co­lou­red | town | tal­king

Aus­ste­lung zum Brüs­se­ler Graf­fi­ti-Pro­jekt “créons” von kunst.raum RE und dem Ate­lier Das Gel­be Haus RE-Süd im kunst.raum Reck­ling­hau­sen, Jo­han­nes-Jans­sen-Stra­ße 1 / Kirch­platz vom 06. – 31. Ja­nu­ar 2017

Bleis­tif­te als Schreib­ge­rä­te sind et­was aus der Mode ge­kom­men. Als au­gen­fäl­li­ges Mo­tiv von Street Art der Brüs­se­ler Graf­fi­ti-Sze­ne er­le­ben sie al­ler­dings seit ein paar Jah­ren eine Art Re­nais­sance. Wann der ers­te  Graf­fi­ti-Bleis­tift in Brüs­sel auf­tauch­te, lässt sich nicht mehr ge­nau er­mit­teln. Es muss um 2010 ge­we­sen sein. Eine ano­ny­me Grup­pe von Graf­fi­ti-Künst­lern hat seit dem die eu­ro­pä­i­sche Haupt­stadt samt ih­rer Vor­or­te mit weit mehr als hun­dert ganz un­ter­schied­li­chen Bleis­tift-Graf­fi­ti be­rei­chert. Das Künst­ler­kol­lek­tiv nennt sich „créons“ – lasst uns schöp­fe­risch sein –   ge­bil­det aus den den fran­zö­si­schen Wor­ten cray­on (Bleis­tift) und créer (er­schaf­fen, er­schöp­fen, kre­ie­ren), und laut­ma­le­risch an­ge­lehnt an „cray­ons“ (Bleis­tif­te).

Von den meis­ten Bür­gern und Bür­ge­rin­nen Brüs­sels wird die­ses span­nen­de, hu­mor­vol­le und kre­a­ti­ve Graf­fi­ti-Pro­jekt aus­ser­or­dent­lich po­si­tiv auf­ge­nom­men. Si­cher wa­ren es auch die­se po­si­ti­ven Re­ak­ti­o­nen, die die Grup­pe créons dazu be­wegt ha­ben, auch aus­ser­halb der Brüs­se­ler Stras­sen auf ihr Pro­jekt auf­merk­sam zu ma­chen.

Im Ok­to­ber 2014 gab es im Brüs­se­ler Stadt­teil Schaer­beek in ei­nem lee­ren un­be­wohn­ten Haus in der Rue van Hoor­de 33 eine Aus­stel­lung der Grup­pe créons un­ter dem Ti­tel “Mine de rien” (etwa: Un­schulds­mi(e)ne).

Im Herbst 2015 ver­öf­fent­lich­te die Grup­pe die ers­te Aus­ga­be ei­ner créons-Zeit­schrift, in der der Brüs­se­ler Bleis­tift den Le­ser von Wän­den grüßt. 2016 folg­te ein zwei­tes Heft.

Eine zwei­te Aus­stel­lung un­ter dem The­ma “Quel­que part“ (Ir­gend­wo) fand im Spe­tem­ber 2016 eben­falls in ei­nem leer ste­hen­den Haus statt – dies­mal in der Rue des Tan­neurs 133-147 in der Brüs­se­ler In­nenstadt.

Mitt­ler­wei­le hat die Grup­pe créons ihre Ak­ti­vi­tä­ten et­was aus­ge­wei­tet. So gibt es auch Bleis­tift Graf­fi­ti in Me­che­len, ei­nem Ort unweit Brüs­sels,  in bel­gi­schen Klein­städ­ten und Land­schaf­ten so­wie in Bar­ce­lo­na, Lis­sa­bon, und Por­to.

Für Graf­fi­ti-Fans gibt es üb­ri­gens Graf­fi­ti-Füh­run­gen in Brüs­sel, die von dem Ver­ei­ne “Fais le Trot­toir”or­ga­ni­siert wer­den. Wei­te­re In­for­ma­ti­o­nen dazu gibt es auf der Fa­ce­book-Grup­pe “Vi­si­tes guidées graf­fi­ti et street art” so­wie auf der Web­sei­te von Fais le Trottoir.

