Beitrag von Vesna Caminades

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

lassen Sie mich diesen Beitrag mit einem Schmunzeln beginnen. Also wie jemand sagen würde “Kopfkino”…. Stellen Sie sich vor: ich stehe im Supermarkt vor einem Regal mit Präparaten, um Saucen zu kochen. Sie wissen schon, diese schrecklichen Pulverchen, voller E-Zusätze, die wunderbar würzig schmecken, von denen aber jeder weiß, dass sie ein Schreckgespenst für unsere Gesundheit sind. Also, voller Ehrfurcht nehme ich eine Packung in die Hand. Ja, denn ich habe ein “V” gesehen, “V” wie vegan. Ich traue meinen Augen nicht. Tatsächlich handelt es sich um ein Präparat, um eine Jägersauce zu servieren. Zubereitet mit Pilzen aus Bio-Zucht. Was könnte sich ein Veganer Besseres wünschen? Also führe ich mir auch die Zubereitungsbeschreibung zu Gemüte. Und da packt mich der Schlag. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Steht da nicht: Choux de Bruxelles geröstet mit Kartoffeln und Jägersauce. Soweit, so gut. Während Sie die Kartoffeln im Ofen backen, bereiten Sie die Schweinskoteletten mit der (wohlgemerkt veganen) Jägersauce her.

Na, was gibt es Besseres?? Da lacht sogar das Schwein, wenn es nicht einen schrecklichen Tod erfahren hätte. Was ich damit sagen will? Entweder ist das vollkommenes Unwissen oder Volksverdummung. Der vegane Lebensstil wird meines Erachtens nicht als solcher respektiert. Vegan ist eher eine Modeerscheinung. Einige komische Leute, die einfach wie Außenseiter keine Tierprodukte essen wollen. Würde hingegen unsere Gesellschaft die vegane Lebenseinstellung als solche anerkennen, dann gäbe es ein holistisches Angebot und eine Aufklärung, die damit einhergeht. Ja, genau: eine Aufklärung. Viele Leute wissen nämlich überhaupt nicht, was “vegan” bedeutet. Mir ist es erst vor ein paar Tagen passiert, dass ich in einer Kantine, welche von einem sehr bekannten Franchising geführt wird, ein veganes belegtes Brot bestellt habe. Man verkauft mir ein Tortilla-Sandwich. Ich habe noch nachgefragt “Sind Sie sicher, dass dies vegan und nicht vegetarisch ist?” Ganz sicher … Nun ja, geschmeckt hat es wie eine ganz Schachtel Eier. Ich dachte, gutgläubig wie ich bin, dass es sich um ein Ei-Substitut handelte. Am nächsten Tag, nach erneutem Nachfragen, die kalte Dusche. Es waren wirklich Eier. Und der Verkäufer hat sich nicht einmal entschuldigt.

Nicht nur, dass ich nun wirklich Schwierigkeiten habe, um tierische Produkte zu verdauen. Nein, das wäre noch auszuhalten. Aber die Wut, reingelegt worden zu sein und wegen der Ignoranz eines Verkäufers, gegen meine Prinzipien gegangen zu sein, das macht mich rasend. Aber da gibt es viele Beispiele. Ich kann langsam all die Fertigprodukte auch nicht mehr so recht leiden. Abgesehen davon, dass sie oft derart schlecht schmecken, dass man kaum das  Gericht bis zum letzten Bissen runterschlucken kann. Die sind derart voll gepumpt mit Geschmacksverstärkern und komischen Kräutern, etc. damit sie auf Biegen und Brechen wie eine Merguez schmecken müssen oder aber wie Salami oder Schinken. Oder aber Hühnchen und Thunfisch. Beim besten Willen, ist es nicht einfacher, ein ganz stinknormales gesundes Gericht vorzubereiten? Ausgeglichen zwischen Bohnen, Gemüse, Getreide und womöglich Käseersatz? Und dann entfachen sich die Streitigkeiten rund um die veganen Produkte, die sich als Burger verkaufen usw. Und das Ärgste bei all dem: diese Veganer – Alternativen, die sind sauteuer. Gut, das ist wohl nicht der passende Ausdruck in diesem Zusammenhang. Aber Sie haben verstanden. Diese Fertiggerichte sind oft derart übertrieben teuer, dass man als “normaler/Tiere verzehrender” Mensch viel mehr bekommen würde fürs eigene Geld.

Denken Sie nur an ein praktisches Beispiel: ein Veganer-Croissant kostet 2,75 EUR. Ein normales Buttercroissant hingegen ein Drittel davon 0,95 EUR. Das kann doch nicht wahr sein? Ist das nicht Ausnützerei und jemanden für blöd halten? Glauben denn diese Leute, dass Veganer mit einem Gehaltszusatz versehen werden, weil sie eben diese “Krankheit – den Veganismus” erwischt haben? Ich bitte Sie. Hier ein höchst interessanter Artikel des SWR zu dieser Frage. “Während ein halbes Kilo Hackfleisch im Supermarkt etwa drei Euro kostet, ist die gleiche Menge des veganen Ersatzproduktes oft bis zu doppelt so teuer.”

Weiters “Neben der Herstellung kann auch die Produktforschung teuer sein. Viele vegane Produkte müssen nämlich erst entwickelt werden. In der Fleischwirtschaft sind die Strukturen meist bereits etabliert, die Betriebe größer. Sie können von Skalenerträgen profitieren. Vor allem im Sektor der veganen Ersatzprodukte gibt es viele junge Start-Ups, die diese günstigen Produktionsbedingungen nicht vorfinden können. Ein weiterer Grund liegt in der sogenannten “freien Preisgestaltung”. Das heißt: Wenn der Hersteller bemerkt, dass Kundinnen und Kunden die vegane Frikadelle auch dann noch kaufen, wenn sie 60 Cent teurer ist als das Fleischpendant, wird er die Preise erhöhen.” Dieser folgende Artikel führt hingegen noch weitere Gründe an:

1) Das Angebot für pflanzliche Ersatzprodukte ist noch nicht so groß

2) Die Absatz- und Produktionsmengen von Ersatzprodukten sind noch zu klein

3) Die Erzeugung tierischer Lebensmittel wird staatlich subventioniert

4) Tiere werden so günstig wie möglich gezüchtet, gehalten und geschlachtet

5) Anbieter pflanzlicher Lebensmittel setzen vermehrt auf gesündere Inhaltsstoffe

6) Tierische Lebensmittel werden mit dem begünstigten Steuersatz besteuert.

Also sitze ich jetzt da mit meiner Packung Jägersauce und denke über all das nach. Und wie ich die Schweinskoteletten ersetzen kann. Welch eine Herausforderung. Das nennt man Gleichberechtigung. Ich nenne das Diskriminierung. Bitte reden Sie mit Freunden und Familie darüber – Danke IAMA

Titelbild: by Kyla Borg CC BY 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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