Aktualisierung 23.08.2025: Kurz nach Erscheinen des Artikels wurde Andrej Oscharowski wieder freigelassen.
Von Bernhard Clasen
Der russische Physiker und Umweltaktivist Andrej Oscharowski wurde in der Mongolei festgenommen. Der Atomphysiker und Atomkraftgegner hatte zuvor in Zusammenarbeit mit mongolischen Umweltschützern Uranabbaustellen in der Wüste Gobi nach Spuren von Radioaktivität untersucht. Dies berichtet das von Oscharowski mit betriebene Portal „Bezrao“ (Sicherheit von Atommüll).
Messungen an alten Uranminen – mit Folgen
Oscharovskij ist Gründer des Programms „Sicherheit von Atommüll“ und beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen von Uranbergbau in Russland, unter anderem in der Region Kurgan und in Krasnokamensk. Wegen seiner Expertise haben ihn nun mongolische Umweltaktivisten eingeladen, in der Wüste Gobi nach radioaktiver Kontamination zu suchen.
Oscharowski besucht seit Jahren Orte möglicher radioaktiver Strahlung in der früheren Sowjetunion . Nun ist er in der Mongolei. Und er wurde fündig.
Festnahme
Doch während Oscharowski mit seinen Geräten am Messen war, kam eine Mitarbeiterin der Einwanderungsbehörde auf ihn zu und forderte ihn auf, seinen Pass vorzuzeigen. Obwohl alle Einreisestempel in Ordnung waren und russische Staatsbürger kein Visum für die Mongolei benötigen, wurde der Pass von den Behörden vorläufig eingezogen. Er musste seine Forschungen abbrechen, und wird derzeit von den Behörden der Mongolei festgehalten. Diese werfen ihm vor, ein russischer Spion des KGB zu sein. Oscharowski widerspricht diesem Vorwurf entschieden. „Ich bin ein Agent der Umwelt“ hält er entgegen.
Sensible Funde in der Nähe französischer Minen
Besonders brisant: Einige Tage vor seiner Festnahme dokumentierte Oscharowski mutmaßliche erhöhte Strahlung nahe einer aktiven Uranmine, die vom französischen Konzern Orano Mining betrieben wird. Dieses Unternehmen nutzt seit über zehn Jahren die Methode der „unterirdischen Auslaugung“, bei der Säure in den Boden gepresst wird, um Uran aus dem Gestein zu lösen.
„Es entstehen unterirdische Seen aus radioaktiven Abfällen“, so Oscharovskij. Den Prozess bezeichnet er als „die barbarischste Methode“ der Uranförderung. Auch in Russland werde diese Technik eingesetzt – mit ähnlichen Folgen für die Umwelt..
Laut Oscharovskij vermuten viele Einheimische einen Zusammenhang zwischen Uranbergbau, verunreinigtem Grundwasser, vermehrten Krebserkrankungen und dem vermehrten Sterben von Haustieren und Vieh.
Medienkampagne und Spionagevorwürfe
Noch vor der offiziellen Festnahme hatten mongolische Medien eine regelrechte Kampagne gegen den russischen Umweltschützer gestartet. Oscharovskij wurde als „KGB-Agent“ bezeichnet, der angeblich das „erfolgreiche französisch-mongolische Uranprojekt“ sabotieren wolle.
Ungewisse Lage
Bislang haben die mongolischen Behörden keine offizielle Erklärung zu Oscharovski abgegeben. Sein Pass bleibt weiterhin in den Händen der Behörden, eine Weiterarbeit an den Umweltuntersuchungen ist ihm derzeit nicht möglich.
Titelbild: Foto: Andrej Oscharowski; Foto: privat
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