Die Aus­stel­lung co­lou­red | town | tal­king mit den Fo­tos von Jür­gen Klu­te als Teil ei­nes Brü­cken­schlag-Pro­jekts zwi­schen dem kunst.raum in der Alt­stadt RE und dem Ate­lier das Gel­be Haus in RE-Süd will derzeit den Graffiti-Fans in Recklinghausen (DE) ei­nen Ein­druck von die­sem Brüs­se­ler Graf­fi­ti-Pro­jekt ver­mit­teln.  Und die Ausstellung ist auch ein kultureller Brückenschlag zwischen Recklinghausen und der Hauptstadt der EU. Schließlich will die Ausstellung bei­tra­gen zur Dis­kus­si­on um die Kul­tur­ent­wick­lungs­plä­ne, die der­zeit in der Re­gi­on ver­han­delt wer­den. Ergänzt wurde die Ausstellung im kunst.raum durch Kunstaktionen von den Recklinghäuser Künstlern Reiner Kaufmann (Fahrräder und Pro Polis) und Memo Guillermo Sanchez Recillas (Kubus und Barke).

Inspiriert wurde dieses Ausstellungsprojekt auch durch den Brüs­se­ler Künst­lers Obe­tre, der sich mit der Fra­ge be­fasst, wem der öf­fent­li­che Raum ge­hört und wer ihn wie nut­zen darf.

2007 hat Obe­tre in Brüs­sel ein Projekt zur Aus­ei­nan­der­set­zung mit dem The­ma Graf­fi­ti und öf­fent­li­cher Raum ini­ti­iert.

Drei Kurzvideos hat Obetre dazu produziert, die auf Vimeo zu sehen sind:

Video 1: sanstrace

Video 2: PixaSao. Les écritures saintes.

Video 3: « Legalize graffiti » Obètre | Bruxelles

Im dritten Video geht es um das von Obetre ver­fass­te Ma­ni­fest “Le­ga­li­ze Graf­fi­ti” (Text siehe unten).  Lutz Hei­ne­mann (Agen­da­fo­ren Süd­stadt RE), Reiner Kauf­mann (Ate­lier Das Gel­be Haus / CAM­PUS Em­scher­land eV – Das Gel­be Haus Netz­werk für Off Art Par­la­ment Ak­ti­ve und Agen­da 21, Tran­si­ti­on Town-Be­weg­te)­ und Jür­gen Klu­te (B1 | Graf­fi­ti Art Fo­rum . Ruhr – B1 | Eu­ro­pe­an Street Art Pa­pers) zu ei­nem Pla­kat in drei Versionen gestaltet: in fran­zö­si­scher, eng­li­scher und deut­scher Spra­che. Die drei Sprach­ver­si­o­nen die­ses Plak­tes sind Teil die­ser Aus­stel­lung. In­te­res­sier­te können diese Plakate über postbox |et| europa.blog erhalten.

Ein erstes Mal war diese Ausstellung übrigens vom 30. Oktober bis zum 27. November 2016 in der Off Art Galerie Das Gelbe Haus an der König-Ludwig-Straße im Recklinghäuser Stadtteil Süd zu sehen unter dem Titel „Der Bleistift von Brüssel“ und dem Motto „Le cray­on est la mai­son de l’âme de l’âne“. Dieses Motto spielt auf den Ort der ersten Ausstellung der Gruppe „créons“ im Brüssler Stadtteil Schaerbeek an. Zu der Zeit, als Esel noch als Last- und Zugtiere dienten, war es den Bauern nicht gestattet, an Markttagen ihre Esel mit auf den Brüssler Markt zu nehmen. Deshalb ließen sie ihre Esel während des Marktes in dem Brüsseler Stadtteil Schaerbeek zurück. Seither trägt Schaerbeek den informellen Namen „Ezelstad / Eselstadt“.

Die Finissage der Ausstellung in der Off Art Galerie Das Gelbe Haus wurde musikalisch von Jessica Burri (Hammered Dulcimer) mit Liedern aus ihrem Programm zur Reformation abgerundet. Jessica Burri hat Briefe von Frauen, die von der Reformation inspiriert wurden, an Zeitgenossen, die die Reformation bekämpften, vertont, sowie die Antworten auf diese Briefe.

