Der ostbelgische Europaabgeordnete Pascal Arimont hat sich dadurch einen Namen erarbeitet, dass er im Europäischen Parlament konsequent für den Schutz von Bienen eingetreten ist und auch weiterhin eintritt. Vesna Caminades von Europa.blog hat sich am 9. Januar mit ihm getroffen, um sich mit ihm über sein Tierschutzengagement, dass keineswegs nur auf Bienen bezogen ist, auszutauschen.

Im Anschluss an das Gespräch hat Vesna Caminades mit ihm das folgende Interview geführt.

Vesna Caminades: Sind Bienen heutzutage für die Umwelt von Bedeutung? Wenn ja, welche Rolle spielen sie?

Pascal Arimont: Ganz klares Ja! Die aktuelle Lage der Bienen und Bestäuber im Allgemeinen sind ein ganz klares Indiz dafür, dass der Mensch im Umgang mit der Natur sehr viele Fehler macht, die irreparabel sein werden, wenn wir nicht gewaltig gegensteuern. Laut einer Studie deutscher Wissenschaftler ist die Anzahl der Fluginsekten innerhalb von dreißig Jahren bereits um 76 Prozent zurückgegangen. Daneben zeigen uns weitere Studien, wie sehr wir Menschen von diesen kleinen Tieren abhängig sind. In der EU hängen 84 Prozent der Kulturpflanzenarten zumindest teilweise von der Bestäubung durch Insekten ab. Bis zu 15 Milliarden Euro des jährlichen landwirtschaftlichen Ertrags der EU sind direkt auf Bestäuber zurückzuführen.

Vesna Caminades: Warum sind sie vom Aussterben bedroht?

Pascal Arimont: Wir wissen, dass der Klimawandel zum Artensterben beiträgt und dies auch die Bienen betrifft. Ein weiterer Grund für das Insektensterben ist die mangelnde Vielfalt auf unseren Feldern. In vielen Fällen wird in der Landwirtschaft auf Monokulturen gesetzt. Dadurch wird den Bienen eine wichtige Lebensgrundlage genommen. Drittens ist der Einsatz von Insektiziden und der so genannten Neonikotinoide ein Grund für das Bienensterben. Auch der Einsatz von Glyphosat schädigt nachweislich die Darmbakterien von Honigbienen und führt folglich zum Rückgang des Bestands an Bestäubern. Des Weiteren leiden die Bienen bei uns in Europa an Viren, Parasiten und invasiven gebietsfremden Arten wie der Varroa-Milbe, die aus Asien zu uns gekommen ist.

Vesna Caminades: Wie kann man dem auf globaler Ebene vorbeugen? Was kann jeder von uns persönlich tun (z.B. Blumen im Garten pflanzen)?

Pascal Arimont: Wir müssen als Politik gegen die genannten Gründe vorgehen. Das bedeutet: Ein konkreter Kampf gegen den

Pascal Arimont (Foto: privat)

Klimawandel, ein entschlossenes Vorgehen gegen die Monokulturen in der Landwirtschaft, eine starke Einschränkung der Insektizide und eine intensivierte Forschung zur Bekämpfung der Krankheiten und Parasiten, die Bienen befallen.

Was das persönliche Handeln angeht, sollte auch zuhause auf Neonikotinoide oder Mittel wie Glyphosat verzichtet werden. Zudem können wir im Garten dafür sorgen, den Bienen eine gute Lebensgrundlage zu bieten, indem zusammenhängende Lebensräume etwa durch Wildblumenstreifen geschaffen werden. In vielen Regionen werden Samen für bienenfreundliche Wildpflanzen verteilt, die man im Garten anpflanzen kann. Auch Nistmöglichkeiten für Wildbienen – so genannte Bienenhotels – können den Tieren im Garten Schutz bieten.

Eine weitere gute Idee ist es, Honig aus regionaler Produktion von lokalen Imkern zu kaufen. Denn die große Anzahl des im Supermarkt angebotenen Honigs stammt aus Importen – oftmals aus Ländern, in denen Gentechnik-Pflanzen in Monokulturen angebaut werden.

Vesna Caminades: Was unternimmt die Europäische Union?

Pascal Arimont: Beim Verbot der Neonikotinoide hat die EU erste Schritte gemacht. So sind im April 2018 die Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam vollständig verboten worden.

Ich glaube aber, dass wir hier viel weiter gehen müssen. Die Leitlinien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die die Zulassung von Pestiziden betreffen, müssen deutlich strenger werden. Hier sperren sich aber die Mitgliedstaaten. Als Parlament haben wir die Kommission dazu aufgefordert, das für Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam geltende Verbot auf sämtliche Pestizide auf Neonikotinoid-Basis auszuweiten.

