Der folgende Kommentar von Bart Eeckhout erschien urspünglich am 19. Dezember 2025 unter dem Titel „Europa mag Bart De Wever dankbaar zijn. Weinigen hadden dat tot een jaar geleden verwacht. Ik ook niet“ in der belgischen niederländischsprachigen Zeitung De Morgen. Die Übersetzung und Wiedergabe des Artikel auf EuropaBlog erfolgt mit Zustimmung der Redaktion von De Morgen.
Bart Eeckhout ist Chefkommentator. Er hätte nicht erwartet, dass der eurokritische Vorreiter De Wever die EU vor einem großen Risiko bewahren würde.
Von Bart Eeckhout
Meistens ist es umgekehrt. Aber in der Euroclear-Frage ist es wichtiger, dass der belgische Premierminister Bart De Wever (N-VA) Recht hat, als dass er am Ende auch Recht bekam.
Der Plan, die eingefrorenen russischen Guthaben bei Euroclear in Brüssel als Sicherheit für einen Notkredit an die Ukraine zu verwenden, war von Anfang an eine riskante und schlechte Idee. Der ruchlose Vorschlag barg erhebliche rechtliche, finanzielle und sogar geopolitische Risiken für unser Land, aber auch für den Rest Europas.
Vielleicht noch wichtiger ist das politische Argument: Wenn man das russische Geld jetzt schon ausgibt, kann man es nicht mehr einsetzen, sobald jemals wirklich über Frieden und Wiederaufbau in der Ukraine gesprochen wird.
Es ist daher gut, dass dieser gefährliche Plan – vorläufig – verworfen wurde. Und ja, das ist ein politischer Triumph für De Wever, aber es wird sich auch als Triumph für die Europäische Union erweisen.
Genau weil die russischen Gelder dort bleiben, wo sie sind. Das verschafft der EU einen Platz am Verhandlungstisch über die Zukunft der Ukraine. Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Russland für den künftigen Wiederaufbau seines Nachbarlandes, in das es mit mörderischer Gewalt eingefallen ist, bezahlen wird, wobei die Gelder als Druckmittel dienen.
Das hätte viel schlimmer ausgehen können. Im schlimmsten Fall hätte die Ukraine, die sich in einer Notlage befindet, nichts oder nichts Definitives bekommen. Dann würde die EU oder Europa als schwacher, unzuverlässiger Verbündeter dastehen, so wie es auch die USA unter Donald Trump sind. Das ist das Schreckensszenario, mit dem De Wever in den letzten Wochen konfrontiert worden ist: Er sei Putin und Trump hörig und grabe das Grab der Ukrainer.
Das ist natürlich grotesker Unsinn. Der größte Erfolg von De Wever und seinen europäischen Mitstreitern besteht nicht darin, dass sie die waghalsige Euroclear-Wette abgewendet haben. Sondern darin, dass sie einstimmig eine bessere, klarere Alternative durchgesetzt haben.
Der neue Plan mit dem gemeinsamen Darlehen bringt der Ukraine genau denselben Betrag ein und verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zu transparenter Solidarität (und einer demokratischen Debatte darüber). Und er isoliert das Trio Ungarn, Slowakei, Tschechien und ihren gesamten komplizenhaften rechtsextremen Club als das, was sie wirklich sind. Sie sind nämlich die Augen Moskaus.
Dass Bart De Wever einen Sieg davontragen darf, müssen seine Gegner nun erst einmal verdauen. Der Premierminister hatte inhaltlich Recht und wurde politisch bestätigt. Das gelang nur, weil sein Gegner, der deutsche Bundeskanzler Merz, zwar größer und mächtiger, aber auch ungeschickter und ungeduldiger ist. Wie der chinesische Kriegsstratege Sun Tzu lehrt, gewann De Wever, indem er die Stärken und Schwächen seines Gegners ausnutzte.
Seit einem Jahr ist Bart De Wever der flämisch-nationalistische Republikaner, der das Königreich Belgien regiert. Jetzt ist er außerdem das eurokritische Aushängeschild, das die EU vor einem großen Risiko bewahrt.
Nichts ist endgültig, niemand ist über Kritik erhaben. Aber bis auf Weiteres kann Europa Bart De Wever dankbar sein. Das hätten vor einem Jahr nur wenige erwartet. Ich auch nicht. Bart De Wever hätte das wahrscheinlich selbst nicht erwartet. Aber sehen Sie, so weit sind wir nun.
(Übersetzung: Jürgen Klute)
Titelbild: © Hanna Penzer (2025)
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