 

Mehr die­ser “Bleis­tif­te” gibt es üb­ri­gens hier zu se­hen:
www.le-cray­on-de-bruxelles.eu

 

Fotos der Ausstellung in der Off Art Galleri Das Gelbe Haus, Recklinghausen-Süd

 


 

Fotos der Ausstellung im und der Kunstaktionen vor dem kunst.raum, Recklinghausen-Altstadt

 

 

 


Legalize Graffiti (DE)

Obetre: “Legalize Graffiti ist ein Projekt, an dem ich seit 2007 arbeite. Es ist das Produkt eingehender Überlegungen über das Verhältnis von Graffiti zum geltenden Rechtssystem. Es speist sich aus Nachforschungen in den Bereichen der Soziologie, Politikwissenschaft und dem öffentlichen Recht. Im Rahmen der Ausstellung Explosition im Museum von Ixelles im Jahr 2011 habe ich es entsprechend als Arbeitsprojekt und Fixpunkt anderer Arbeiten, vorgestellt, mit denen diese komplexe Thematik umrissen werden kann. Die Frage, ob es sich bei Graffitis um Kunst oder Vandalismus handelt, wird hier unserer subjektiven Betrachtung überlassen, während die Frage, ob es sich dabei um einen legitimen Akt der Kommunikation handelt, in den Mittelpunkt einer Ausstellung gestellt wird, die zu einer öffentlichen und sachlichen Debatte aufruft. Ich lade euch ein, den folgenden Text aufmerksam zu lesen, mit dem ihr unmittelbar in die theoretische Frage der Legalisierung von Graffitis eintauchen könnt.”

 

Das Ziel dieses Kunstprojektes ist es, die Legalisierung von Graffitis voranzutreiben und zu erreichen, dass diese als Ausdrucksform anerkannt werden.

Mit anderen Worten : Bildhafte Eingriffe im öffentlichen Raum sollten generell frei von politischem oder ökonomischem Druck sein. Der Dialog und der freie Ausdruck über Malerei, Zeichnungen, Skulpturen oder Videos in öffentlichen Räumen sollte – ebenso wie das gesprochene Wort – ein vollwertiges Recht sein.

Dieses Kunstprojekt zielt darauf ab, für die Legalisierung von Graffitis zu werben.

Die Debatte über diese Forderung wurde nur in Ansätzen geführt, obwohl sie sehr viele Fragen aufwerfen würde.

Beispielsweise existiert unserem Wissen nach keine organisierte, öffentliche Gruppe, die eine entsprechende Kampagne führt. Es gab keine Ausstellung zu dieser Fragestellung. Obgleich das Thema nicht völlig unbekannt ist, existiert keine französisch-, englisch- oder spanischsprachige Referenzwebsite dazu.

Zunächst einmal reden Graffit-Künstler selbst darüber, hinterfragen es, üben Kritik, sprechen sich dafür oder dagegen aus. Einige Wissenschaftler, Soziologen oder Graffiti-Begeisterte haben schon über die Legalisierung von Graffitis nachgedacht. Aber wie gesagt, eine organisierte Gruppe zur Unterstützung eines derartigen Vorschlags besteht nach meinem Wissen nicht.

Aus diesem Grund mag dieses Kunstprojekt in den Augen einiger provokativ, verrückt, absolut utopisch oder gefährlich erscheinen – aber es wirft eine Reihe von Fragen auf, die heute zunehmend relevant sind.

Um nur einige davon zu nennen :

  • die Frage der freien Äußerung und des Dialogs im öffentlichen Raum ;
  • jene über die Schaffung alternativer Medien gegenüber kommerzieller oder politischer Werbung im öffentlichen Raum ;
  • jene über die Existenz eines öffentlichen oder eines privaten Raums überhaupt ;
  • die Frage, wie ein öffentlicher Raum der Ideen und ein öffentlicher Raum im materiellen Sinn miteinander in Beziehung stehen.

