Italienischer EU-Korrespondent entlassen nach unbequemer Frage zum Gaza-Krieg

Von Jürgen Klute / API-IPA

Während der mittäglichen Pressekonferenz der Europäischen Kommission am 13. Oktober 2025 stellte der italienische Journalist Gabriele Nunziati, der für die italienische Presseagentur Agenzia Nova arbeitete, eine kritische Frage bezüglich der Verantwortung der israelischen Regierung für die während des Gaza-Krieges verursachten Zerstörung im Gazastreifen. Wie kürzlich bekannt wurde, wurde die Frage dem italienischen Journalisten nun zum Verhängnis: Er wurde gefeuert.

Die in Brüssel ansässige Internationale Pressevereinigung (API-IPA) kritisierte in einer am 7. November veröffentlichten Stellungnahme die plötzliche Entlassung von Gabriele Nunziati infolge seiner kritischen Frage an die EU-Kommission.

Dafydd ab Iago, Präsident der API-IPA, stellte in dem Statement klar: „Journalisten stellen schwierige und unbequeme Fragen. Das ist unsere Aufgabe. Es ist auch nach wie vor ein Grundpfeiler der Pressefreiheit. Einen Reporter dafür zu bestrafen, dass er bei der täglichen Pressekonferenz der Europäischen Kommission seine Arbeit macht, sendet eine abschreckende Botschaft an alle Korrespondenten in Brüssel und in Europa.“

Nunziati hatte seine Frage an Paula Pinho, Chefsprecherin der Europäischen Kommission, und Anouar El Anouni, Sprecher für Außen- und Sicherheitspolitik, gestellt gehabt. Nach Angabe von API-IPA lautete seine Frage wie folgt: „Sie haben mehrfach wiederholt, dass Russland für den Wiederaufbau der Ukraine aufkommen sollte. Sind Sie der Meinung, dass Israel für den Wiederaufbau des Gazastreifens aufkommen sollte, da es fast alle Straßen und zivilen Infrastrukturen zerstört hat?“

Paula Pinho, die Chefsprecherin der EU, antwortete darauf laut API-IPA: „Gabriele, das ist definitiv eine interessante Frage, zu der ich zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar abgeben möchte.“

Diese Frage wurde später vom Arbeitgeber des Journalisten, der Agenzia Nova, als technisch falsch und unangemessen bezeichnet.

Dafydd ab Iago hielt dem entgegen: „Unabhängig von der Formulierung oder der wahrgenommenen Richtigkeit sollte kein Journalist wegen einer legitimen, wenn auch unbequemen Frage in einer Pressekonferenz der Europäischen Kommission mit beruflichen Sanktionen oder Entlassung rechnen müssen.“

API-IPA unterstrich, dass die Europäische Kommission ihr Bekenntnis zur Medienfreiheit und Offenheit gegenüber allen Fragen, die während ihrer Briefings gestellt werden, bekräftigt habe.

Diese Disziplinarmaßnahme erscheine unverhältnismäßig, strafend und potenziell rechtswidrig und untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unabhängigkeit der Presse, heißt es weiter in der Stellungnahme von API-IPA. Konstruktiver Dialog und professionelle Beratung – nicht Entlassung – sollten das bevorzugte Mittel sein, um vermeintliche Fehler oder Fehleinschätzungen von Reportern anzusprechen.

Die API-IPA forderte Agenzia Nova daher auf, ihre Entscheidung zu überdenken und ihr Bekenntnis zu den Grundsätzen der journalistischen Unabhängigkeit, Verhältnismäßigkeit und Fairness zu bekräftigen.

„Wir solidarisieren uns mit allen Journalisten, die ihre Arbeit frei, verantwortungsbewusst und ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen ausüben wollen“, betonte die Stellungnahme der internationalen Journalistenorganisation abschließend.

Über API-IPA

API-IPA wurde 1975 gegründet und vertritt über 400 bei der EU, der NATO und Belgien akkreditierte Mitglieder des Brüsseler Pressekorps.

Titelbild:  © Hanna Penzer

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