Beitrag von Jürgen Klute

„Wusstest Du schon, unsere niederländischen Nachbarn haben in diesen Tagen eine Brücke in Betrieb genommen, die gedruckt wurde. Sie entstand im 3 D-Druckverfahren, besteht aus 800 Schichten Beton, ist acht Meter breit, wiegt zwei Tonnen und ist in drei Monaten Bauzeit fertig geworden. Typisch niederländisch: Nur Fahrradfahrer dürfen sie nutzen. Eine ähnliche 3 D-Brücke gibt es in Spanien in einem Park nahe Madrid. Eine dritte wird bald aus Stahl entstehen. Wo? Für einen Kanal in Amsterdam.“ So schrieb Dietmar Seher, Reporter bei Correctiv.Ruhr, am 25. Oktober 2017 in “Wir für NRW”, dem täglichen Newsletter von Correctiv.Ruhr.

Die Schnelligkeit, mit der der 3-D-Druck in immer neue Bereiche vorstößt, ist atemberaubend. 1988 kam der erste 3-D-Drucker auf den Markt. 22 Jahre später kam der erste Drucker für eine private Nutzer auf den Markt.

Zunächst konnten die Drucker nur relativ kleine Gegenstände aus Kunststoff produzieren. Dann kamen Produkte aus Metall hinzu.

Im August 2015 berichtete das Luxemburger „Tageblatt“ (Flugzeugteile aus dem Drucker), dass Airbus sich darauf vorbereitet, ab 2016 3-D-Drucker in der Serienproduktion von Flugzeugteilen aus Titan, Edelstahl und Aluminum einzusetzen.

Im März 2017 berichtete „Die Welt“ (So baut ein Roboter ein ganzes Haus für 9500 Euro), dass ein 3-D-Drucker innerhalb von 24 Stunden ein ganzes Haus produziert hat – für 9.500 Euro.

Die Wirtschaftszeitschrift „Brandeins“ berichtete in dem Beitrag „Was kommt nach dem Container?“ in der Ausgabe Nr. 7 / 2017, dass ein Start Up im Rotterdammer Hafen dabei ist, erstmals Schiffsschrauben im 3-D-Druckverfahren herzustellen.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass mittels der 3-D-Drucktechnik mit immer unterschiedlicheren Materialen immer größere und komplexere Produkte hergestellt werden können. Neuerdings nun auch Brücken aus Beton und auch aus Stahl.

Für die Wirtschaft bedeutet diese Entwicklung eine tiefgreifende Veränderung. An die Stelle zentraler großer Fertigungsbetriebe wird die Produktion Schritt für Schritt dezentralisiert. Konkret heißt das, dass Produkte zukünftig dort gefertigt werden, wo sie gebraucht werden. Und statt Massenproduktion werden Klein- und Kleinstserien möglich, die bisher wirtschaftlich unrentabel waren. Im Blick auf Airbus heißt das, dass Ersatzteile für Flugzeuge nicht mehr wie bisher zentral produziert und dann zu den Wartungshallen auf den Flughäfen transportiert werden müssen. 3-D-Drucker lassen sich auf jedem Flughäfen aufstellen. Ersatzteile können dann nach Bedarf vor Ort auf den Flughäfen hergestellt werden.

Dass das auch Auswirkungen auf den Transportsektor haben wird, ist unschwer nachvollziehbar. In dem oben zitierten Brandeins-Artikel über den Rotterdamer Hafen heißt, dass durch die 3-D-Drucktechnik bis zu 40 % des Containerumsatzes weltweit entfallen könnten. Das ist vor allem eine Herausforderung für die Politik.

Titelfoto: Knochen als 3-D-Druck | Foto: Ars Electronica Center (CC BY-NC-ND 2.0)

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