entstehen vor unserer aller Augen. Und noch ist es möglich, sie zu verhindern.

Der Betrag von ca. 4,4 Milliarden US-Dollar ist im Vergleich zu dem politischen Preis für ein erneutes Nicht-Handeln oder verspätetes Handeln und im Vergleich zu all den in den letzten Monaten ergriffenen Maßnahmen, um die EU zu einer unzugänglichen Festung auszubauen, ein geringer.

Im Gegensatz zum Ausbau der EU zu einer unzugänglichen Festung stünden die von UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien eingeforderten 4,4 US-Dollar im Einklang im Einklang mit den Menschenrechten.

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