Lee Miller – Fotografin zwischen Krieg und Glamour, so der Titel einer Fotoausstellung im Hamburger Bucerius Kunstforum.

Von Peter Scherrer

Rund 140 Fotografien und Publikationen präsentiert die Ausstellung auf 800 Quadratmetern. Die Werkschau zeigt übersichtlich gegliedert den Lebensweg des amerikanischen Models, der Künstlerin, Surrealistin, Bildjournalistin, Kriegsberichterstatterin und Gourmetköchin Lee Miller. Gezeigt werden die Anfänge ihrer beeindruckenden Entwicklung als Vogue-Model. Es folgt die Zusammenarbeit und Emanzipation von Künstlern mit großem Namen. Bald darauf wird ihre Arbeit als Bildjournalistin und Kriegsberichterstatterin präsentiert. Den Abschluss der Fotoausstellung, die hinreichend mit Informationen über das Leben Lee Millers versehen ist, bildet das Kapitel „Leben auf der Farley Farm“.

Was für eine Vita! Lee (Elizabeth) Miller schuf Meisterwerke der Fotografie und sie führte ein wechselvolles Leben. Geboren 1907 in Poughkeepsie, einer Vorstadt von New York, belegte sie schon als 18-jährige Kurse zur Bühnen- und Lichtgestaltung in Paris. Gerade 20 Jahre alt, wird sie vom Vogue-Herausgeber Condé Nast als Model entdeckt. Kurz darauf lebt und arbeitet sie mit Man Ray und anderen Surrealisten in Paris.

Muse sein reichte der selbstbewussten und -bestimmten Frau nicht. Sie eröffnete Anfang der Dreißiger Jahre ein eigenes Fotostudio, gründete ein Fotografieunternehmen in New York. 1934 lernt Lee Miller den ägyptischen Geschäftsmann Aziz Efoui Bey kennen, heiratet ihn und lebt von da an in Kairo. Die Ehe war von kurzer Dauer. In Paris lernte sie den Surrealisten Roland Penrose kennen und zu Kriegsbeginn zieht sie zu ihm nach London.

Hier und mit dem „Blitz“ änderte sich ihr Leben fundamental. Sie wurde freie Mitarbeiterin der britischen Vogue. In London beginnend mit Modefotografie veröffentlichte sie in „Grim Glory – Pictures of Britain under Fire (1941)“ Fotos die das Leben mit dem „Blitzkrieg“ zeigen. Sie stellte ihre Kriegsbilder in New York aus und wurde offizielle Kriegskorrespondentin der US-Armee.

Zu ihren beeindruckendsten Werken gehören Fotos die direkt an der Kriegsfront entstehen. Sie dokumentierte die Eroberung der Normandie durch die US-Truppen. Ihre Fotos zeigen, wie die Menschen in der französischen Hauptstadt die Befreiung von Paris erleben. Im letzten Kriegsjahr reiste sie nach Deutschland um die Grausamkeiten des NS-Regimes in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald zu dokumentieren. Sie näherte sich unerschrocken dem, was sie sehen musste. Leichenberge, die noch wenige Tage vor der Befreiung von den Nazis, abtransportiert werden sollten, dokumentiert sie eindrucksvoll. Diese Bilder der Fotografin Lee Miller sind nur sehr schwer zu ertragen, für den Menschen Lee Miller waren sie später unerträglich.

Ihre Reportagen machten sie als Bildjournalistin weltweit bekannt. Mit ihrer Darstellung der Grausamkeiten des Krieges, der menschenverachteten Gräueltaten des NS-Regimes zeigt Lee Miller in eindringlicher Weise, zu welchen Taten Menschen fähig sind. Nach Kriegsende lebt sie wieder in England. Als professionelle Fotografin hat die vom Schrecken des Krieges traumatisierte Ausnahmejournalistin nicht wieder gearbeitet.

Mit Roland Penrose, den sie 1947 heiratet, lebt sie auf dem Landsitz Farley Farm in East Sussex. Gelegentlich verfasste sie Bildstrecken über Mode und Kunst für die britische Vogue. Die Wochenenden mit Freunden aus der Künstlerszene wurden von ihr gut dokumentiert. Darüberhinaus entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Kochen. Sie gewann Kochwettbewerbe und wurde zur Gourmetköchin. In der Zeitschrift „House and Garden“ und in der „Vogue“ wurde sie für ihre Kochkunst und kreative Gastfreundschaft gefeiert. Auf der Farley Farm starb Lee Miller 1977 an Krebs.

Das Bucerius Kunstforum bietet zur Ausstellung einen Audiguido (auch in englischer Sprache) zum download unter: buceriuskunstforum.de/bkf-guide.

Für die, die mehr über Lee Miller wissen wollen

Über das Leben zwischen den Welten der Lee Miller informiert am 5. September ein musikalisch-literarischer Abend. Ihre Lebensstationen New York, Paris, Frankreich, Deutschland im Zweiten Weltkrieg und die Farm in Südengland werden künstlerisch nachgezeichnet.

Eine Veranstaltung des Rahmenprogramms widmet sich am 18. September den „Grenzen des Erträglichen“. Zwei Expertinnen diskutieren das facettenreiche Werk von Lee Miller bei einem Ausstellungsrundgang aus künstlerischer und psychotherapeutischer Sicht.

Interessierte können sich auch auf der Website des Lee Miller Archivs über ihr Schaffen informieren: www.leemiller.co.uk

Die Ausstellung endet am 24. September.

Foto: Lee Miller: Detail of Fire Masks, Downshire Hill, London, 1941 @Lee Miller Archives England 2023

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