Jesse Reimann ist Hundeliebhaberin und Herausgeberin der Webseite Happyhunde.de. Ihr Thema ist der artgerechte Umgang mit Hunden. Als Hundeliebhaberin verfolgt sie auch die (europäische) Gesetzgebung und deren Bedeutung für Hundebesitzer*innen. In diesem Beitrag geht es um die Frage, inwieweit CO-2-Regulierungen auch auf Hunde als Haustiere Anwendung finden.

Von Jesse Reimann

2021 verschärfte die EU noch einmal das Klimaziel. Die bei den Vereinten Nationen (UN) eingereichten EU-Klimaziele sehen eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Startpunkt ist der Stand von 1990. Durch die Maßnahme soll die durch den Klimawandel befürchtete Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius begrenzt werden. Durch diese Ziele könnten weitreichende nachteilige Veränderungen für die menschliche Zivilisation und Naturkatastrophen verhindert werden.

Um die Klimaziele der EU einhalten zu können, zahlst du inzwischen CO₂-Abgaben auf alle Arten von Treib- und Kraftstoffen. Teilweise legen auch die Industrie und der Handel ihre Abgaben in Form von angepassten Warenpreisen auf dich um. Klimaschutz bedeutet für dich also zunächst einmal Mehrausgaben. Allerdings wirst du als Mensch und Bürger auch Vorteile davon haben, denn die Klimaerwärmung kann uns alle auf verschiedenste Weise treffen.

Leipzig prüft eine mögliche CO₂-Steuer für Hunde

Um die EU-Ziele einzuhalten sind Bürger, Regionen und Städte aufgerufen, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verabschieden. Die sächsische Stadt Leipzig hat bereits 2019 einen Klimanotstand ausgerufen. Seitdem bastelt die Stadt an ehrgeizigen Klimaschutzzielen, um die CO₂-Emissionen pro Einwohner alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken. Das könnte eine Reduzierung von 2,5 Tonnen pro Kopf bis 2050 bedeuten.

Um diese Ziele durchzusetzen, haben sich Stadträte allerlei Neuerungen überlegt. Der wahrscheinlich umstrittenste Vorschlag kam 2021 von der Partei „Freibeuter“. Die politische Gruppierung besetzt derzeit 4 von 70 Plätzen im Leipziger Stadtrat. Die Vertreter der Mini-Partei reichten einen Antrag ein, wonach die Hunde Leipzigs zukünftig mit einer CO₂-Steuer belegt werden sollten.

Die CO₂-Emissionen von Hunden

Mit der Begründung der Einhaltung der „strengen Klimaschutzziele“ in Leipzig wurde der Antrag mit folgenden Wortlauten eingereicht: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, das die Klimaziele der Stadt Leipzig bei der Erhebung der Hundesteuer berücksichtigt“.

Weiter hieß es in dem Antrag der Partei: „In Leipzig waren Anfang 2019 mehr als 21.611 Hunde registriert, die zusammen 13.614,93 Tonnen CO₂ ausstießen“.

Wissenschaftliche Grundlage des Antrags war eine Studie der Technischen Universität Berlin. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass ein mittelgroßer Hund während seines Lebens für rund 8,2 Tonnen CO₂ verantwortlich ist. Ermittelt wurde die Summe aus Werten wie Atemluft, Kraftstoffaufwand für Fahrten zum Tierarzt, die Produktion von Hundefutter und Hundezubehör.

Jährlich bringt es ein Hund also auf 630 Kilogramm CO₂-Emissionen.

Würde die Abgabe wirklich höhere Einnahmen bedeuten?

Die Freibeuter legten nahe, die CO₂-Emissionen der Tiere durch eine Anpassung der Hundesteuer in Leipzig zu berücksichtigen. Würde die Stadt dies im Rahmen des Vorschlags der vier Abgeordneten tun, stiege die Abgabe von derzeit 96 Euro pro Jahr auf einen dreistelligen Betrag.

Das könnte insbesondere nicht finanzstarke Hundehalter, darunter auch Senioren und Rentner, mit geringen Bezügen, empfindlich treffen.

Alles Wahnsinn – wetterten die Hundefreude. Die Hundeexpertin Jesse Reimann von Happyhunde nennt den Vorschlag übertrieben und hofft, dass man in ihrer Heimatstadt Berlin von ähnlichen Abgaben absehen wird. Streitlustige Politiker, Stimmungsmacher und Hundegegner dagegen begrüßten die Idee.

Im Stadtrat wurde angezweifelt, dass der Antrag dem Klimaschutz wirklich höhere Einnahmen bescheren könne. Experten vermuteten sogar einen Rückgang der Hundehaltung, die Verschlechterung der Beziehung zum Hund in der Stadt oder eine Abwanderung von Hundehaltern in andere Städte und Gemeinden.

Die Stadtregierung hat den Antrag mit den Worten „alle kommunalen Abgaben und Steuern werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima analysiert“ an die zuständigen Gremien weitergeleitet. Das war um Juni 2021 und ein Beschluss steht bis heute aus. Du kannst dir nun selbst überlegen, ob es bei diesem Antrag wirklich um Klimaschutz für die Welt oder vielmehr um medienwirksame PR für die Freibeuter-Partei ging.

2013 sorgte der Vorschlag einer Pferdesteuer für ähnlich viel Aufregung. Eingeführt wurde die (CO₂-unabhängige) Abgabe von bis zu 750 Euro jährlich nur von einigen Gemeinden in Hessen und dort sollen Pferdehalter massenweise abgewandert sein.

Titelbild: Jamie Street unsplashed licence via unsplashed

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