Um diese Fragestellungen besser verständlich zu machen : Der öffentliche Raum im modernen Sinne, nämlich als Raum, in dem Ideen ausgetauscht werden und Angelegenheiten, die für die Allgemeinheit von Interesse sind, diskutiert werden, stammt aus den revolutionären Bewegungen des 18. Jahrhunderts. Er ist für jede Demokratie eine Grundvoraussetzung. Aber ein öffentlicher Raum besteht nicht für sich alleine. Er kommt erst durch Handlungen zustande, dadurch, dass von Freiheiten und den Ausdrucksformen, auf denen er basiert, Gebrauch gemacht wird.

Er ist auf zweierlei Art und Weise denkbar :

  1. ein öffentlicher Raum der Ideen – jener der Worte, Medien und der Kommuniaktion, auch bekannt unter dem Begriff der Öffentlichkeit
  2. ein öffentlicher Raum im materiellen Sinn – jener der Stadt, der Architektur, der Ornamentik, des städtischen Eigentums, der Dinge, die auf der Straße Platz einnehmen, der öffentlichen Plätze und Parkanlagen.

Gemeinhin wird das Recht der freien Äußerung im öffentlichen Raum mit der freien Rede in Verbindung gebracht, mit der Meinungsfreiheit, die in Belgien beispielsweise theoretisch gewahrt bleibt. Wir haben das Recht zu reden, zu sagen, was wir wollen – zumindest theoretisch. Aber wie wir es uns denken können ist der öffentliche Raum Teil einer materiellen Welt : Straßen, Häuser, Sitzbänke, Statuen, Autos, Werbeplakate, Schaufenster, Fassaden.

Jeder Gegenstand vermittelt eine Botschaft und nimmt daher mutmaßlich an einer öffentlichen Debatte teil – zu Themen, die für eine Gesellschaft von allgemeinem Interesse sind – und prägt dem Anschein nach die öffentliche Meinung. Doch während es theoretisch möglich ist, jedem, der sich auf der Straße zu einer bestimmten Idee äußert, zu antworten, ist es doch dennoch illegal oder faktisch unmöglich, spontan zu antworten und auf diese Weise einen Dialog in einem materiellen öffentlichen Raum anzustoßen. Ein Werbeplakat beispielsweise vermittelt eine Botschaft – « sei so schön wie dieses Top-Model, kaufe eine Anti-Aging-Creme ». Jeder kann das Plakat betrachten, sich eine eigene Meinung darüber bilden und mit seinem Nachbarn darüber diskutieren, aber niemand hat das Recht, dem Plakat – im künstlerischen Sinne – zu antworten.

Die materielle Welt des öffentlichen Raums verhält sich deshalb wie unerwiderte Sender, die mit dem Prinzip des Dialogs und damit auch mit der Idee eines öffentlichen Raums brechen.

Der Raum wird privatisiert, wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, in einen Dialog auf gleicher Augenhöhe zu treten. Gegenwärtig wird jener öffentliche Raum in zunehmendem Maße privatisiert – hauptsächlich durch kommerzielle Werbung – und von den Behörden, den Mächtigen und dem Staat instrumentalisiert, die ihr Herrschaftskonzept durchsetzen wollen.

Wenn Minderheiten ungehört bleiben, wenn Mehrheiten manches Mal zum Schweigen gebracht werden, wenn geniale Ideen nicht ausgesprochen werden, dann ist das darauf zurückzuführen, dass der – vemeintlich öffentliche – Raum der Kommunikation monopolisiert wurde und fest in den Händen der Mächtigen liegt.

Das emanzipative, demokratische und befreiende Potenzial des öffentlichen Raums wurde nie wirklich ergründet. Und genau um diesen Versuch einer Erkundung geht es in diesem Projekt zur Legalisierung von Graffitis, das nicht mehr als ein Projekt für die Legalisierung des freien Ausdrucks in all seinen Formen ist.

Es geht nicht darum, jungen Künstlern mehr Wände zur Verfügung zu stellen, sondern darum, den Bürgern einer Gesellschaft Möglichkeiten zu bieten, an dem Aufbau eines öffentlichen Raums mitzuwirken.

Der Motor des sozialen Aufstiegs ist nicht defekt – er hat überhaupt nie wirklich funktioniert. Dank zu vieler Räderwerke können Funktionäre, Mandatsträger und andere Vermögende jeden einzelnen Bürger davon abhalten, gleich und frei am öffentlichen Dialog teilzuhaben.

