Von Frank Schwalba-Hoth
Eine mit Spannung erwartete Wahl zum Sicherheitsrat brachte am Mittwoch eine Mischung aus Kontinuität: Österreich, Kirgisistan, Portugal, Trinidad und Tobago sowie Simbabwe wurden für eine Amtszeit von zwei Jahren als neue Mitglieder gewählt.
Ich komme nicht umhin, die sieben klaren Gewinner dieses Ereignisses zu nennen.
1. Portugal: Im Vertrag von Tordesillas von 1494 legte der Papst fest, dass alle Gebiete auf unserem Globus östlich einer Linie vom Nordpol zum Südpol und westlich der Kapverdischen Inseln portugiesisch sein sollten. Auf den heutigen Globus angewendet hätte dies ganz Afrika und Asien umfasst. Angesichts einer solch gewaltigen territorialen Macht vor einem halben Jahrtausend ist es daher das Mindeste, dass der Rest des ehemaligen portugiesischen Königreichs zumindest als Republik einen Platz am Tisch der Weltmächte einnehmen kann.
2. Österreich: Eine ähnliche historische Situation besteht für Österreich. Im 16. Jahrhundert, während der Herrschaft von Kaiser Karl V., erreichten die Habsburger erstmals den Status einer Weltmacht. Angesichts der extremen Ausdehnung ihres Territoriums über mehrere Kontinente sprachen Zeitgenossen von einem Reich, „über dem die Sonne niemals untergeht“. Daher ist es historisch nur angemessen, dass sie nun am Tisch der Weltmächte sitzen, zumindest für zwei Jahre.
3. Kirgisistan: Das „Epos von Manas“ aus Kirgisistan ist laut Guinness-Weltrekord das längste jemals veröffentlichte Gedicht. Mit einer halben Million Zeilen ist es etwa 20 Mal länger als Homers „Odyssee“ und „Ilias“ zusammen und dreimal so lang wie das indische „Mahabharata“. Ein solcher Literatur-Champion verdient einen Platz am Tisch in New York.
4. Trinidad und Tobago: Wenn man die Wiege einzigartiger Musikinstrumente und -stile wie Steelpan, Limbo, Calypso, Soca, Rapso, Chutney-Musik und Chutney-Soca ist, verdient Trinidad und Tobago es, auf eine Stufe gestellt zu werden mit China (Oper), England (Liverpool Beatles), Frankreich (Chanson), Russland (Polka) und den Vereinigten Staaten (Blues und Jazz).
5. Deutschland: Trotz seiner inkonsequenten Politik in Bezug auf die UN-Charta, gute Regierungsführung und Menschenrechte gelang es Deutschland, 103 Stimmen zu sichern. Das reichte zwar nicht für die erforderliche Zweidrittelmehrheit, um gewählt zu werden, war aber weit mehr, als ein Staat angesichts seines unmoralischen Zögerns in Bezug auf Gaza, Palästina und Venezuela hätte erwarten dürfen.
6. Simbabwe: Archäologische Funde belegen, dass das heutige Simbabwe bereits vor mindestens 500.000 Jahren besiedelt war. Im 13. Jahrhundert besaß das Königreich Groß-Simbabwe eine Hauptstadt mit dem größten Steinbauwerk im vorkolonialen Südafrika. Eine solche prähistorische Geschichte und eine solche architektonische Leistung sind ein triftiger Grund, als besonderes UN-Entscheidungsland gewählt zu werden.
7. UN-Charta: Die Charta der Vereinten Nationen zielt darauf ab, Frieden und internationale Sicherheit zu wahren und die Menschenrechte zu achten. Da es den Anschein hat, dass die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mehr oder weniger von dieser Verpflichtung ausgenommen sind, bietet die Nachwahl der nichtständigen Mitglieder zumindest eine Chance auf ein Gegengewicht. Der Ausschluss Deutschlands ist ein ermutigendes Zeichen dafür, dass der Reflex, Staaten zu bestrafen – glücklicherweise im Falle von Ehrlichkeit und Integrität –, nach wie vor vorherrscht.
Titelbild: United Nations Information Centres New York. Photo: United Nations / John Gillespie CC BY-NC-ND 2.0 DEED via FlickR
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