Beitrag von Vesna Caminades

Bitte keinen Müll am Straßenrand liegen lassen
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich sitze vor meinem Laptop und bin beim Überlegen, worüber ich diesmal gerne schreiben würde. Es beginnt zu tröpfeln, eigentlich regnet es regelrecht. Schon wieder. Dieses Wochenende sind schwere Regenfälle und Unwetter vorgesehen. Nicht wie beim letzten Mal, aber immerhin. Etliche Personen haben durch die Überschwemmungen in verschiedenen Teilen Europas alles verloren. Viele sind mit beträchtlichen finanziellen Schäden davongekommen. Einige haben ein wichtiges „Hab und Gut“ für immer verloren: deren Haustier.

Wir haben alle in den vergangenen Tagen Fernsehreportagen gesehen und Zeitungsberichte mit Bildern gelesen, wo man sieht, wie die Leute versuchen, ihre wichtigsten Dinge in Sicherheit zu bringen. Es gibt Menschen, die haben nicht lange überlegt. Ich denke da an einen Mann, das Wasser reicht ihm bis zur Taille und er kämpft sich durch mit seinen zwei Katzen in den Armen. Es muss schrecklich sein, wenn man ein Haustier hat und sich in solch einer Situation befindet. Ich selbst habe zwei Hunde und vier Katzen. Diese Ereignisse haben mich zutiefst berührt. Dies vor allem auch, weil ich mir denke, was würde ich in diesem Fall tun? Meine Katzen lassen sich nicht alle leicht einfangen, in einer solchen Situation wahrscheinlich noch weniger. Wäre ich gezwungen eine Wahl zu treffen, welchen meiner Vierbeiner ich rette? Wen lasse ich zurück? Die Katze, die eher kränklich ist? Jene, die mich öfters kratzt? Die Älteste? Nehme ich meinen kleinen behinderten Hund mit und lassen den Großen zurück, da er sich wahrscheinlich im Notfall eher über Wasser halten kann? Diese Gedanken haben mich nicht in Ruhe gelassen und ich habe keine Antwort gefunden.

Diese Unwetter haben jedoch auch den Landwirten und ihren Zuchtbetrieben stark zugesetzt. Jemand meinte sehr rationell: „Pferde haben da vielleicht eine Chance, weil sie größer sind. Schweine, Schafe und Ziegen sind da aber sofort verurteilt.“ Jemand anders meinte: „Hoffentlich finden diese Tiere wieder zu deren Besitzer.“ Nun, ehrlich gesagt: diese Besitzer also die Bauern haben ebenfalls alles verloren, wo sollen diese Kühe etc. denn untergebracht werden? Für einen Hund findet man noch eine Notlösung, doch nicht für etliche Ziegen, Kühe und Hühner. Und selbst wenn. Wäre ich so ein Nutztier, ich persönlich würde lieber ertrinken, als dass ich überlebe, um dann so und so notgeschlachtet zu werden. Auf jeden Fall steht für mich seit meiner Geburt der Schlachter auf dem Programm. Soll ich dann dankbar sein, dass man mich „rettet“, damit ich wiederum die Kugel in den Schädel verabreicht bekomme? Ich bin doch nicht dumm!

Die Tiere in der Wildnis, in den Tierheimen und in den Zoos haben es da auch nicht sehr viel einfacher gehabt. Einige konnten vorübergehend anderweitig untergebracht werden. Doch da geht so viel einher. Die Tiere brauchen Verpflegung, Medikamente, Decken, Schlafkörbe, etc. Wo soll das alles herkommen? Internet bietet die Lösung!

Was mich in diesen Tagen sehr beeindruckt hat, war die Flut an Facebook-Gruppen, die von Null-Auf-Hundert entstanden sind. Es gibt sehr viele Groups und überall liest man herzzerreißende Nachrichten mit Bildern, von Tieren, die tot gefunden wurden oder die besitzerlos herumlaufen. Ich habe es als schwierig empfunden, mich da zurecht zu finden. Ich hätte einfach gerne gewusst, ob es Tierheime gibt, die beim Aufräumen Hilfe brauchen. Dazu habe ich keine Aufrufe gefunden. Das heißt nicht, dass es keine gibt, wohl gemerkt. Dafür habe ich viele Hilferufe gesehen, um Futter und Material zu schicken. Eine Person hatte sogar eine Amazon-Wunschliste vorbereitet. Eine einzige Seite, die all diese Informationen und Aufrufe zusammenfasst, wäre da von enormer Hilfe finde ich. Klarerweise ist das alles aber so schnell geschehen und es gab einfach nicht die Zeit, um dies irgendwie zu strukturieren. Enorm viele Menschen bieten Hilfe an, das muss auch gesagt werden. Viele, die einfach in die überschwemmten Gebiete fahren und mit anpacken. Auch um die Eigentümer zu helfen, deren Tiere zu suchen. Für viele ist leider die Gewissheit, den eigenen Vierbeiner „wenigstens“ tot aufgefunden zu haben, bereits eine Beruhigung. Lieber als der Zweifel, ob das kleine Fellbündel nicht irgendwo stecken geblieben ist und leidet. Hier das Beispiel einer Facebook-Gruppe zu vermissten Tieren. Es reicht das Schlagwort „Tiere vermisst Überschwemmung“ in der jeweiligen Sprache einzugeben und schon findet man die entsprechende Seite.