Das Prinzip der Legalisierung von Graffitis ruft nach einer direkten und partizipativen Demokratie (alle Macht dem Volke). Es basiert gleichfalls auf einem grundsätzlichen Vertrauen in das soziale Wesen und den freien und unzensierten öffentlichen Raum. Es baut auf der Beobachtung eines ungerechten und diskriminierenden Systems auf, das Ungleichheiten, Privilegien und eine Spielart der Sklaverei reproduziert.

Wir wollen eine gerechtere, fairere und respektvollere Welt ;  man sollte vielleicht damit beginnen, jeder Person die Mittel zu lassen, sie so zu machen.

Bei dem Kunstprojekt für die Legalisierung von Graffitis handelt es sich also um ein kollektives Projekt über das – in ebendiesem öffentlichen Raum – jene Fragen von allgemeinem Interesse anzusprechen.

Plakat zum Download (deutsche Version): Poster-3-pencil-pinc-DE-drei-Spalten-klein


Legalize Graffiti (FR)

Obetre: “Legalize Graffiti est un projet sur lequel je travaille depuis 2007. Il est le fruit d’une réflexion sur le rapport du graffiti au système législatif actuel. Il se nourrit de recherches en sociologie, en science politique et en droit commun. Lors de l’exposition Explosition, au musée d’ixelles en 2011, je l’ai présenté tel un chantier en cours au centre d’autres travaux permettant de cerner cette problématique complexe. La question de savoir si le graffiti est de l’art ou du vandalisme est ici renvoyée à notre subjectivité tandis que celle de savoir s’il est un acte de communication légitime ou pas est placé au centre d’une exposition qui appelle un débat public et objectif. Je vous invite à lire attentivement le texte suivant qui vous plonge droit dans le sujet théorique de la Légalisation du Graffiti.”

 

Ce projet artistique vise à promouvoir la légalisation du graffiti dans le but de légitimer son expression.
C’est-à-dire que toutes interventions plastiques ayant lieu dans l’espace public soient libres de pressions politiques ou économiques. Que s’exprimer et dialoguer par la peinture, le dessin, la sculpture, ou encore la vidéo dans l’espace public soit un droit inaliénable au même titre que la parole.
Ce projet artistique à pour but donc de promouvoir cette légalisation.
Cette légalisation qui pose de nombreuses questions et appelle à de nombreux débats, n’a été que sommairement discutée.
Par exemple il n’existe à notre connaissance aucun groupe organisé et médiatisé qui milite pour cette légalisation. Il n’a existé aucune exposition sur ce sujet. Il n’existe sur internet en langue française, anglaise ou espagnole aucun site de référence sur ce sujet qui pourtant n’est pas complètement inconnu.
Tout d’abord les graffeurs eux mêmes en parlent, le questionnent, le critiquent, le réfutent ou le défendent.Certains chercheurs, sociologues ou amateurs de graffitis ont déjà eu à penser cette légalisation. Mais encore une fois, il n’existe à ma connaissance aucun groupe organisé pour défendre cette proposition de légalisation du graffiti.
C’est pourquoi ce projet artistique peut apparaître provoquant, insensé, purement utopique ou dangereux pour certains, mais soulève un certain nombre de questions qui sont de plus en plus pertinentes aujourd’hui.
Pour n’en citer que quelques-unes :

– Celle de la libre expression et de dialogue dans l’espace public.

– De la création de médias alternatifs à la publicité commerciale ou politique dans l’espace public.

– De l’existence même d’espace public.

– De la limite entre l’espace public et l’espace privé.

– Du rapport entre l’espace public idéel et celui matériel.
Nous nous expliquons un peu mieux. L’espace public dans son sens contemporain, comme espace d’échange et de dialogue des questions d’intérêt commun à une société, est issu des mouvements révolutionnaires du 18ème siècle. Il est l’un des fondements de toute démocratie. Mais l’espace public n’existe pas en soi, il n’existe que par des actes, des prises de liberté, des expressions qui le fondent.

