Robert Krotzer (KPÖ), Stadtrat in Graz | Foto: privat

Die Kommunisten in Graz haben bei der vergangenen Wahl tausende Stimmen dazugewonnen. Auch ein Innviertler profitiert davon: AHS-Lehrer Robert Krotzer aus Burgkirchen wird Stadtrat. Was er mit seinem neuen Verdienst macht, warum er Kommunist ist, und warum ein Arbeiter die FPÖ nicht wählen sollte, verrät er im Warte-Interview.

Mit 29 Jahren werden Sie der jüngste Stadtrat in der Geschichte der Stadt Graz sein. Wie fühlen Sie sich?

Ich blicke der neuen Aufgabe als Stadtrat mit Freude entgegen, auch wenn damit natürlich neue Herausforderungen auf mich warten.

Werden Sie auch weiterhin unterrichten?

Als Mitglied der Grazer Stadtregierung darf ich gar keinen weiteren Beruf ausüben. Die Schule, die Schüler und die Kollegen werde ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen.

Sie werden von ihrem 10.000 Euro Brutto-Verdienst zwei Drittel spenden. Wofür?

Für KPÖ-Politiker gibt es eine selbst auferlegte Gehaltsobergrenze von 2200 Euro, mit dem restlichen Geld werden Menschen in Notlagen unterstützt – etwa, wenn das Geld für Heizung und Strom oder auch den Schulausflug der Kinder fehlt.

Glauben Sie, dass Berufspolitiker zu gut bezahlt werden?

Ja, definitv. Politiker sollen der Definition nach Volksvertreter sein, das wird allerdings schwer, wenn sie sich mit ihrem Gehalt soweit von der normalen Bevölkerung abheben. Den meisten Politikern fehlt jeder Bezug zu den alltäglichen Sorgen und Nöten der Bevölkerung. Sie können sich nicht vorstellen, wie es ist von einer Mindestpension, einer Lehrlingsentschädigung oder auch dem niedrigen Lohn für einen harten Job zu leben. Darum wird für diese Menschen auch keine Politik gemacht, obwohl sie die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen.

Warum sind Sie Kommunist?

Die acht reichsten Männer der Welt besitzen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, also über 3,6 Milliarden Menschen. Von oben werden immer weitere Angriffe auf Arbeitsrechte, Kürzungen im Gesundheitswesen oder auch sogenannte „Freihandelsabkommen“ wie TTIP und CETA geplant. Dabei verliert die große Mehrheit der Bevölkerung auf Kosten einiger weniger. Ohne Gegenwehr von unten drohen die arbeitenden Menschen verarmt und ohne Rechte wie Ende des 19. Jahrhunderts dazustehen, obwohl unsere Gesellschaft so reich ist wie nie zuvor. Das grundlegend zu ändern ist das Ziel der Kommunisten.

Warum ist die KPÖ in Graz so stark, während sie in anderen Teilen Österreichs fast vergessen ist?

Die Grazer KPÖ ist für die Menschen greifbar, bodenständig und hilft bei Problemen auch mit den eigenen Gehältern, während andere Politiker nur reden. Wir verstehen uns als nützliche Partei für das tägliche Leben, die auf keinen Menschen vergisst. Von der Parteiführung in Wien wurde die Arbeit in Graz lange Zeit als Schrebergartenpolitik abgekanzelt, während sie die Partei bundesweit mit einem falschen Programm immer weiter in die Bedeutungslosigkeit geführt hat. Die Menschen brauchen die KP aber als neue, ehrliche Arbeiterpartei und nicht als Zirkel linker Besserwisser. Die Arbeit gerade vieler junger Menschen auch außerhalb der Steiermark macht mir Hoffnung, dass wir eines Tages bundesweit wieder als soziale Alternative wahrnehmbar sein werden.

Das Innviertel, die blaue Hochburg: Wenn Sie so aus der Ferne das politische Geschehen Ihrer Heimat mitverfolgen: Was würden Sie anders machen?

In einem Satz: Eine Politik, die dafür sorgt, dass die Menschen wieder mehr in der Geldbörse haben – anstatt immer noch weniger. Die FP profitiert vor allem von der Unzufriedenheit und stillen Wut über eine Regierung, die nur Politik für die eigenen Funktionäre, die Industriellenvereinigung, die Banken und die EU macht. Auf die Menschen schaut schon längst niemand mehr. Das tut aber auch die FPÖ nicht. Während Schwarz-Blau hat sie bewiesen, dass sie wahre Meister bei Korruption, Privatisierungen oder Pensionskürzungen sind. Da hat sich wenig geändert, so bezog der Welser FPÖ-Bürgermeister Rabl neben seinem monatlichen Gehalt von 13.000 Euro auf ungesetzliche Weise noch zwei weitere Einkommen. Ein Arbeiter, der die FPÖ wählt, stimmt gegen seine eigenen Interessen, weil auch diese Partei Politik für Banken und Konzerne macht. Und sie täuscht mit ihrem Rassismus die arbeitende Bevölkerung, die mit ihren Kollegen, die aus Kroatien oder der Türkei stammen, wesentlich mehr gemeinsam hat, als mit einem österreichischen Fondsmanager oder Vorstandsvorsitzenden.

Was wird man im Innviertel in Zukunft von Robert Krotzer hören?

Ich darf im Herbst in Uttendorf mein Buch „Langes Schweigen. Der NS-Faschismus in österreichischen Schulbüchern“ präsentieren.


Titelbild: Murinsel bei Nacht (Graz / Österreich) Foto und Copyright: Michael Fuchs, Nutzung erfolgt unter CC BY-SA 2.0

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