Die EU hat 2018 zudem eine „EU-Initiative für Bestäuber“ präsentiert. Das ist sicherlich ein wichtiger Ansatz. Aber dieser Plan ist noch nicht konkret genug. Was wir brauchen, sind verbindliche Reduktionsziele für den Einsatz von Pestiziden, die für Bienen und Bestäuber schädlich sind. Die EU muss ein umfassendes Aktionsprogramm für Bestäuber aufstellen, das auch mit ausreichend Mitteln im EU-Haushalt ausgestattet ist. Auch die Forschung muss weiter intensiviert werden, damit den weiteren Ursachen für das Bienen- und Insektensterben – die Varroa-Milbe, invasive Arten, usw. – besser entgegengetreten werden kann.

Im Rahmen der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollten ebenfalls stärkere Anreize für die bienenfreundliche Produktion geschaffen werden – auch im Sinne der Weiterentwicklung von Methoden des Pflanzenschutzes, die Bestäuber nicht schaden.

Vesna Caminades: Gibt es spezielle Projekte für Kinder, um sie zu sensibilisieren? (Bitte Links angeben falls möglich)

Pascal Arimont: Ich denke da spontan an eine Initiative, die Imker aus meiner Region ins Leben gerufen haben: Sie besuchen die dortigen Schulen und klären über die Bedeutung der Biene und der Imkerei auf. Das ist wichtig, denn schon von klein auf sollte hierfür ein Bewusstsein geschaffen werden. In Deutschland gibt es ähnliche Aktionen, wie z.B. „Bienen machen Schule“.

Vesna Caminades: Wie wäre die Welt ohne Bienen?

Pascal Arimont: Ein solches Szenario möchte ich mir nicht ausmalen. Die Bienen sind nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich

Pascal Arimont (2. v.l.) bei der Verleihung des BeeAward (Foto: privat)

überlebenswichtig für uns Menschen. Wie gesagt, werden bis zu 15 Milliarden Euro des jährlichen landwirtschaftlichen Ertrags in der EU auf die Bestäuber zurückgeführt. Wenn die Biene fehlt, haben wir gewaltige Probleme – auch konkret in Bezug auf unsere Ernährung. Zwar gibt es in China und Amerika bereits aberwitzige Projekte, bei denen die Bestäubung maschinell oder per Hand durchgeführt wird. Das kann für uns aber keine Alternative sein. Denn an der Biene und den Insekten hängen ganze Ökosysteme. Diese Tiere leisten direkte und indirekte Ökosystemleistungen wie Bestäubung, Schädlingsbekämpfung oder Erhaltung der Boden- und Wasserqualität. Ihr Verschwinden hätte dramatische Folgen, die wir gar nicht genau abschätzen können.

Vesna Caminades: Warum liegt Ihnen dieses Thema am Herzen und wie setzen Sie sich sonst noch für Tiere ein?

Pascal Arimont: Ich bin auf einem kleinen, landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Dort entwickelt man schnell ein Verständnis für Natur und die Lebewesen, mit denen man jeden einzelnen Tag zusammen verbringt. Daher war ich für das Thema Umwelt und Tierschutz eigentlich immer empfänglich.

Was das Thema der Bienen angeht, bin ich auch durch Imker aus meiner Region auf das Problem aufmerksam gemacht worden. Mir war sofort klar, dass etwas getan werden muss, um gegen das Bienensterben vorzugehen. Bestäuber sind, wie gesagt, einer der wichtigsten Indikatoren für die Gesundheit unserer Umwelt. An diesen kleinen Tieren hängt sehr viel. Und der Umgang mit ihnen zeigt, wie ernst wir es mit dem Umwelt- und Tierschutz tatsächlich nehmen. Daher war es für mich z.B. eine Ehre, bei den „European Bee Awards“, einer Auszeichnung, mit der jedes Jahr wertvolle Bienenschutz-Projekte in der Landwirtschaft geehrt werden, in diesem Jahr erstmals in der Jury sitzen zu dürfen.

Darüber hinaus stehe ich beim Thema Tierschutz in Kontakt mit Verbänden, wie etwa GAIA in Belgien. Hieraus sind gemeinsame Aktionen entstanden, wie beispielsweise gegen die Praktiken der gewaltsamen Fütterung von Gänsen zur Herstellung von Gänsestopflebern.

Vesna Caminades: Vielen Dank für das Gespräch

Titelbild: Fleissige Bienen | Foto: Wisi Greter via FlickR, Lizenz: CC BY-NC 2.0

Wer Fragen oder Anregungen zu diesem Thema an Vesna Caminades hat, kann sich unter dieser E-Mail-Adresse an sie wenden: iama4iwannaknow |et| gmail.com oder Mobile Phone +32488617321.

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Pascal Arimont und Vesna Caminades im Gespräch | Foto: J. Klute

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