Hier ein Artikel vom Standard International vom „Tierleid nach der Flut“. Auch Wildtiere und Fische sind stark betroffen worden. Nach ihnen sucht aber niemand, sie werden nur gefunden. Fische, die mit Wucht an Land gespült wurden und nicht mehr zurückfanden. Vögel, die durch den Hagel schwer verwundet wurden. Einer Ente wurde das Rückgrat durch ein Hagelkorn gebrochen. Rehe, die vielleicht irgendwo auf einer Anhöhe Rettung finden konnten. Rettung – vorübergehend, denn wo soll denn so ein Tier nun die Nahrung herkriegen? Hier ein Artikel zum Thema „Rettung der Fische“.

Wenn ich heute über die Überschwemmung aus der Sicht der Tiere schreibe, dann heißt das bei Weitem nicht, dass ich die Personen, die gestorben sind oder jene, die alles verloren haben, nicht bemitleide. Viele unter ihnen haben aber nicht nur mit der Angst, um sich selbst oder ihrer Familie zu kämpfen, sondern auch weil sie ihre treuen Begleiter zurückließen oder lassen mussten. Genau, denn ich glaube, dass es diese und jene Menschen gibt. Solche, die auf Biegen und Brechen lieber bei ihrem Vierbeiner bleiben und das eigene Haus auf keinen Fall verlassen wollen und solche, die hingegen keine fünf Sekunden überlegen und nur an sich selbst denken. Dazwischen gibt es dann noch die Menschen, die alles versuchen, um das Fellbündel ebenfalls zu retten; einige schaffen es, andere leider nicht. Ich will kein Urteil aussprechen, denn es ist zu einfach, große Reden zu schwingen, wenn man diesen Horror nicht selbst durchgemacht hat und keine Ahnung hat, wie man persönlich handeln würde.

Glücklicherweise wurde für solche Tiereigentümer vielerorts auch etwas unternommen. Hier ein Beispiel:

Die Feuerwehr Trier setzte sich deshalb in der Nacht zu Freitag für die Tiere ein, rettete über 60 Haustiere aus den verlassenen Häusern. Die Einsatzkräfte hatten eine Liste erstellt und gingen in Gummistiefeln in die entsprechenden Häuser, so ein Sprecher der Stadt Trier. Auch ein Radlader wurde eingesetzt. Die geretteten Tiere werden vorerst im Tierheim Trier-Zewen untergebracht – die Besitzer sind erleichtert.

Dies ist aber nicht allein für konventionelle Haustiere der Fall! In Aachen mussten die Tiere der Reptilienauffangstation in Sicherheit gebracht werden, die Station fiel den teilweise zwei Meter hohen Wellen zum Opfer – kurz vor der Flutwelle konnten die allermeisten Tiere evakuiert oder in höher gelegene Terrarien umgeschichtet werden, sodass fast alle 100 Tiere überlebten.

Wenn wir über Überschwemmung und Tier nachdenken, dann dürfen wir allerdings einen sehr wichtigen Aspekt nicht aus den Augen verlieren, oder eher eine Gefahr: die Ratten. Gerade nach den Unwettern drohen Rattenplagen, da sie ebenfalls in ihrem „Gleichgewicht gestört“ wurden und nun dank der Tierkadaver und Lebensmittel, die überall herangeschwemmt werden, Futter in Hülle und Fülle finden – allerdings an der Erdoberfläche. Hier ein Artikel dazu.

Die Überschwemmung ist wohl ein Ausdruck des Klimawandels, über den so viel geschrieben wird und von dem einige noch glauben, es gäbe ihn nicht. Die Natur ist Gewalt, und zwar im positiven wie auch im negativen Sinn, denn sie kann manchmal unaufhaltsam sein. Es gibt allerdings noch etwas anderes auf der Welt, das unaufhaltsam und leider sehr mächtig ist: die menschliche Dummheit.

Hier ein Aufruf, den ich eben gelesen habe und den ich gerne mit Ihnen teile:

Eupen: Sicherheitsvorkehrungen für die Regenfälle am Wochenende – Müll nicht mehr am Straßenrand legen. „Außerdem bittet die Stadt Eupen, keinen Müll mehr an den Straßenrand zu legen.“

Kann es das sein, dass wir dank einer Katastrophe dazu bewegt werden, keinen Abfall mehr am Straßenrand zu deponieren? Wie oft finden wir auch in vielen Stadtvierteln Müll unter Bäumen, Elektrogeräte, Betten, Möbel, aber auch Müllsäcke. Müllsäcke, die klarerweise auch Essensreste beinhalten, die gefundenes Fressen sind für Streuner aber auch Ratten. Und dann wundern wir uns, wenn Ratatouille an die Oberfläche kommt, um sich einen Leckerbissen zu holen? Diese übermäßigen Regenfälle haben viel Zerstörung mit sich gebracht, einige Menschen werden für immer gezeichnet bleiben. Viele Tiere sind grausam ums Leben gekommen oder werden noch immer vermisst. Auch Tiere können ihren Frauchen und Herrchen nachtrauern und irgendwo ängstlich auf Hilfe warten. Die größte Katastrophe ist aber leider, wenn der Mensch keine Lehre daraus zieht und „weiter haust“ wie bisher. Gegen solch ein Unheil gibt es wohl keine Rettung. Reden wir darüber und beginnen wir etwas zu ändern, auch nur Kleinigkeiten. Jeder von uns kann einen wichtigen Beitrag leisten – Danke IAMA

Titelbild: wallsdontlie CC BY-NC-ND 2.0 via FlickR

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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