Il est concevable de 2 manières :

  1. l’espace public idéel, celui des idées, des paroles, des médias, des communications ou autrement appelé ; la sphère publique.
  2. l’espace public matériel, celui de l’urbanisme, de l’architecture, des ornementations, du mobilier urbain, des objets qui prennent place dans la rue, les places, les parcs…

Communément, la liberté d’expression dans l’espace public est apparentée à la libre parole, à la liberté d’opinion qui en théorie est préservée en Belgique par exemple. On a le droit de parler, de dire ce que l’on veut, enfin, en théorie.

Mais comme nous pouvons le concevoir l’espace public est constitué d’un monde matériel ; des rues, des maisons, des bancs, des statues, des voitures, des panneaux publicitaires, des vitrines, des façades. Chaque objet transmettant un message et donc participant soi-disant au débat public, aux questions d’intérêt commun à une société, et formant l’opinion publique.
Mais s’il est possible de répondre en théorie à quiconque s’exprimant dans une rue sur une idée donnée, il est cependant illégal ou effectivement impossible de répondre spontanément, et donc d’instaurer un dialogue, dans  l’espace public matériel.

Par exemple une affiche commerciale émet un message « soit aussi belle que cette top-modèle là, achète cette crème anti-vieillissement », tout le monde peut la regarder, se faire sa propre opinion dans sa tête et en discuter avec son voisin mais personne n’a le droit de répondre à cette affiche plastiquement parlant.

Ainsi, le monde matériel de l’espace public agit comme des émetteurs unilatéraux, brisant avec le principe de dialogue et donc avec le principe d’espace public.

L’espace est privatisé lorsqu’il n’y a plus de moyen d’instaurer de dialogue d’égal à égal.

A l’heure actuelle cet espace public est de plus en plus privatisé, par la publicité commerciale essentiellement, et instrumentalisé par les services d’ordres, les maîtres au pouvoir et l’état, pour y imposer leur stratégie de domination.

Si les minorités ne sont pas entendues, si des majorités sont parfois poussées au silence, si de brillantes idées ne sont pas communiquées c’est que l’espace de communication, sensé être public, est monopolisé et conservé entre les mains des nantis.
Le potentiel émancipateur, démocratique et libérateur de l’espace public n’a jamais été exploré réellement. Et c’est bien cela que le projet de légalisation du graffiti, qui n’est autre qu’un projet de légalisation de l’expression sous toutes ses formes, tente d’explorer.

Non pas qu’il s’agit de donner plus de murs à peindre à des jeunes artistes, mais il s’agit

de donner de réelles possibilités aux citoyens d’une société de participer à la construction de l’espace public.
L’ascenseur social n’est pas en panne, il n’a jamais vraiment fonctionné, trop de rouages permettent aux représentants, aux élus ou aux autres nantis d’empêcher à chaque citoyen de participer équitablement et librement aux dialogues publics.

Le principe de légalisation du graffiti appelle à une démocratie (le pouvoir au peuple) directe et participative. Elle est basée également sur une confiance en l’être sociale, en l’espace public libre et non censuré. Elle s’est bâtie sur l’étude d’un système injuste, discriminatoire et reproducteur des inégalités, des privilèges et d’une forme d’esclavagisme.
Nous voulons un monde plus juste, plus équitable, plus respectueux, il faudrait peut-être commencer par laisser à chaque personne les moyens de le rendre ainsi.

Le projet artistique de légalisation du graffiti est donc un projet collectif qui vise à traiter, justement dans l’espace public, de ces questions d’intérêt commun.

Plakat zum Download (französische Version): Poster-1-pencil-yellow-FR-drei-Spalten-klein

 


Legalise Graffiti (EN)

Obetre: “Legalize Graffiti is a project I began in 2007. It is the result of careful consideration about graffiti in relation to the current legal system. It is based on social, political and legal research. During the Explosition exhibition at the Museum of Ixelles in 2011 I presented it as a work in progress and as the centrepiece of many other art studies that deal with this complex issue. The question of whether graffiti is art or vandalism depends here on our subjectivity. However the question of whether it is a legitimate act of communication or not is placed at the centre of this exhibition, which calls for a public and objective debate. I invite you to read the following text that enables you to dive right into the theoretical subject of the Legalization of Graffiti.”

