Wer hat Angst vorm roten Mann im Hambacher Forst?

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Wer hat Angst vorm roten Mann im Hambacher Forst?

Aus dem Leben eines Dauerurlaubers

Text und Bilder von Hans Niehus

Der Nikolaus hatte frei, mal wieder, und Weihnachten lag noch in weiter Ferne.

Schon immer wohnte er in einer kleinen Hütte im Hambacher Forst. Niemand hatte diese Hütte je zu Gesicht bekommen, selbst Google-Earth konnte diesen geheimen Ort nicht lokalisieren, obwohl Fotos von Behausungen im Internet kursieren, in denen der Weihnachtsmann angeblich wohnt. Alles Quatsch.

Der Nikolaus kennt den Hambacher Forst wie seine Westentasche und unternimmt täglich lange Spaziergänge.

Diesmal aber war alles ein bisschen anders. Unternehmungslustig wie immer schnappte er sich den Spazierstock und machte sich auf den Weg.

Schon nach wenigen Metern blieb er abrupt stehen. Was war das denn?, fragte er sich, war das etwa ein Miniaturelefant auf einem Baumzweig, hier in meinem Forst?

Nachdenklich schob er die Mütze aus der Stirn, aber da wo die Mütze hätte sein sollen fühlte er nur einen kahlen Schädel. Verdammt, die Mütze war weg!

Er ging ein paar Schritte zurück und ungefähr an der Stelle, wo er hoch über sich den Mini-Elefanten gesichtet hatte, entdeckte er sie. Sie war in den Zweigen eines Baumes hängengeblieben.

Und sah jetzt irgendwie anders aus, mehr wie ein Elefantenkopf.

Er schaute noch einmal hinauf in das Blattwerk des Baumes, der kleine Elefant war verschwunden. Konnte es sein, dass der Elefant auf wundersame Weise in die Mütze gefahren war? Lächerlich, dachte der Weihnachtsmann und unterzog die ganze Szenerie einer eindringlichen Prüfung.

Wirkt irgendwie arrangiert, schlussfolgerte er, könnte also auch das ästhetisch fragwürdige Ergebnis künstlerischer Bemühungen durchgeknallter Waldpädagogen sein.

Vorsichtig befreite er die Mütze aus den Zweigen.

Er erinnerte sich noch gut an voriges Jahr. Da hatten die örtlichen Waldpädagogen einen Teil des Forstes für einen Tag verhüllt, um darauf hinzuweisen, wie wichtig der Hambacher Forst für das ökologische Gleichgewicht sei und wie karg, grau und unwirtlich eine Welt ohne Wälder sein würde.

Verpackungskunst eben in schöner Christo-Manier. Leider befand sich die Behausung des Weihnachtsmannes auch im verhüllten Teil des Forstes, so dass er einen Tag lang kein natürliches Licht hatte und auch auf seinen Spaziergang verzichten musste.

Der Weihnachtsmann konnte sich mit der neuen Elefantenoptik seiner Mütze überhaupt nicht anfreunden. Eigentlich mochte er die liebenswürdigen Dickhäuter, aber sie sollten doch bitteschön nicht das Aussehen seiner Mütze bestimmen. Deshalb versuchte er mit allen Mitteln die ursprüngliche Nikolausmützenform wiederherzustellen.

Zunächst zog er sie in alle Richtungen, dann schlug er auf sie ein, schließlich tobte und sprang er auf ihr herum. Aber nichts half.

Zu allerletzt stülpte er sie über den Kopf einer Schaufensterpuppe, die er gelegentlich als Garderobenständer nutzte und entschloss sich, das elefantöse Gehabe der Mütze mit einem Küchenmesser zu beenden, als …

… sich das Rüsselende der Mütze in eine superstarke Hand verwandelte, die ihn davon abhielt, zuzustechen.

Der Weihnachtsmann erschrak, was machte er hier eigentlich? Eine Mütze umbringen?

Der Nikolaus, ein Mörder?!

Er ließ die Klinge sinken. Ich bin doch der Gute!, schrie er in den Raum hinein.

Resigniert gestand er sich ein, dass er an der Form seiner Mütze wohl nichts würde ändern können. Sie verfügte über Kräfte, die selbst den Weihnachtsmann bezwingen konnten. Langsam zog er sie über den Kopf und trat wieder einigermaßen zufrieden mit sich selbst vor den Spiegel.

Es stellte sich schon bald heraus, dass die Elefantenmütze viele Talente hatte.

Sie strich die Wohnzimmerdecke, während der Weihnachtsmann – in frischer Unterwäsche und in Kapellmeisterpose – eine imaginäre Symphonie dirigierte …

… oder sie holte wie weiland John Wayne die Sheriffsterne gleich eimerweise vom Himmel, während der Nikolaus gespannt die lange Western-Nacht auf Arte verfolgte.

Nach und nach begann der Nikolaus, die eigenwillige Mütze zu akzeptieren. Sie wurde schließlich Teil seiner einsamen Weihnachtsmannpersönlichkeit. Gespräche, die er früher mit sich selbst führte, führte er nun mit der Elefantenmütze. Manchmal stundenlang, wobei es mehr als einmal vorkam, dass sie die Gesprächsführung übernahm und Vorträge über Persönlichkeitsspaltung oder bedrohte Tierarten hielt.

Der Weihnachtsmann genoss diese Zweisamkeit. Dennoch und weil Weihnachten noch in so weiter Ferne lag war ihm oft langweilig und er verspürte das große Verlangen, eine Aufgabe zu haben.

Deshalb übernahm er hin und wieder Aushilfsjobs, z.B. als Aushilfskraft im städtischen Museum.

Auch diesen Job erledigte der Nikolaus gewissenhaft, wobei die Elefantenmütze so manchen Schabernack mit den ausgestellten Kunstwerken trieb.

Einmal meinte die Elefantenmütze, er müsse den durchgeknallten Waldpädagogen im Hambacher Forst Paroli bieten und selbst eine Kunstaktion durchziehen. Der Weihnachtsmann war einverstanden und schon am nächsten Tag ging´s los …

Die Aktion wurde von einer Museumsbesucherin mitgeschnitten, auf you tube eingestellt, erhielt viele Millionen Klicke und ging später unter dem Titel Ilona Misa in die Annalen der Video-Kunstgeschichte ein.

Besagte Museumsbesucherin war das einzige menschliche Wesen, das jemals die Behausung des Weihnachtsmannes kennenlernen durfte.

Seit der Aktion im Museum hatte sie den Wunsch gehegt, die Nikolausmütze mit der Elefantenoptik auszuprobieren.

Das Ende vom Lied waren nackte Tatsachen. Die Elefantenmütze konnte es sich nicht verkneifen, den Rock der Besucherin anzuheben, um auf fehlende Unterwäsche hinzuweisen. Schabernack eben.

Fortsetzung folgt …

Weihnachtsgrüße
von Hans Niehus, 2017

By | 2017-12-02T19:55:53+00:00 November 27th, 2017|Featured Article, Foto-Galerien, Gesellschaft | Kultur, Städte | Regionen, Start|0 Comments

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