Medien-Ethik

Wie glaubwürdig sind Medien?

Ein paar Kriterien zur Orientierung und zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Medien

„Postfaktisch“ wurde 2016 von der deutschen Gesellschaft für Sprache zum Wort des Jahres bestimmt. Postfaktisch: das lässt sich mit „meinungsstark aber ahnungslos“ übersetzten. Damit kann man zwar Gemüter erregen, Empörung erzeugen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mehr aber auch nicht. Für das Funktionieren einer Demokratie braucht es aber etwas anderes: glaubwürdige und zuverlässige Informationen und fundierte Meinungsäußerungen, um tragfähige und auf Dauer Akzeptanz findende politische Entscheidungen treffen zu können – als Bürger*in an der Wahlurne und als Politiker*in in politischen Entscheidungsgremien.

Medien sind – nicht zuletzt infolge des Internets und der social media und von KI/AI – in eine Glaubwürdigkeitskrise geraten: Was stimmt, was ist Fake, was ist dreiste Lüge, was ist bewußte Fehlinformation, was ist Fakt, was ist Meinung?

Es ist nicht immer einfach, hier eindeutige Grenzen zu ziehen. Gleichwohl gibt es Kriterien zur Beurteilung von journalistischer Berichterstattung, die helfen zu erkennen, ob ein Bericht glaubwürdig und eine Meinung fundiert ist oder eher nicht.

So gibt es die Standards des deutsche Presserates:

In Belgien gibt es den deontologischen Code:

Die in Brüssel ansässige „International Federation of Journalists“ hat auf ihrer Webseite ebenfalls berufsethische Prinzipien definiert:

Die Technischen Universität Dortmund betreibt seit einigen Jahren das Projekt Medien-Doktor – Monitoring für Wissenschaftsberichterstattung, in dem zum einen Wissenschaftsberichterstattung kritisch beobachtet wird und in dem zum anderen Kriterien zur Beurteilung von Berichterstattungen zu verschiedenen Themen erarbeitet wurden:

Wer hinter dem Medien-Dokter steht, ist hier nachlesbar.

Mit welchen Kriterien der Medien-Doktor arbeitet, wird hier erläutert:

Im Bereich der politischen Berichterstattung und Kommentierung lassen sich diese Kriterien erweitern um Aspekte wie die präzise und verständliche Darstellung eines Themas und die unterschiedlichen Interessenlagen, aus denen politische Diskussionen geführt werden – wer verfolgt welches Interessen mit welchen Lösungsvorschlägen, wem kommen sie zugute, wer hat mit welchen Nachteile bei diskutierten Lösungsvorschlägen zu rechnen?

Ein weiteres Referenzprojekt zur journalistischen Qualitätssicherung ist das „Constructive Journalism Project“. Das ursprüngliche Projekt ist mittlerweile zwar beendet. Unter den folgenden Webadressen gibt es aber ausführliche Informationen zu dem Projekt:

Abschließend an dieser Stelle noch zwei Beispiele für Transparenz aus der journalistischen Praxis. Das in Essen ansässige Recherchebüro Correctiv arbeitet auf der Grundlage eines sehr umfassenden Redaktionsstatuts:

Ein zweites Beispiel ist das in Berlin ansässige Netzwerk Recherche, das sich ebenfalls instensiv mit der Frage journalistischer Glaubwürdigkeit und berufsethischen Fragen auseinander setzt und hat dazu einen Medienkodex mit mehreren Unterthemen formuliert hat:

Titelfoto: Leonard J Matthews CC BY-ND 2.0 DEED via FlickR