 

This art project aims to promote the legalisation of graffiti with the goal of legitimising its expression.

In other words, all plastic interventions in a public space should be free from political or economic pressure.  Self-expression and dialogue in a public space through painting, drawing, sculpture or video should be a legitimate right in the same way as the spoken word.

The goal of this art project is therefore to promote this legalisation.

This legalisation that poses numerous questions and calls for numerous debates has only briefly been discussed.

For example, as far as we know, no organised or publicised group exists that campaigns for this legalisation.  There has been no exhibition on this subject.  There is no reference website in French, English or Spanish on this subject, even though the subject is not completely unknown.

For a start, graffiti artists themselves are talking about it, questioning it, criticising, refuting or supporting it.  Certain researchers, sociologists or graffiti enthusiasts have already thought about this legalisation.  But once again, to my knowledge, no organised group exists to support this proposal to legalise graffiti.

That is why this art project may appear provocative, insane, purely utopian or dangerous to some, but it raises a number of questions that are increasingly pertinent today.

To cite just a few:

  • that about free expression and dialogue in a public space;
  • about the creation of alternative media to commercial or political advertising in a public space;
  • about the very existence of a public or private space;
  • about the relationship between a public space of ideas, and a physical public space.

To explain a little better, a public space in its contemporary sense, as a space for exchanging ideas and holding dialogue about issues of common interest to a society, came from the revolutionary movements of the 18th century.  It is one of the foundations of any democracy.  But a public space does not exist in itself.  It only exists through action, using freedom, the expressions on which is it based.

It can be conceived of in two ways :

  1. a public space of ideas – that of words, of media, of communication, otherwise known as the public arena
  2. a physical public space – that of urbanism, of architecture, of ornamentation, of urban property, of objects that take up place in the street, public squares and parks.

Commonly, freedom of expression in a public space is related to free speech, to the freedom of opinion that, theoretically, is maintained in Belgium, for example.  We have the right to speak, to say what we want – at least, theoretically.

But as we might imagine, a public space is part of a physical world: streets, houses, benches, statues, cars, billboards, shop windows, façades.  Each object transmits a message and therefore supposedly participates in public debate, in issues of common interest to a society, and supposedly shapes public opinion.  But while it is possible, theoretically, to respond to anyone expressing themself in a street on a given idea, it is nevertheless illegal or effectively impossible to respond spontaneously and thus to start a dialogue in a physical public space.

For example, a commercial poster sends out a message – ²be as beautiful as this top-model, buy an anti-ageing cream².  Everyone can look at it, make up their own mind about it and discuss it with their neighbour, but no one has the right to respond to this poster artistically speaking.

The physical world of a public space therefore acts as one-sided emitters, breaking with the priniciple of dialogue and thus with the principle of a public space.

The space is privatised when there is no longer a means to start a dialogue on equal terms.  At the current time, this public space is increasingly privatised, mainly by commercial advertising, and instrumentalised by the authorities, by the masters of power and of the state, in order to impose their strategy of domination.

If minorities are not heard, if majorities are sometimes pushed to silence, if brilliant ideas are not communicated, it is because the communication space, which is supposedly public, is monopolised and retained in the hands of the wealthy.

The emancipating, democratic and liberating potential of a public space has never really been explored.  And it is exactly this that the project for legalising graffiti, which is only a project for legalising expression in all its forms, is trying to explore.

It is not about giving more walls to young artists, but about giving real possibilities to the citizens of a society to participate in the construction of a public space.

Social mobility has not stopped working – it never really worked in the first place.  Too much machinery enables representatives, the elected or other wealthy people to prevent each citizen from participating equally and freely in public dialogue.

The principle of legalising graffiti calls for direct and participative democracy (power to the people).  It is also based on trust in the social being, in a free and uncensored public space.  It is built on the analysis of an unjust and discriminatory system that reproduces inequalities, privileges and a form of slavery.

We want a fairer, more just, more respectful world.  Perhaps we ought to start by leaving each person the means to make it so.

The art project of legalising graffiti is therefore a collective project that aims to deal with these questions of common interest fairly and in a public space.

Plakat zum Download (englische Version): Poster-2-pencil-gruen-EN-drei-Spalten-klein

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